Runter vom Sofa – dem Rücken zuliebe
Abendvisite mit Prof. Dr. Stummer und Dr. Klingenhöfer

Münster -

Eins. Zwei. Drei – abgezählt: Etwa jeder Dritte im Raum, da waren sich die beiden Mediziner sicher, habe einen Bandscheibenvorfall – und zwar, ohne es zu wissen. Denn nicht immer mache sich die Veränderung an der Wirbelsäule auch mit Schmerzen bemerkbar. Und wenn doch, dann muss trotzdem nicht immer gleich operiert werden: „Eine Operation ist meistens das Mittel, wenn alles andere ausgereizt ist“, betonen Prof. Dr. Walter Stummer und Dr. Mark Klingenhöfer. Der Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKM und sein Oberarzt erläuterten den Zuhörern in der Abendvisite am Dienstag, in welchen Fällen bei Rückenschmerzen konservative Behandlungsmethoden angebracht sind – und wann ein chirurgischer Eingriff unumgänglich ist.

Mittwoch, 14.11.2012, 20:11 Uhr

Runter vom Sofa – dem Rücken zuliebe : Abendvisite mit Prof. Dr. Stummer und Dr. Klingenhöfer
Rücken war das Thema der Abendvisite mit Prof. Dr. Walter Stummer und Dr. Mark Klingenhöfer (v.l.). Moderator war Wolfgang Kleideiter, stellvertretender WN-Chefredakteur. Foto: Martin Ellerich

Ziel beider Therapien könne nur eins sein: Die Betroffenen von ihren Schmerzen zu befreien. Doch dazu müssen Ärzte erst einmal der Ursache für die Beschwerden auf die Spur kommen. Gar nicht so einfach: „In vielen Fällen lässt sich der Grund nicht eindeutig ausmachen.“

Ehe bildgebende Diagnostik zu Rate gezogen werde, sollte man lieber im Gespräch versuchen, die Gründe für die Schmerzen zu finden, so die Experten. Also: Wo sitzen die Schmerzen genau? Strahlen sie aus in die Beine, in die Füße? Gibt es Taubheitsgefühle? Gebe es zurzeit akute Probleme zum Beispiel im Beruf, im Privatleben? „Auch wenn manche erst einmal irritiert gucken, die psychische Komponente kann bei Rückenschmerzen eine entscheidende Rolle spielen“, erläuterten Prof. Stummer und Dr. Klingenhöfer.

Immerhin: Bei etwa 75 Prozent aller Rückenprobleme seien muskuläre oder psychische Veränderungen dafür verantwortlich. Fehlbelastungen, Verspannungen, all das mache sich im zunehmenden Alter eben zunehmend bemerkbar: „Die Wirbelsäule altert auch. Jeder bekommt dort Veränderungen, Abnutzungen. Genau wie bei der Haut“, betonten die beiden Referenten. Umso wichtiger sei es aber, dem vorzubeugen. Und da gibt’s keine Entschuldigung, sondern nur eins – runter vom Sofa: „Bewegung ist das A und O.“ Muskelaufbau, also Rücken, Rumpf und Bauch stärken, sei wichtig. Prima wäre es, wenn Übungen aus der Rückenschule bei jedem auf dem täglichen Bewegungs-Programm stünden.

Auf der anderen Seite bleiben die Fälle, in denen doch operiert werden muss. Zum Beispiel bei einer Verengung im Spinalkanal oder bei Wirbelbrüchen. Oder dann, wenn es Lähmungen gibt. Auch  Osteoporose sei ein steigendes Problem. „Die Knochen werden im Alter weicher, poröser. Dann lassen sich auch Schrauben oder Schienen nicht einfach so verankern.“

Eine Operation bleibe deshalb immer eine individuelle Entscheidung, sollte nicht vorschnell getroffen werden, warnen die Chirurgen selbst. Und bei allem sollte als oberstes Gebot gelten: „Wir müssen den Menschen, nicht nur die Wirbelsäule behandeln.“

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