Sicherheit in Münsters Allwetterzoo
„Tiger sind keine Miezekatzen“

Münster -

Die Sicherheit im Allwetterzoo bewertet Direktor Adler als „maximal“. Menschliches Versagen wie beim tödlichen Tiger-Angriff in Köln könne man jedoch nie ausschließen. 2013 soll das Tigergehege in Münster noch bessere Schleusen erhalten.

Dienstag, 28.08.2012, 07:08 Uhr

Tiger im Allwetterzoo Münster
Im Umgang mit Raubkatzen – wie diesem Tiger in Münster – gilt im Allwetterzoo das Prinzip „Null Toleranz“, betont Direktor Jörg Adler. Foto: Oliver Werner

Rasputin und Nely sind nach Einschätzung von Allwetterzoo-Direktor Jörg Adler „absolut friedliche“ Zeitgenossen. „Dennoch käme nie ein Pfleger auf die Idee, ihr Gehege zu betreten.“ Auch nach vielen Jahren im münsterischen Zoo handele es sich bei den beiden Tigern um wilde Tiere – „und nicht um Miezekatzen“.

Wenn ein Pfleger ins Tigergehege geht, dann befinden sich die beiden Raubkatzen grundsätzlich in einem vorübergehend abgetrennten Bereich, betont Adler. „Unsere Sicherheitsstandards sind maximal“, versichert er. Dennoch sei ein Unglück wie in Köln auch in Münster „nicht hundertprozentig auszuschließen“. Im dortigen Zoo hatte eine Pflegerin vergessen, die Tür zwischen ihr und den Tigern zu schließen. Das Tier fiel sie an und verletzte sie tödlich.

„Menschliches Versagen ist immer möglich“, sagt Adler. „Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit – und ein Unglück passiert.“ Die nach dem Kölner Unglück aufgeflammte Diskussion über die Sicherheitsstandards in den deutschen Zoos hält er gleichwohl für überflüssig. Die Vorgaben seien hoch, es gebe ständig Kontrollen – von Pflegern, Experten, Sicherheitsbeauftragten. „Sehen die Kollegen Nachbesserungsbedarf, dann wird das sofort thematisiert.“

Gerade erst habe der Allwetterzoo das Löwen-Gehege mit neuen Schleusen versehen, Leoparden- und Tiger-Gehege sollen 2013 folgen. Aktuell könnte ein Tiger nach einer Attacke auf einen Pfleger ins Freie gelangen – wenn es denn der Mitarbeiter zuvor versäumt hat, die Sicherheitstür zu den Tieren zu schließen. Künftig sei durch eine weitere Tür sichergestellt, „dass die Raubkatzen unter keinen Umständen mehr nach draußen gelangen“, betont Adler.

Der Zoodirektor legt übrigens Wert darauf, dass die neuen Schleusen keine Reaktion auf das Unglück in Köln, sondern schon seit Längerem in Planung seien. Mit den baulichen Veränderungen, so Adler, werde die aktuell „maximale“ Sicherheit nochmals verdoppelt.

Den Angriff in Köln hat der Zoodirektor mit Erschütterung zur Kenntnis genommen. Dass er sich ereignet hat, verwundert ihn jedoch nicht. „Mit dem Biss hat der Tiger klar zu verstehen gegeben, dass er die Pflegerin nicht in seinem Revier duldet.“ Dies sei eine gleichermaßen schreckliche wie normale Reaktion. Beim Umgang mit Raubkatzen gelte daher auch im Allwetterzoo das Prinzip „Null Toleranz“.

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