Universitäten Münster und Osnabrück eröffnen „Zentrum für Islamische Theologie“
Islam wird in Münster europäisch

Münster - Mit einem Festakt im münsterschen Schloss haben die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) und die Universität Osnabrück heute offiziell das gemeinsame "Zentrum für Islamische Theologie Münster/Osnabrück" eröffnet. Es ist eines von deutschlandweit vier Zentren, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den jeweiligen Landes-Wissenschaftsministerien gefördert werden. "Glaube muss nicht nur geglaubt, sondern auch gedacht werden", betonte Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan. "Das Zentrum Münster/Osnabrück bietet hervorragende Voraussetzungen für einen verstärkten theologischen Diskurs an den Hochschulen."

Mittwoch, 31.10.2012, 08:10 Uhr

Für Nimet Seher ist die Veranstaltung ein Meilenstein. Für Muslime in Deutschland, für sie selbst als Wissenschaftlerin. Die junge Frau promoviert am Zentrum für islamische Theologie über die feministische Auslegung des Korans. Nach ihrem Kopftuch, das sie auch am Dienstag zur feiererlichen Eröffnung des Zentrums trägt, wird sie häufiger gefragt, erklärt Nimet Seher lachend. Sie ist in der voll besetzten Aula im Schloss an diesem Morgen lange nicht die Einzige, die sich so auch äußerlich als Muslima zu erkennen gibt.

Zentrum für Islamische Theologie

Das Zentrum für Islamische Theologie Münster/Osnabrück wird von  Ländern und vom Bund finanziert. An beiden Hochschulen gibt es jeweils acht Professuren. Sie sind erst teilweise besetzt – geeignete Bewerber zu finden, ist schwer, weil islamische Theologie im deutschsprachigen Raum bisher wissenschaftlich kaum betrieben wurde. Das Zentrum in Münster bietet drei Studiengänge und einen Erweiterungsstudiengang Islamunterricht an, 200 Studierende sind eingeschrieben. In NRW würden dringend Religionslehrer für die 320 000 muslimischen Schulkinder gebraucht, sagte gestern Ministerin Svenja Schulze.

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Neben Prof. Mouhanad Khorchide, der das Zentrum aufgebaut hat, sitzen Frauen ohne Kopfbedeckung. Bundesbildungsministerin Annette Schavan , die sich für die Förderung des Zentrums, das gemeinsam von den Universitäten Münster und Osnabrück gebildet wird, sehr eingesetzt hat, NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze und ihre niedersächsische Kollegin Johanna Wanka. Außerdem geistliche Würdenträger und Vertreter des Islam , auch Repräsentanten der christlichen Kirchen und des Judentums – es ist, sagt Schavan in ihrer Ansprache, „ein guter Tag für die Religionen“.

Eröffnung des Zentrums für Islamische Theologie Münster/Osnabrück

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  • Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan und zahlreiche Gäste eröffnen das ZIT Münster/Osnabrück

    Foto: Oliver Werner
  • Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan und zahlreiche Gäste eröffnen das ZIT Münster/Osnabrück

    Foto: Oliver Werner
  • Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan und zahlreiche Gäste eröffnen das ZIT Münster/Osnabrück

    Foto: Oliver Werner
  • Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan und zahlreiche Gäste eröffnen das ZIT Münster/Osnabrück

    Foto: Oliver Werner
  • Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan und zahlreiche Gäste eröffnen das ZIT Münster/Osnabrück

    Foto: Oliver Werner
  • Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan und zahlreiche Gäste eröffnen das ZIT Münster/Osnabrück

    Foto: Oliver Werner
  • Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan und zahlreiche Gäste eröffnen das ZIT Münster/Osnabrück

    Foto: Oliver Werner

Die wissenschaftliche Einrichtung, in der die theologische Islamforschung vorangetrieben wird und wo Lehrer für den muslimischen Religionsunterricht sowie Imame für die hiesigen Moscheegemeinden ausgebildet werden, werde der „Klärung und Aufklärung“ dienen, sagt die Ministerin – und dankt den beiden Pionieren, die das Zentrum in Münster und Osnabrück aufgebaut haben: Prof. Bülent Ucar aus Osnabrück, der von einem Akt der „Beheimatung des Islam in Deutschland“ spricht. Und Prof. Mouhanad Khorchide, der den Ministerinnen später jeweils einen ganzen Stapel an Büchern überreicht: Das sind nur die Forschungsergebnisse aus dem vergangenen Sommer“, sagt Khorchide – und unterstreicht damit, dass er und seine Kollegen nicht mehr ganz am Anfang stehen bei der Aufgabe, „einen europäischen Islam zu etablieren, der die Lebenswirklichkeit der hier lebenden Muslime berücksichtigt“. Dass dies in einem demokratischen System geschehe, „wo der Wissenschaft nichts vordiktiert wird“ – dafür sei er dankbar.

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