Ausstellung im Stadtmuseum
Trotz exponierter Lage blieb der Schlossplatz stets eine Freifläche

Münster -

So schnell hat noch keine politische Kontroverse den Sprung ins Museum geschafft. Auf jeden Fall hängt derzeit im Stadtmuseum ein Exemplar des Stimmzettels vom Bürgerentscheid am 16. September. An diesem Tag beschlossen die Münsteraner nach monatelanger Debatte, dass der Schlossplatz nicht zu seinem alten Namen Hindenburgplatz zurückkehrt.

Sonntag, 30.09.2012, 12:09 Uhr

Ausstellung im Stadtmuseum : Trotz exponierter Lage blieb der Schlossplatz stets eine Freifläche
Auch daraus wurde nichts: Dr. Barbara Rommé und Dr. Bernd Thier präsentierten gestern diesen Plan des münsterischen Architekten Harald Deilmann von 1993, den Schlossplatz mit Uni-Gebäude, Studenten-Zentrum, Konzerthalle und Kongresssaal zu bebauen. Seit drei Jahrhunderten ist der Platz ein Platz. Foto: Matthias Ahlke

Der Grund für das sehr prominente und hoch­kon­tro­verse Museums-Exponat liegt auf der Hand: Am Sonntag um 15 Uhr wird die Ausstellung „350 Jahre viel Platz“ eröffnet. Sie beschäftigt sich mit der wechselvollen Geschichte der größten Freifläche in der Innenstadt: Neuplatz, Hindenburgplatz , Schlossplatz . Bei einem Presserundgang gestern hob Museumsleiterin Dr. Barbara Rommé eigens hervor, dass man vor über zwei Jahren mit der Planung der Ausstellung begonnen habe.

Darüber hinaus sei bei diesem Platz nicht allein der Name umstritten. In der Tat: Die Ausstellung ist gespickt mit Zeichnungen, Plänen und Modellen von Gebäuden, die allesamt auf diesem Platz gebaut werden sollten, aber nie gebaut wurden. Erst 2008 scheiterte das Vorhaben, auf dem damaligen Hindenburgplatz eine Musikhalle zu errichten – wieder durch einen Bürgerentscheid. Auf der Fläche etwas zu bauen, dürfte auch gar nicht so leicht sein. Dr. Bernd Thier vom Stadtmuseum jedenfalls wies gestern darauf hin, dass unter der heutigen Parkfläche noch die Reste des einstmals gewaltigen Liebfrauentors liegen.

Mitte des 17. Jahrhundert wurde es abgerissen. Da keine Baumaßnahme der vergangenen Jahrhunderte die Gebäudereste zerstört hätten, wären sie Anschauungsmaterial für Archäologen, „Arbeit für fünf Jahre“, wie Thier meinte. Kommentar von Barbara Rommé dazu: „Der Schlossplatz ist ein herausragendes Bodendenkmal.“ Ach übrigens: Nach Auskunft von Dr. Thier haben umfassende Recherchen ergeben, dass auf dem Schlossplatz in den vergangenen Jahrhunderten rund 10 000 Veranstaltungen stattgefunden haben. Und noch eins: Sollten alle Münsteraner auf die Idee kommen, sich zeitgleich auf dem Schlossplatz zu versammeln, der Platz würde locker reichen.

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