Schützenhof-Bunker
„Am Beton wurde nicht gepfuscht“

Münster -

Viel Geschichte rankt sich um den Beton des Schützenhof-Bunkers im Geistviertel. Dass der Beton in dem Bau mangelhaft gewesen sein soll, lässt Hans Kemper aufhorchen. Er ist der Sohn des damaligen Bauleiters Johannes Kemper. Der 90-Jährige erinnert sich an viele Gespräche mit seinem Vater.

Samstag, 11.08.2012, 17:08 Uhr

Schützenhof-Bunker : „Am Beton wurde nicht gepfuscht“
Der heute 90-jährige Hans Kemper ist Sohn des Bauleiters vom Schützenhof-Bunker. Foto: Dirk Anger

Der Schützenhof-Bunker trägt Geschichte in seinen Mauern. Und noch mehr Geschichten ranken sich um das dicke Gemäuer, das in diesem Herbst abgerissen wird. Doch dass ausgerechnet der Beton in dem massigen Bau mangelhaft gewesen sein soll, wie einige Anlieger aus Erzählungen im Viertel zu wissen glauben (WN, 31. Juli), lässt Hans Kemper aufhorchen. „Mit Sand kann man keinen Beton machen.“

Bei diesem Thema gerät der heute 90-Jährige mächtig in Fahrt. Kaum verwunderlich: Schließlich sei er der Sohn des damaligen Bauleiters Johannes Kemper , erzählt der Münsteraner. Dafür, dass beim Bau angeblich gepfuscht wurde, so wie erzählt wird, gebe es keinen Beleg, sagt Kemper unter Verweis auf zahlreiche Gespräche mit seinem Vater, der damals „für die Firma Weinrich arbeitete“.

Im Gegenteil, meint der frühere Statiker und Ingenieur, der später im Staatlichen Bauamt arbeitete: Jedes Mal, wenn frischer Beton gemischt worden sei, musste auch ein Betonwürfel gegossen werden. „Das Würfeleisen musste 28 Tage stehen.“ Nach der Abtrocknung sei jeder Betonwürfel von den damals zuständigen Behörden auf seine Festigkeit geprüft worden. Die Druckprobe habe im Beisein eines Sachverständigen stattgefunden, weiß Kemper zu berichten.

Auch die Folgen des verhängnisvollen Bombentreffers im Jahr 1944, der 68 Menschen das Leben kostete, seien nicht auf mangelnde Qualität des Bauwerks zurückzuführen, widerspricht Kemper anderslautenden Darstellungen: „Alles dummes Zeug.“ Schließlich habe die Bombe ein Treppenhaus getroffen. „Dort war viel dünneres Mauerwerk, weil es sich um ein vorgelagertes Treppenhaus handelte“, so Kemper, „das weiß ich von meinem Vater.“

Erst ab der Eingangsschleuse habe es ganz dicke Beton-Wände gegeben. Just zum Zeitpunkt des Bombeneinschlags seien noch viele Menschen in den Bunker geströmt, beruft sich Kemper auf Erzählungen seines Vaters. Weil die es aber nicht hinter die sichere Schleuse geschafft hätten, beklage man so viele Todesopfer, fährt Kemper fort. Er selbst, so sagt der 90-Jährige, sei nach dem Bombeneinschlag zum Bunker geeilt, um seine Eltern zu suchen. Als junger Soldat auf Heimaturlaub gehörte er in diesem Moment zu den Glücklichen: Er konnte seine Lieben in die Arme schließen.

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