Lebenskünstler mit Avocados
Joshua O‘Connor hat mit seinem Fahrradladen halb Europa bereist / Salat in leeren Leuchten

Münster -

Er trägt einen mediterranen Strohhut mit roter Schärpe, ein blaues Hippietuch und lange Haare. Ganz vorn an seinem Fahrrad hängt in zwei umgedrehten leeren Leuchten Münsters kleinster Gemüsegarten. Gerade wächst da der Salat. Dahinter zieht Joshua O‘Connor einen behäbigen Anhänger voll kurioser Kunst. Der hat ihn durch ganz Europa begleitet.

Samstag, 13.10.2012, 12:10 Uhr

Lebenskünstler mit Avocados : Joshua O‘Connor hat mit seinem Fahrradladen halb Europa bereist / Salat in leeren Leuchten
Joshua O‘Connor mit einem Avocado-Kern-Kunstwerk. Foto: bn

„Hier ist der schönste Platz in Münster “, sagt der Isländer, der eine irische Mutter hat und mit drei Jahren nach Essen zog. Er baut einen gelben Sonnenschirm an der Aabrücke am Spiegelturm auf und setzt sich auf einen alten Klappstuhl.

Mit 15 Jahren zog es O‘Connor in die Welt. Ohne Schulabschluss, ohne Ausbildung. „Ich wusste einfach, was ich werde wollte“, sagt er. Künstler nämlich. Kunsthandwerker auch. Und Flamenco-Gitarrist. Drei Wünsche – alles ging in Erfüllung.

Und kann man davon leben? „Sieht man doch“, sagt er grinsend. Er ist ja nun schon 44. Obwohl: „Es könnte natürlich immer besser sein, aber wir befinden uns ja in einer weltweiten Wirtschaftskrise.“

Gelebt hat er 20 Jahre lang in Spanien , hat sich auf Kunsthandwerkermärkten umgesehen. Und sein Spezialmetier entdeckt. Diffizile kleine Schnitzarbeiten aus Avocadokernen.

„Zuerst sind die ungefähr so hart wie eine Kartoffel“, sagt der Künstler, „da muss man genau aufpassen, wenn man sie bearbeitet.“ Eine falsche Bewegung, schon ist die Nase weg. Später, wenn der Kern trocknet, ist er dann hart wie Holz.

O‘Connor hat auf seinem kleinen Anhänger viele Kunstwerke ausgestellt. „Nein“, sagt er, „verkauft wird hier natürlich nicht.“ Wegen des Ordnungsamtes . Aber, wer sich für Avocadokunst interessiert, der kann Kontakt knüpfen. In Spanien ist der Avocado übrigens ein sehr großer Baum – meist gebraucht für die Kosmetikindustrie.

Kunst aus Avocados

Seit zwei Jahren lebt O‘Connor wieder in Deutschland, sei sieben Monaten in Münster. Vorher ist er mit seinem mobilen Geschäft rumgezogen, in Italien, in Frankreich. Seit zwölf Jahren kann er vom Kunsthandwerk leben.

Früher hat O‘Connor auch mal eine Zeit lang gemalt. „Weil ich meine Bilder besser verkaufen konnte“, sagt er. Aber er habe sich eigentlich immer als Skulpteur gesehen. Mit den Avocados kam er auch an die Miniaturen. Die Kunst ist klein, fein und ziseliert.

Obwohl es nicht so aussieht, hat der Straßenkünstler in Münster eine feste Bleibe und eine Freundin. Seine Tochter – auch da war also mal etwas – lebt heute in Peru. Die hat er lange nicht gesehen.

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Münsters kleinster Garten: Efeu in einer Fahrradleuchte.

Und der kleine Salatgarten, vorne am Fahrrad ? „Ganz ehrlich, das ist eigentlich nur Zierde“, sagt er. Aber einmal hatte er dort in der leeren Lampenhülle eine ganz kleine Tomatenpflanze, an der drei Tomaten wuchsen: „Die habe ich gegessen, bis auf eine.“ Die ist ihm runtergefallen – nur wegen Münsters Kopfsteinpflaster.

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