Trunkenheit am Lenker
Ordnungsamt und Polizei haben schon elf Radfahrer vom Sattel geholt

Münster -

Die Dunkelziffer liegt im Sommer besonders hoch. Nach dem ein oder anderen Gläschen Wein im Biergarten geht es angetrunken aufs Fahrrad, um nach Hause zu radeln. Wer sich dabei von der Polizei erwischen lässt, der kann – je nach Promillezahl – seinen Autoführerschein verlieren. Und wer den Lappen wegen Trunkenheit am Steuer bereits los ist, der riskiert, künftig zu Fuß durch Münster gehen zu müssen, wenn ihn die Polizei wiederholt betrunken auf dem Fahrrad erwischt.

Donnerstag, 16.08.2012, 17:08 Uhr

Fahrradpolizei
Symbolbild: Fahrradpolizisten kontrollieren einen Radler Foto: Oliver Werner

Die Stadt Münster hatte mit ihrer neuen Ordnungsverfügung, promillebeseelte oder bekiffte Wiederholungstäter vom Sattel zu holen, für bundesweites Aufsehen gesorgt. Inzwischen hat die Verwaltung seit März elf Verfahren gegen Männer im Alter von 25 bis 40 Jahren durchgezogen, bestätigt Ordnungsamtsleiter Martin Schulze-Werner . „Mit dieser einzelnen Maßnahme werden wir zwar nicht die Pro­blematik, dass Fahrradfahrer alkoholisiert unterwegs sind, in den Griff kriegen. Aber vielleicht führt dieser Mosaikstein mit Appellfunktion dazu, dass der ein oder andere auf Bus oder Taxi umsteigt“, sagt Schulze-Werner.

Die neue Ordnungsverfügung hatte zum ersten Mal bei einem Münsteraner gegriffen, der seinen Führerschein nach einer Alkoholfahrt mit dem Auto längst los war. Der Mann stieg auf das Fahrrad um. Und trank weiter. Die Beamten erwischten ihn immer wieder – zuletzt mit 2,12 Promille und Drogen im Blut. Er muss seit einem Vierteljahr laufen. Wird er auf dem Sattel erwischt, droht im eine Strafe von 500 Euro – wobei es dann völlig egal wäre, ob er nüchtern oder betrunken ist.

Neben diesem Fall ist ein zweites Verfahren gegen einen weiteren Münsteraner, der ebenfalls mehrfach mit über zwei Promille in die Pedalen trat, abgeschlossen. Zwei weitere Männer werden voraussichtlich noch ab August zu Fuß gehen müssen. „Die Untersagung steht unmittelbar bevor“, sagt Schulze-Werner. In sieben zusätzlichen Verfahren sei die medizinisch-psychologische Untersuchung angeordnet worden.

Ob sich die Stadt Münster mit ihrer Ordnungsverfügung auf einem juristisch dünnen Eis bewegt, lässt sich bislang schwer beurteilen. Es gebe laut Schulze-Werner zwar Rechtsprechungen aus dem süddeutschen Raum, woraus sich diese Vorschrift ableite, geklagt habe aber noch keiner der erwischten Radfahrer. „Wenn das Verwaltungsgericht urteilen würde, hätten wir mehr Rechtssicherheit“, sagt der Ordnungsamtsleiter. Polizeipräsident Hubert Wimber bestätigt, dass verstärkt Radfahrer wegen Alkohol am Lenker kontrolliert werden. Die Fallzahlen von permanent betrunkenen Radfahrern seien zwar überschaubar, sagt er. Der Personenkreis sei aber eine Gefährdung aller im Straßenverkehr.

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