Psychotherapeuten in Ausbildung planen Demo
Rahmenbedingungen stimmen nicht

Münster -

Sie fühlen sich ausgebeutet. Als billige Arbeitskräfte. Und gerade deshalb auch wenig geschätzt. Psychotherapeuten in Ausbildung – kurz PiA – wollen das nicht länger hinnehmen. „Wir gehen jetzt auf die Straße“ ist das bundesweite Motto mehrerer Demonstrationen, mit denen sie sich Gehör verschaffen wollen. Um auf die schwierigen Rahmenbedingungen aufmerksam zu machen – die großen Hürden auf ihrem Weg in den Beruf.

Donnerstag, 08.11.2012, 05:11 Uhr

Psychotherapeuten in Ausbildung planen Demo : Rahmenbedingungen stimmen nicht
Kämpfen für Verbesserungen in der Ausbildung der Psychotherapeuten (v.l.): Henrike Kopmann, Robin Siegel, Maria Glaen und Melissa Wee. Foto: bn

Robin Siegel ist PiA-Sprecher NRW , Maria Glaen, Melissa Wee und Henrike Kopmann Instituts- und Kurssprecherinnen in ihren Bereichen. Das Quartett bereitet die Kundgebung am nächsten Mittwoch (14. November) in Münster vor. Um 13 Uhr startet der Demo-Zug ab Hauptbahnhof in Richtung Prinzipalmarkt, wo im Schatten von St. Lamberti eine Kundgebung geplant ist. „Wir wollen die Politik zum Handeln bewegen, es muss sich was ändern“, lautet das gemeinsame Anliegen. 250 bis 300 Teilnehmer werden erwartet.

Der Werdegang des Berufsstandes ist klar vorgezeichnet: Nach dem Psychologiestudium folgen drei bis fünf Jahre Ausbildung – je nach Voll- oder Teilzeit – an einem privaten oder staatlichen Ausbildungsinstitut. Dazu zählt auch eine eineinhalbjährige praktische Tätigkeit in psychiatrischen Kliniken: „Das sind etwa 1800 Stunden, die zum Teil aber gar nicht, teilweise nur sehr gering entlohnt werden“, so die Kritik. Nebenbei aber zahlen sie etwa 330 Euro im Schnitt an monatlichen Institutsgebühren. „Wenn wir aber kein Geld für unsere Arbeit bekommen, oder nur ganz wenig, dann kann das nicht funktionieren.“

Sie übernähmen in den Kliniken keine Hilfsarbeiten, seien keine Hospitanten oder Praktikanten, die über die Schulter schauen: „Wir werden eingesetzt wie fertige Kollegen, tragen Verantwortung, leiten Gruppen, machen Diagnosen, das ganze Programm.“ Manche Kliniken zahlten nichts, manche ein paar hundert Euro – aber eben nicht genug. Die Folge: „Ohne finanzielles Polster oder Kredit lässt sich diese finanzielle Belastung nicht stemmen.“ Die Krankenhäuser könnten die Leistungen, die die PiA erbringen, mit den Krankenkassen abrechnen: „Ohne etwas an uns weitergeben zu müssen.“

Angemessene Vergütung während dieser klinischen Zeit ist eine Forderung, aber auch Klärung des arbeitsrechtlichen Status. Deshalb soll jetzt auch ausdrücklich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr zu diesen Missständen gehört werden: „Nach der Kundgebung geht die Demo zurück zum Bahnhof, dann fahren wir mit dem Rad zu seinem Wahlkreisbüro und wollen die Petition übergeben.“ Unterschriften haben sie dafür schon über 9000 gesammelt. Dass sie den Minister am Mittwoch persönlich antreffen könnten, scheint ausgeschlossen: „Aber jemand, der es ihm weitergibt, wird da sein.“ Und sie erwarten, bald eine Erklärung des Gesundheitsministers zu ihren Forderungen zu bekommen.

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