Sybille Benning macht sich auf den Weg
CDU hat erstmals Bundestagskandidatin

Münster - Am Dingbängerweg in Roxel brennt noch weit nach Mitternacht Licht. Die Stimmung ist ausgelassen, die Freude groß. Mit Ehemann Frank und Freunden feiert Ratsfrau Sybille Benning (51) nach der Stichwahl zu Hause ihre frische Nominierung als CDU-Bundestagkandidatin.

Dienstag, 13.11.2012, 20:11 Uhr

Sybille Benning macht sich auf den Weg : CDU hat erstmals Bundestagskandidatin
Glückliche Augenblicke: Erstmals nominiert die münsterische CDU mit Sybille Benning eine Frau für die Bundestagskandidatur. Foto: Oliver Werner

Kein Grund aber, sich am Tag danach zu schonen. Die erste Frau, die Münsters Christdemokraten für den Bundestag ins Rennen schicken, findet am Dienstag nicht einmal Zeit für die vielen Gratulanten. Denn ihr Kalender als Kommunalpolitikerin ist prall gefüllt, das Handy häufig ausgeschaltet: 8.30 Uhr Termin in der Grundschule, danach ein Gespräch bei der Wirtschaftsförderung, später Haushaltsberatung in zwei Arbeitskreisen der Fraktion, am Ende des Tages noch Gestaltungsbeirat. So sieht Politik an der Basis aus.

CDU steht vor schwieriger Situation

Seit Bestehen der Bundesrepublik stellte die münsterische CDU stets einen Bundestagsabgeordneten. Bei der Wahl 2013 ist das Risiko nach Einschätzung der Partei groß, dass dies erstmals nicht der Fall sein könnte. In einem internen Papier aus der Feder des stellvertretenden Kreisvorsitzenden Oliver Teuteberg wird der Gewinn des Direktmandats als „besonders schwierig“ eingestuft. Auch ein sicherer Platz auf der Reserveliste ist ungewiss.

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Seit acht Jahren macht Sybille Benning Politik im Stadtrat.  Ursprünglich wollte sie sich nur bei der Diskussion um den Stadtteilentwicklungsplan Roxel einbringen. „Dann bin ich ins eiskalte Wasser gesprungen.“

Die Landschaftplanerin und Mutter von vier inzwischen erwachsenen Kindern bleibt trotz ihres Erfolges im parteiinternen Kandidatenrennen geerdet. Den Wert eines Wahlsiegs versteht sie einzuordnen. Das hat sie das Leben gelehrt. Eine Krebserkrankung vor vier Jahren mit Chemotherapie musste die heute 51-Jährige überstehen – „ich hätte mich über ein anders Wahlergebnis nicht geärgert“.

Ihre Erkrankung macht die Roxelerin gleich zu Beginn ihrer Bewerbung um die Kandidatur öffentlich. Und zwar ganz bewusst, wie sie sagt. „Denn das bedeutet nicht, dass Menschen weniger leistungsfähig sind.“ Im Vorfeld hat sie intensiv mit ihren Ärzten über mögliche Risiken eines kräftezehrenden Bundestagsmandats für die Gesundheit gesprochen. Keine Bedenken. Aber Benning sagt auch: „Eine Garantie kann keiner geben.“

Die Familie diskutiert ebenfalls über die geplante Bewerbung: „Wenn mein Mann es nicht gewollt hätte, hätte ich das nicht gemacht.“ Die beiden haben sich einst im  Studium in Weihenstephan kennen- und lieben gelernt. Die gesamte Familie, die jüngste Tochter Louise (19) ist gerade aus dem Haus, gibt Sybille Benning Rückhalt und Unterstützung für ihren Weg Richtung Berlin.

Wenn es mit der ersten Hürde nicht geklappt hätte? „Dann hätte ich mich beruflich stärker engagiert“, sagt die gebürtige Münsteranerin, die ihre Jugend im Geistviertel verbrachte. Als planungspolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion blieb in den vergangenen Jahren für ihre Mitarbeit im Familienunternehmen mit seinen 90 Mitarbeitern, das im nächsten Jahr 100 Jahre alt wird, kaum mehr Zeit.

Vorerst wird das wohl so bleiben. Denn der Wahlkampf ruft. Mit dem SPD-Kontrahenten Christoph Strässer trifft Benning auf ein erfahrenes Bundestagsmitglied. „Ich schätze ihn sehr“, sagt Benning. „Ich hoffe, dass es einen fairen Wahlkampf gibt.“   

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Zusätzlicher Chef fürs Klarastift
 
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