Behutsam zurück ins Leben
Krisenhilfe bietet verzweifelten Menschen Begleitung und Beratung

Münster -

Seine Frau hat sich von einer Brücke in den Tod gestürzt. Er wollte nicht mehr weiterleben. Die Beratung durch die Krisenhilfe, Partner der WN-Spendenaktion, hat dem 50-Jährigen neuen Lebensmut gegeben. Wichtig sei es, sagt Beraterin Rita Lindenbaum, Gefühle nicht zu unterdrücken. 

Sonntag, 18.11.2012, 17:11 Uhr

Behutsam zurück ins Leben : Krisenhilfe bietet verzweifelten Menschen Begleitung und Beratung
Sich einlassen auf Unterstützung: Die Krisenhilfe möchte Menschen, die allein nicht mehr weiterwissen, neuen Lebensmut geben und sie auf diesem Weg begleiten. Foto: Matthias Ahlke

Zwei Sätze hat er herausgebracht. Und mindestens drei Packungen Tempotücher durchgeheult. Erinnerungen, nur ganz schemenhaft, die Michael K. von seinem ersten Gespräch bei der Krisenhilfe einfallen. Fünf Tage zuvor hat sich seine Frau von einer hohen Brücke in die Tiefe gestürzt. In den Tod. Als sie gefunden wird, will auch er nicht mehr leben, will ihr folgen. Ein Mix aus Alkohol und Tabletten, ein Hotelzimmer, Endstation – der 50-Jährige hat in dem Moment mit seinem Leben abgeschlossen. Doch er überlebt – und ist heute, ein Jahr später, behutsam Schritt für Schritt auf seinem Weg zurück ins Leben.

Dass er damals gerade noch rechtzeitig zur Krisenhilfe gefunden hat, „sollte einfach so sein“, glaubt er. „Gut, dass es sie gibt.“ Denn ohne die schnelle Hilfe, die Gespräche, das Zuhören und das gute Gefühl, sich selbst fallen lassen zu können, hätte er es nicht gepackt. „Aber ich wurde aufgefangen.“

Das hat seine Marion ihm innig gewünscht. In ihrem Abschiedsbrief – Zeile für Zeile geprägt von tiefer Liebe – hofft sie für ihn, dass er noch schöne Zeiten erleben möge. Für sie sei der Weg zu Ende, die Kraft zum Weiterleben aufgezehrt. Jahrelanges Mobbing am Arbeitsplatz habe ihr jede Freude genommen, erzählt ihr Mann. Sehr sensibel, sehr verletzlich sei sie gewesen: „Eine tolle Frau mit einem Riesenherz für andere.“ Ausgerechnet ihr habe man so übel zugesetzt. Aus dem Teufelskreis aus immer mehr Arbeit, die nur ihr aufgebürdet wurde, aus Herabwürdigungen und auch Demütigungen, habe sie sich nicht befreien können.

All dieses und viel, viel mehr hat er sich von der Seele geredet. Viele Tränen sind geflossen. „Das ist wichtig. Gefühle zulassen, nicht unterdrücken, nicht zuschütten“, sagt Rita Lindenbaum , die den 50-Jährigen in den vergangenen zwölf Monaten als Ehrenamtliche der Krisenhilfe eng begleitet hat. Viele intensive Gespräche haben die beiden geführt, Vertrauen ist gewachsen und auch ein neuer Blick auf das Leben. Michael K. trauert sehr um seine Frau – und hat sich verändert. „Der Schmerz über diesen Verlust, der bleibt, die Trauer nimmst du überall mit hin“, ist seine Erfahrung. Und doch kann er – ab und zu – auch wieder lächeln. Und manchmal auch lachen.

Die Nähe zu anderen Menschen, sie ist ihm wichtig wie nie zuvor. „Wenn ich überlege, worüber ich mich früher geärgert habe. Es verliert alles an Bedeutung, ganz andere Dinge werden wichtig.“ Heute sind das sein Freundeskreis, aber auch Engagement für andere, die Hilfe brauchen.

Denn er selbst weiß, wie wichtig es ist, Hilfe zu bekommen, wenn man ganz unten ist. Die Krisenhilfe, deren Adresse ihm ein Freund gegeben hat, war wie ein Netz, das ihn aufgefangen hat. Umso wichtiger ist ihm, sich für diese Einrichtung starkzumachen, die ohne Spenden die Ausbildung und Qualifizierung ihrer ehrenamtlichen Krisenbegleiter gar nicht leisten kann. Ihre Bedeutung bringt Michael K. nach seinem Jahr der persönlichen Hilfe auf den Punkt: „Sie retten Leben.“ 

www.wn.de/spendenaktion

WN-Spendenaktion: Vier Projekte ein Konto

► Projekte:

Krisenhilfe (Beratung von Menschen in existenziellen Lebenskrisen),Organspende (Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit, um Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen), Uganda (Bau eines Kindergartens für 300 Kinder), Sri Lanka (Hilfe für Kinder und Minen-Opfer).

► Auswahl:

Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Sonst wird die Spende aufgeteilt.

► Konto: 8888 bei der Sparkasse Münsterland-Ost (BLZ 400 501 50).

► Barometer: Die WN berichten regelmäßig über die eingehenden Spenden. Wer nicht möchte, dass sein Name im Spendenbarometer erscheint, sollte das bei der Überweisung mit dem Wort „Nein“ vermerken.

► Spendenquittungen: Die Projektpartner stellen ab 200 Euro automatisch Spendenquittungen aus.

Rückfragen: Telefon 0251 / 690 716</p></verweis-block>

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