Schwere Geschütze im Internet
Neonazis und extreme Linke nutzen die Hindenburg-Debatte als Plattform

Münster -

Im Wahlkampf vor dem Bürgerentscheid wird über das Internet in der Debatte um den Namen Schloss- oder Hindenburgplatz so manches ausgetauscht, was den Initiativen nicht recht ist. Die Schlossplatz-Befürworter forderten gestern die Hindenburgplatz-Initiative auf, sich von Kommentaren Rechtsextremer im Netz zu distanzieren.

Samstag, 18.08.2012, 10:08 Uhr

Schwere Geschütze im Internet : Neonazis und extreme Linke nutzen die Hindenburg-Debatte als Plattform
Die Schlossplatz-Freunde Hermann Terborg, Christoph Wickert, Georg Hundt (v.l.) klagen über den rüden Ton in Facebook-Kommentare. Ins gleiche Horn stößt auch die Junge Union (r.). Foto: Oliver Werner

Der Wahlkampf um den Namen Schlossplatz oder Hindenburgplatz ist erst eine Woche alt. Und er tobt auf ungute Weise vorwiegend im Internet. Gestern luden die Schlossplatz-Befürworter zu einer Pressekonferenz. „Die rechte Szene deutschlandweit hat sich der Diskussion bemächtigt“, konstatierte am Freitag  Georg Hundt , Sprecher Bürgerinitiative „Pro Schlossplatz“.

Da werden vor allem die Münsteraner verunglimpft, die auf der Internetseite der Schlossplatz-Befürworter ihr Gesicht zeigen. Besonders wüste Beleidigungen und gar Gewaltandrohung gab es gegen den CDU-Bundestagsabgeordneten Ruprecht Polenz. Es tauschen sich nach Recherchen von Christoph Wickert , Administrator des Internet-Auftritts der Schlossplatz-Freunde, unter anderen Schreiber aus, die im Umfeld der NPD und anderen rechten Gruppierungen bekannt sind.

Auch Drohungen gegen Junge Union

Während die Schlossplatz-Initiative Kommentare Rechter anprangert, sieht sich die Junge Union (JU), Münster, die offiziell für den Namen Hindenburgplatz kämpft, im Netz unflätigen Anfeindungen  aus dem Lager extremer Linker ausgesetzt. Morddrohungen und sexistische Kommentare hat die JU gelöscht, aber für die Medien dokumentiert.

Die Kommentarflut im Netz entzündete sich an einem Foto, das Mitglieder der Jungen Union bei einer Veranstaltung in einem Verbindungshaus unter der dort gehissten Flagge  zeigt . Die schwarz-weiß-rote Fahne trägt gleichzeitig die Farben der Verbindung und des deutschen Kaiserreichs. Die JU sieht, so der Vize-Vorsitzende Christoph Sluka, keinen Zusammenhang mit ihrem Engagement für den Hindenburgplatz.

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„Dort tummelt sich eine Mischung von rechten Esoterikern, wirren Islamfein- den, echten Rechtsextremisten und Personen aus dem rechtslastigen Burschenschaftsmilieu“, fasst Georg Hundt zusammen. Diese Debatte habe dem Image Münsters nun definitiv Schaden zugefügt. Wickert graut es vor einem Sieg der Hindenburgplatzfreunde beim Bürgerentscheid: „Die extreme Rechte würde die Rückbenennung zweifellos als Triumph feiern, und der Hindenburgplatz könnte einer ihre Wallfahrtsorte werden“, fürchtet er.

Die Schlossplatz-Freunde haben am Freitag die Bürgerinitiative für den Hindenburgplatz in einem offenen Brief aufgefordert, sich von rassistischen und antisemitischen Äußerungen klar zu distanzieren.

Deren Sprecher, Stefan Leschniok, betonte in einer ersten Stellungnahme, seine Initiative habe sich bereits von den angeprangerten Diffamierungen öffentlich distanziert. Dass die rechtsradikale Szene die Herrschaft über den Bürgerentscheid übernommen habe, sei eine „völlige Übertreibung“. Leschniok spricht gegenüber unserer Zeitung von „Trittbrettfahrern“. Beim Straßenwahlkampf sei eine gemeinsame Erklärung gegen Extremismus beider Initiativen angedacht, aber bedauerlicherweise von der Gegenseite nicht aufgegriffen worden. 

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KOMMENTAR

Wer mit dem Feuer spielt

Wer die schon Monate schwärende Debatte um den Schloss- beziehungsweise den Hindenburgplatz kennt – muss sich nicht wundern. Die Schlacht im Internet, wo jeder so Unflätiges absondern darf, was ihm gerade einfällt, ist entbrannt.

Hier geht es auf beiden Seiten lange nicht mehr um eine lokale münsterische Angelegenheit. Auf die Hindenburgdebatte springen Überzeugungstäter auf, die viele Gelegenheiten wahrnehmen, um ihre verqueren Ideologien auszubreiten.

Dass die Hindenburgplatz-Befürworter nun auch Anhänger haben, die wahrscheinlich nicht allen von ihnen genehm sein dürften, ist eine Gefahr, die von Beginn der Rückbenennungs-Initiative gegeben war.  Die Lunte zum Sprengstoff, den die Debatte birgt, ist jedenfalls gezündet. Es wäre gut, wenn sich das verhängnisvolle Feuer im Netz noch löschen ließe.

Die hässliche Schmähdebatte von rechts und von links ist jedenfalls das Letzte, was Münster gebrauchen kann. Schluss damit!

von Karin Völker

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