Sri Lanka: Lernen für eine bessere Zukunft
Arbeitskreis aus Münster fördert Schulinitiative

Münster -

Wenn Krieg herrscht, geht es ums Überleben, nicht um den Schulbesuch. Doch der Krieg auf Sri Lanka ist zu Ende, die Internierungslager werden aufgelöst, die Menschen kehren zurück in ihre Dörfer. Jetzt geht es darum, die Kinder wieder ans Lernen zu gewöhnen. Der münsterische Arbeitskreis Sri Lanka unterstützt eine Schulinitiative der Claretiner.

Samstag, 08.12.2012, 13:12 Uhr

Vier Jahre Ferien! Wovon münsterische Schulkinder träumen, ist für Kumar grausige Wirklichkeit.

Kumar ist das Kind einer Bauernfamilie; er stammt aus der Nähe des Wallfahrtsortes Madhu im Norden Sri Lankas . 2008 verschanzten sich die tamilischen Rebellen in dem Ort, und die Armee schoss alles zusammen. Kumar hatte Glück: Ihm und seiner Familie ist nichts passiert. Aber sein Dorf war erledigt, die Schule erst recht. Die Armee verfrachtete alle in das berüchtigte Auffanglager „Menik Farm“, wo zeitweise bis zu 200 000 tamilische Flüchtlinge gegen ihren Willen festgehalten wurden. An so etwas wie Unterricht war dort nicht zu denken.

Dieses Lager, so berichtet Lutz Löher , der Vorsitzende des münsterischen „ Arbeitskreises Sri Lanka“, wurde unter internationalem Druck vor Kurzem aufgelöst. Kumar und seine Familie durften zurück nach Hause.

Nach Hause? Das darf man sich nicht heimelig vorstellen. Die meisten Häuser sind zerstört, man lebt in Ruinen, Zelten und Baracken ohne Strom, Wasser oder Kanalisation. In den Tropen ist es ab 18 Uhr zappenduster, dann sind die Holzfeuer vor der Tür das einzige Licht. Rausgehen kann man nicht so ohne Weiteres, denn da gibt es Schlangen und Elefanten, und das sind nicht die netten Apfelfresser aus dem Allwetterzoo.

Außerdem ist das Gelände mit Landminen durchzogen. Wo sie genau liegen, weiß keiner: Der Tsunami , der 2004 bis in diese Region vorgedrungen ist, hat sie weit verstreut. Spezialtrupps der indischen Armee helfen bei der Entsorgung, aber es ist ein langwieriges Geschäft.

Und wie steht es nun mit der Schule? Da springt der Arbeitskreis ein – und mit ihm die WN-Spendenaktion. Mit Unterstützung des langjährigen Kooperationspartners Father Rohan Dominic vom Claretiner-Orden sollen in der Region Vanni Schulinitiativen, sogenannte „Evening Classes“, gegründet werden. Jeweils zwei Lehrer sollen in notdürftig hergerichteten Räumen, die mit Hilfe von Dieselgeneratoren beleuchtet werden, unterrichten oder bei den Hausaufgaben helfen.

Kumar wird künftig in Madhu unterrichtet – und es geht bei ihm wie bei den meisten Kriegskindern seines Alters darum, ihn überhaupt wieder an den Unterricht zu gewöhnen. Denn in vier Jahren Zwangsferien hat sich der Schlendrian breitgemacht, wie Lutz Löher berichtet: „Viele dieser Kinder halten den regelmäßigen Schulbesuch nicht mehr für notwendig. Er ist aber für ihre Zukunft unbedingt wichtig.“ Die meisten Menschen dieser Region seien ebenso kultiviert wie gebildet – und das ist ihr wichtigstes Kapital. Kumars ehrgeiziger Traum: Die versäumten Schuljahre nachholen, das Abitur bestehen und Medizin studieren. Ein tolles Ziel, aber mühsam zu erreichen. Mit Hilfe aus Münster könnte es näher rücken.

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