Universitätsarchiv
Das Gedächtnis der Uni wird 100

Münster -

Als das Universitätsarchiv 1912 gegründet wurde, war es eines der ersten seiner Art. Es verwaltet heute fünf Regalkilometer Archivalien – sowie eine skurrile Sammlung ausrangierter Talare.

Donnerstag, 06.09.2012, 08:09 Uhr

So ein Universitätsarchiv ist doch eine enorm nützliche Sache. Zum Beispiel für eine frisch gewählte Rektorin, die zu einer akademischen Feier im Ausland eingeladen wird, dabei aber unbedingt einen Talar tragen muss. Einen Talar! Prof. Ursula Nelles erzählt genüsslich, dass sie ihr Studium im Wintersemester 68 begonnen habe: Talare waren damals völlig out – und sind es bis heute. Woher nehmen? Erraten: aus dem Universitätsarchiv.

Das Archiv, das seit 1996 am Leonardo-Campus ansässig ist, verwaltet heute etwa fünf Regalkilometer Archivalien . Und nebenbei eine skurrile Kleiderkammer – eine Sammlung amtlicher Universitätstalare vom Gründungsjahr 1902 bis in die 60er Jahre, als diese Mode ausrangiert wurde. Für die Chefin fand sich ein Rektorentalar aus dem Jahr 1927; etwas zerschlissen zwar, aber tadellos in Form. Dessen Innenfutter aus rosiger Seide wurde von einer Schneiderin auf den neuesten Stand gebracht. Prof. Nelles soll eine großartige Figur gemacht haben.

Zugegeben, die Kleidersammlung ist nicht die Hauptsache. Das Universitätsarchiv ist, das betonte Prof. Hans-Ulrich Thamer in seinem Festvortrag zum 100-jährigen Bestehen der Einrichtung, das „kollektive Gedächtnis“ der Universität. Als es 1912 gegründet wurde, war es eines der ersten seiner Art. Bis in die 60er Jahre hinein gab es nur in Bonn eine vergleichbare Institution. Heute hat jede Uni ihr eigenes Archiv – aber dass die meisten nur bescheiden ausgestattet und personell unterbesetzt sind, ließ der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Hochschularchivare NRW, Jörg Lorenz, in seinem Grußwort anklingen.

Heute ist das Universitätsarchiv nicht nur für das Bewahren von Kulturgut zuständig – es wird immer mehr zum Arbeitsplatz für Historiker, die sich mit der eigenen Hochschulgeschichte befassen. Dabei müsse es sich auch den „Ambivalenzen und Vielheiten“ der Moderne stellen, betonte Thamer. Er selbst sei zum Beispiel als Student in Marburg angehalten worden, alle studentischen Flugblätter und Pamphlete zu sammeln, die er im Hörsaal auftreiben konnte. Fürs Archiv.

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