"Sentimentale Spinnerei" um einen Quadratmeter Bundesligageschichte
Fußballfan füllt Preußen-Gras in 250 kleine Plastiktütchen

Münster - Seit der Hamburger SV mit Uwe Seeler auf dem Rasen im Preußenstadion bolzte, ist nicht nur fast ein halbes Jahrhundert vergangen. Es ist seit dem ersten Spiel in der Bundesligageschichte am 24. August 1963 auch viel Gras auf dem Fußballplatz an der Hammer Straße gewachsen - so viel, dass die Grashalme von damals, als der SC Preußen für immerhin eine Saison in der 1. Bundesliga spielte, vermutlich rein gar nichts mehr mit dem Grün von heute zu tun haben.

Montag, 13.08.2012, 06:08 Uhr

"Sentimentale Spinnerei" um einen Quadratmeter Bundesligageschichte : Fußballfan füllt Preußen-Gras in 250 kleine Plastiktütchen
Bei etwa 60 Grad Celsius und einer Trocknungszeit von rund 20 Minuten machte Fußballfan Matthias in der Weide die Halme aus dem Preußen-Stadion haltbar. Danach mussten sie noch einige Tage lang unter ständigem Wenden lufttrocknen. Foto: Matthias in der Weide

Dennoch schleppten Ende Mai einige wenige Interessierte quadratmeterweise begrünte Bolzerde aus dem Preußenstadion . Etwa ein Zehntel der insgesamt 7000 Quadratmeter großen Spielfläche wurde mit Schubkarren weggetragen. Ein Abnehmer war auch Matthias in der Weide. Der begeisterte Fußballfan und Betreiber des Blogs Schalkefan.de verpflanzte sein Stück Bundesliga-Ersttagsrasen jedoch nicht einfach im Garten. Er schnitt die Halme ab, trocknete sie im Backofen und füllte sie in 250 kleinen Plastiktüten ab.

Kleine Bundesligageschichte

An einem Samstag, den 24. August 1963, begann um 17 Uhr für Deutschlands Fußballer eine neue Ära: In acht Städten wurden die Spiele der neugebildeten Bundesliga angepfiffen, darunter auch Münster. Die Adlerträger empfingen im Preußenstadion vor 38.000 Zuschauern den Hamburger SV und spielten unentschieden (1:1). Preußen Münster gehörte zu den 16 auserwählten Gründungsmitgliedern. Der Verein stieg aber schon nach der ersten Saison ab und spielte als einziges Gründungsmitglied anschließend nie wieder erstklassig.

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„Ich habe mich in die Idee verliebt, diesen Rasen zu bewahren“, sagt der Münsteraner. Immerhin sei die als Preußen-Moor verschriene Spielfläche ein Stück Bundesligageschichte . „Der SC Preußen hatte als eines der 16 Gründungsmitglieder der Bundesliga als einziger noch den alten Rasen im Stadion“, sagt in der Weide. Alle anderen Clubs mussten ihre Rasenflächen wegen Erst- und Zweitliga-Auflagen in der Vergangenheit generalüberholen - eine Maßnahme, die im Juli 2012 auch endlich Preußen Münster durchführen konnte.

Neuer Rollrasen vom Hoflieferanten der Topclubs Europas, der Firma Pfeiffer in Willich am Niederrhein, verwandelte Preußens Spielwiese „vom bundesweit schlechtesten zum besten Platz“, wie Trainer Pavel Dotchev es kürzlich vor der Einweihung beim Heimspiel gegen den Chemnitzer FC formulierte.

So pragmatisch Preußen-Sprecher Marcel Weskamp die Erneuerung sieht - „Für uns ist das leidige Thema Rasen endlich vorbei“ - so innig ist die Liebe von Matthias in der Weide zu den grünen Halmen. „Wann immer ich nach Feierabend eine freie Minute fand, schnappte ich mir die Rasenkiste und füllte Portionen in kleine Tüten mit Druckverschluss. Den Tüten wurde ein Zettel beigefügt, der den Inhalt kurz erklärte. Ich entschied mich dazu, insgesamt 250 Portionen Bundesliga-Ersttagsrasen herzustellen. Die Beipackzettel wurden zu diesem Zweck handschriftlich nummeriert“, schreibt er in seinem Blog.

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Während der Fußball-Europameisterschaft 2012 hat Matthias in der Weide seine Abende damit verbracht, jeweils eine Fingerspitze Grashalme in 250 Tüten abzupacken.

Der freischaffende Werbetexter verschenkt die Grastüten nun nach und nach an befreundete Blogger und Sportredakteure. Geld wolle er damit nicht verdienen. „Das Gras hat lediglich einen ideellen Wert.“ Um seiner „sentimentalen Spinnerei“ noch einen draufzusetzen, haben in der Heide und ein Freund ein Stück lebenden Rasen „feierlich eingepflanzt, in der Hoffnung, dass er anwächst und weiterlebt“. Im Gefrierschrank bewahrt er außerdem noch etwas Gras auf, das er in Acryl gießen möchte.

Auch wenn für Preußen-Sprecher Marcel Weskamp feststeht, dass „der Rasen nichts mehr mit dem von 1963 zu tun hat“: Matthias in der Weide ist sich sicher, ein Stück Bundesligageschichte bewahrt zu haben. Und die Bundesliga feiert im kommenden Jahr immerhin 50-jähriges Bestehen.

Rollrasen im Preußenstadion

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  • Schwere Maschinen und viel Manneskraft verlegten den neuen Rollrasen im Preußenstadion.

    Foto: Matthias Ahlke
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