Karl-Heinz Baßler setzt sich für Organspende ein
Der Tod kam aus heiterem Himmel

Münster -

Die Organspende ist buchstäblich ein Lebensthema von Karl-Heinz Baßler. Zuerst entschied er spontan, dass die Organe seiner verstorbenen Frau gespendet werden sollten. Fünf Jahre später wurde er selbst zum Empfänger.

Montag, 10.12.2012, 19:12 Uhr

Karl-Heinz Baßler setzt sich für Organspende ein : Der Tod kam aus heiterem Himmel
Mediziner der Uniklinik Münster bereiten eine Organtransplantation vor. Karl-Heinz Baßler hat so eine Operation selbst erlebt. Vor fünf Jahren erhielt er eine neue Leber. Foto: dpa / kal

Karl-Heinz Baßler ist gerade mit dem Hund unterwegs, als sein Handy klingelt. „Mama ist in der Badewanne zusammengebrochen. Sie atmet nicht mehr“, berichten seine Kinder mit atemloser Stimme. Wenige Stunden später ist seine Frau, die immer kerngesund war und erst zwei Tage zuvor ihren 50. Geburtstag gefeiert hatte, tot. Gehirnschlag.

„Als mich im Krankenhaus ein Arzt ansprach, ob ich schon einmal über eine Organspende nachgedacht habe, traf mich das zunächst wie ein Hammerschlag“, erinnert sich Baßler zehn Jahre nach dem plötzlichen Tod seiner Frau. Er sprach mit seinen Kindern, gemeinsam stimmten sie zu – diese Entscheidung, so ist er überzeugt, wäre auch im Sinne seiner Frau gewesen. „Man darf doch keine gesunden Organe beerdigen.“

Wenige Stunden später wurden seiner Frau die Organe entnommen. Ein paar Jahre danach erfuhr er, dass ihre Bauchspeicheldrüse und ihre Niere einer 29-jährigen Frau das Leben gerettet hatten. „Anschließend wurde sie Mutter“, sagt Baßler. „Müssen wir also noch darüber reden, ob Organspende Sinn macht?“

Nach dem Tod seiner Frau, mit der er 33 Jahre verheiratet war, stürzte Baßler in eine Krise . „Ich war total down“ – bis er sich in zahlreiche sportliche Aktivitäten stürzte. „Ich lief Marathons, einen Iron Man , bestieg einen 6000er. Danach fühlte ich mich topfit.“

Bis vor sieben Jahren. „Da war mein Wohlbefinden plötzlich im Keller. Ich fühlte mich immer mehr wie ein Wrack.“ Untersuchungen ergaben, dass er an einer Leberzirrhose litt – Folge einer Hepatitis-Infektion, die er sich 1971 bei einer Bluttransfusion zugezogen hatte. „Die Ärzte sagten mir, dass ich nur noch ein oder zwei Monate zu leben habe.“ Baßler wurde von Medizinern der Uniklinik Münster auf die Warteliste für eine Lebertransplantation gesetzt, nur vier Tage später kam der ersehnte Anruf – mitten in der Nacht. „Ich duschte, zog mich an, rief ein Taxi.“

Am 13. Dezember 2007 um 5 Uhr morgens begann die zwölfstündige Operation. Heiligabend verbrachte er schon wieder zu Hause. „Mir ging es schlagartig wieder gut.“ Baßler fährt heute wieder Rad, geht auf die Jagd, macht Spaziergänge mit seinen Hunden, reitet mit seinen Pferden aus. Der Mann, dem die Ärzte vor sieben Jahren nur noch wenige Wochen gaben, lebt ein ganz normales Leben.

Der 62-Jährige, dessen Frau zur Organspenderin wurde, lebt nun selbst mit einem gespendeten Organ. Vor allem dies hat er aus den tragischen Ereignissen gelernt: „Dass man sich über eine Organspende zu Lebzeiten Gedanken machen sollte“ – damit den Angehörigen jener Schock erspart bleibe, den er erlitt, als ihn die Ärzte nach dem Tod seiner Frau auf eine Spende ansprachen. Da verwundert es nicht, dass heute alle Bekannten und Verwandten von Baßler im Besitz eines Organspendeausweises sind. „Ich habe mir vorgenommen, so viele Leute wie möglich von einer Spende zu überzeugen.“

Dieses Ziel verbindet ihn mit der Initiative „No panic for organic“ und ihrem Mitstreiter Dieter Kemmerling, die seit 2005 mehr als 400 000 Ausweise verteilt hat. Um diese Arbeit fortsetzen zu können, benötigt „No panic“ dringend Geld. Damit Menschen, die dem Tode geweiht sind, eine Chance bekommen, weiterzuleben. 

| www.wn.de/spendenaktion/

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