Kuriose Sammlung im Universitätsarchiv
Man trägt wieder Talar

Münster -

„Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ hieß es spöttisch in den 60er Jahren. Damals wurde es unüblich, dass münsterische Professoren, Dekane und Rektoren Talare tragen. Es gibt sie aber noch: Sie lagern im Universitätsarchiv. Und ab und zu kommt ein Professor und leiht sich einen aus.

Sonntag, 11.11.2012, 14:11 Uhr

Kuriose Sammlung im Universitätsarchiv : Man trägt wieder Talar
Nicht ohne Anstrengung hält Universitätsarchivarin Dr. Sabine Happ den theologischen Dekan (lila) und den Rector Magnificus (purpur) empor. Der Pedell (rot) und der philosophische Professor (blau) sind auch nicht viel leichter. Foto: Matthias Ahlke

Es riecht tatsächlich etwas muffig. Dabei sind diese Talare keine 1000 Jahre alt, höchstens 150. Andererseits kommen die in Folie verpackten Kleidungsstücke selten an die frische Luft, und in ihrer Jugend hat man sie offenbar gründlich mit Mottenpulver behandelt. Vor ein paar Jahren waren sie auf Kosten des Rektorats mal in der Reinigung; seitdem wird ihnen keine besondere Pflege mehr zuteil. Warum auch? Sie werden ja kaum noch getragen.

Kaum noch – das heißt: ab und zu schon. Das ist das Sonderbare an dieser etwas bizarren Sammlung, von der selbst die Mehrheit der Professorenschaft kaum wissen dürfte, dass sie existiert. Das Universitätsarchiv am Leonardo-Campus bewahrt etwa 100 Talare und Barrette aus alter Zeit auf. Talare für Professoren, Dekane und Pedelle, die Amtleute der Universität. Und einen ganz besonders schönen, 1929 gefertigten Umhang aus purpurrotem Samt mit goldenen Applikationen und himbeerfarbenem Futter. Der ist für die Chefin.

Dr. Sabine Happ verwaltet die ganze Pracht. Für die Universitätsarchivarin ist der Umgang mit den alten Schätzchen etwas selbstverständlicher geworden, denn seit einiger Zeit wird immer wieder mal ein Talar ausgeliehen. Und zwar meistens dann, wenn münsterische Professoren zu einem Festakt ins Ausland gebeten werden. Dann achtet Sabine Happ besonders auf die passende Fakultätsfarbe: Dunkelblau sind die Philosophen, hellblau die Naturwissenschaftler, rot die Juristen, lila die Theologen – wobei das katholische Lila eine Spur intensiver ist. Die Mediziner wären grün. Aber deren Talare sind aus unerfindlichen Gründen nicht im Universitätsarchiv gelandet.

Einfarbigkeit ist den Dekanen vorbehalten, Purpur den Rektoren. Normale Professoren tragen Martin-Luther-Schwarz mit farbigem Besatz. Stattlich anzuschauen.

In den 50er Jahren waren Talare noch üblich, in den 60er Jahren hat man sich über ihren „Muff von 1000 Jahren“ lustig gemacht, in den 70ern waren sie praktisch verschwunden – ohne dass ihr Verschwinden regelrecht beschlossen worden wäre. „Ich glaube, sie waren einfach nicht mehr opportun“, sagt die Archivarin.

Im Ausland, aber auch an anderen deutschen Universitäten ist die Tradition, bei festlichen Anlässen Talar zu tragen, nie unterbrochen worden. Hätte sie in Münster vielleicht noch eine Chance? „Es käme mir künstlich vor, sie wieder einzuführen“, meint Dr. Happ – die sich allerdings gern an ihre talar­geschmückte Promotionsfeier in Bonn erinnert.

Mag auch sein, dass jüngere Professoren die Last der Tradition scheuen: So ein wollener Talar hat nämlich das Gewicht einer durchschnittlichen Bierkiste. Mit Füllung!

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