Ehemalige Versöhnungskirche in Münster verkauft
Wehmut über Kirchen-Abriss

Münster -

Die Apostel-Gemeinde hat die ehemalige Versöhnungskirche an die Wohn- und Stadtbau verkauft. Das Gebäude soll abgerissen und durch Wohnbebauung ersetzt werden.

Donnerstag, 22.11.2012, 20:11 Uhr

Ehemalige Versöhnungskirche in Münster verkauft : Wehmut über Kirchen-Abriss
Die ehemalige Versöhnungskirche ist von der Apostel-Kirchengemeinde an die Wohn- und Stadtbau verkauft worden. Das einstige Gotteshaus und das Gemeindezentrum sollen nun abgerissen werden. Foto: Matthias Ahlke

Erstmalig in der jüngeren Stadtgeschichte wird ein ehemaliges christliches Gotteshaus wieder abgerissen. Die evangelische Apostel-Kirchengemeinde hat die frühere Versöhnungskirche am Friesenring samt Gemeindehaus und Grundstück an die Wohn- und Stadtbau verkauft. „Für viele Gläubige war diese Kirche jahrzehntelang ein vertrauter Ort, natürlich schwingen Emotionen mit, dass sie nun abgerissen wird“, räumt Pfarrer Heinrich Kandzi ein. Der Geistliche spricht von „Wehmut“.

Die Versöhnungskirche war 2007 entwidmet worden, nachdem die Apostel-Gemeinde nicht mehr die Kosten für den Erhalt der Kirche und des Gemeindezentrums tragen konnte. „Der Zustand der Gebäude ist so schlecht, dass wir uns gegen ihren Erhalt entschlossen haben“, betont Klemens Nottenkemper , Geschäftsführer der Wohn- und Stadtbau. Auch ein Umbau – zum Beispiel in Wohnungen oder eine Kindertagesstätte – sei nur schwer möglich gewesen. Zudem seien die Gebäude mit Asbest belastet.

Derzeit werden Kirche und Gemeindezentrum von Mitarbeitern des Landesmuseums genutzt, das momentan am Domplatz einen Anbau erhält. Erst nach ihrem Auszug – bis spätestens 2014 – soll das Gotteshaus abgerissen werden. Die Wohn- und Stadtbau plant, auf dem 2800 Quadratmeter großen Grundstück Wohnungen zu errichten.

Aktuell baut die Wohn- und Stadtbau zwei frühere katholische Kirchengebäude um. St. Sebastian wird zu einer Kindertagesstätte, in die Dreifaltigkeitskirche ziehen unter anderem betreute Wohngruppen ein. Bereits vor Längerem war die Bonifatiuskirche zu einem Verlagshaus umgebaut worden. Auch Herz Jesu und St. Elisabeth ist inzwischen profaniert worden, wie es mit dem Gotteshaus im Hafenviertel weitergeht, ist allerdings noch unklar. Mit dem Abriss des Klarissenklosters an der Scharnhorststraße und des Franziskanerklosters am Bohlweg verschwanden zwar auch deren Kapellen – dabei handelte es sich jedoch nicht um Gemeindekirchen.

Im gesamten Bistum sind seit 2001 18 von insgesamt rund 900 Kirchen profaniert worden, sieben wurden abgerissen. Im Einzugsbereich der Evangelischen Kirche von Westfalen wurden seit 2001 48 Kirchen und 28 Predigtstätten entwidmet und neun Kirchen abgerissen.

Dass nun auch die Zeit der früheren Versöhnungskirche abgelaufen ist, bezeichnet Nottenkemper als „schwierige Entscheidung“. Pfarrer Kandzi zeigt sich gleichwohl „erleichtert“, dass die Immobilie veräußert werden konnte.

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