Licht am Ende des Tunnels
Melanie hat bei der Krisenhilfe erfahren: „Ich bin nicht allein“

Münster -

Sie ist ein echtes Glückskind. So scheint es zumindest. Hochbegabt. Supergut in der Schule. Zwei Klassen übersprungen. Abitur mit 17 Jahren. Melanies Weg ist vorgezeichnet: Studium, Karriere – so sieht ihre Zukunft aus. Doch dann, sie ist gerade 18 Jahre geworden, gerät alles ins Wanken. Melanie wird schwanger. Und ihr Glück zerbricht. Eltern, Großvater, Freunde – sie alle setzen ihr zu: „Mach dein Leben nicht kaputt. Jetzt ein Kind, das ist doch eine Katastrophe.“ Die junge Frau versucht, allein klarzukommen. Doch die Kraft reicht nicht – sie schluckt Tabletten.

Freitag, 07.12.2012, 11:12 Uhr

Licht am Ende des Tunnels : Melanie hat bei der Krisenhilfe erfahren: „Ich bin nicht allein“
Verzweifelt und allein: Menschen, die zur Krisenhilfe finden, fühlen sich oft wie in einem düsteren Tunnel. Foto: Krisenhilfe

Und wird gerade noch rechtzeitig gerettet. Kurz danach findet sie zur Krisenhilfe . „Ein Segen“, wie sie es selbst empfindet. Denn dort trifft sie Menschen, die sie annehmen, wie sie ist. Die nicht über sie urteilen, nicht über sie bestimmen, nicht über sie verfügen. „Sie wollte einfach wertfrei als junge Frau akzeptiert werden“, sagt Petra Stahlhut . Die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Krisenhilfe begleitet Melanie über lange Zeit. Anfangs treffen sie sich sogar zweimal die Woche.

„Sie hatte immer das neueste Ultraschallbild dabei“, erzählt Petra Stahlhut. Es habe sehr deutlich gemacht, wie allein sich Melanie zu der Zeit fühlte: „Sie hatte zu niemandem mehr Kontakt. Nicht zu ihrer Familie, auch nicht zu den Freundinnen.“ Das gesamte soziale Netz war zerrissen. Und so ging es am Anfang auch darum, Melanie zu stärken, ihr neues Selbstvertrauen, Lebensmut zu geben. „Sie brauchte Rat. Zuversicht, auf dem richtigen Weg unterwegs zu sein.“

Auch konkrete Tipps – „Wo gibt es die erste Babyausstattung, wie kann man studieren als Mutter mit Kind, welche finanziellen Töpfe können angezapft werden?“ – zeigen ihr, dass sie nicht allein vor einem Riesenberg an Problemen steht. „Wir haben die Weichen gestellt“, unterstreicht Petra Karallus als Leiterin der Krisenhilfe, wie vielfältig in einer solchen Situation die Hilfspalette angelegt sein muss.

„Hilfe zur Selbsthilfe“ nennt sie es. Und so wird aus der völlig verzweifelten jungen Frau eine werdende Mutter, die behutsam zurückfindet ins Leben, die Selbstvertrauen entwickelt, die wieder daran glaubt, es allein schaffen zu können – weil sie Hilfe gefunden hat. Und die sich nicht mehr einreden lässt, ein Kind in ihrer Situation sei eine Katastrophe. Schritt für Schritt mit jedem Gespräch in der Krisenhilfe traut sie sich mehr zu. Und als ihr Baby zur Welt kommt, da ist auch ihre Welt wieder in Ordnung.

Wochen später bekommt die Krisenhilfe einen Brief von Melanie. „Sie war richtig glücklich“, blendet Petra Stahlhut zurück. Über ihr gesundes Kind, über ihr eigenes Leben, das dann auf einmal – völlig unerwartet – noch eine neue Wende genommen hat. „Ihre Familie hatte wieder den Kontakt zu ihr gesucht, war glücklich über das Enkelkind. Und auch der Vater des Babys will alles tun, um sich in dieser Rolle einzubringen.“ Melanie bekommt auf einmal Unterstützung, mit der sie nicht mehr gerechnet hat. Aber eins hat sie schon vorher bei der Krisenhilfe erfahren: „Ich bin ja gar nicht allein.“

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