Wenn Reden zur Last wird
Heute ist Welttag der Stotterer

Münster -

Marilyn Monroe hat es getan. Actionheld Bruce Willis ebenfalls: Stottern. „Eigentlich rede ich gerne“, sagt Nico Stolwijk. „Aber die Lust kann einem vergehen.” Nico Stolwijk redet nicht nur gerne – er muss es als Professor der Physik auch von Berufs wegen. Beim Gespräch in der Stadtbücherei ist dem Niederländer, der seit fast 30 Jahren in Altenberge lebt, so gut wie nichts von seinem Handicap anzumerken.

Montag, 22.10.2012, 08:10 Uhr

Wenn Reden zur Last wird : Heute ist Welttag der Stotterer
Autor Gerd Riese las zusammen mit seiner Frau Ilona Richter aus seinem Buch „King George, Chagall, die Monroe und wir“ über berühmte Stotterer. Foto: ms

Das liegt wohl nicht zuletzt an der Stotterer-Selbsthilfegruppe in Münster , die er regelmäßig donnerstags besucht. „Unsichtbare Unterstützung“ gebe einem der Kreis der etwa 30 Mitglieder, die den „Kern“ ausmachen. Es helfe zu sehen: Man ist nicht der Einzige!

Gemeinsam würden Sprechübungen gemacht, aber auch „Mutproben“ stattfinden – wie vor laufender Kamera fremde Leute anzusprechen. Aus Anlass des heutigen Welttags des Stotterns las am Freitagabend der Autor Gerd Riese aus seinem Buch „King George, Chagall, die Monroe und wir“, das spannende Erzählungen aus dem Leben berühmter Stotterer vereinigt.

In der Erzählung Rieses steht David Seidler im Mittelpunkt der als stotternder Junge davon hörte, dass der König am selben Problem wie er litt. Jener Seidler, der seinen Traum wahr machte, darüber zu schreiben und als 73-Jähriger seinen Drehbuch-Oscar „allen Stotterern der Welt“ widmete. Riese ist selbst Stotterer. Wenn er liest, ist sein Stottern echt – wenn seine Frau Ilona Richter liest, ist es nachgemacht.

Die Erzählung über einen Jungen, der aus Angst vor seinem Stottern keine Fahrkarte kaufte und elf Kilometer zu Fuß ging, ist ähnlich passiert: Erlebt hat sie einst Berthold Wauligmann von der Selbsthilfegruppe Münster. Viele Therapien, besonders im Kindesalter, würden gut helfen, sagt der 38-jährige Ingo Roderfeld, der als Kind extrem betroffen war. Aber: „Bei Therapien, die Erwachsenen schnelle, komplette Abhilfe versprechen, sollte man vorsichtig sein.“  

| www.stottern-muenster.de

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