Uni und Stadt gemeinsam aktiv
Münster wird 2013 "Stadt der Wissenschaft"

Der Festakt fand am 4. Juni im Lübecker Rathaus statt: Seitdem dürfen sich die Münsteraner darüber freuen, dass sich ihre Stadt 2013 „Stadt der Wissenschaft“ nennen darf, ebenso wie neun weitere deutsche Städte, darunter Bremen, Dresden, Rostock und Karlsruhe. Wenige Tage vor dem Jahreswechsel sprach WN-Redakteur Klaus Baumeister mit Bernadette Spinnen von Münster-Marketing sowie Dr. Marianne Ravenstein, Prorektorin der Uni Münster, darüber, was die Auszeichnung für Münster bedeutet.

Sonntag, 23.12.2012, 17:12 Uhr

Dr. Marianne Ravenstein und Bernadette Spinnen
Sie freuen sich auf die „Stadt der Wissenschaft (v.l.) Dr. Marianne Ravenstein, Prorektorin der Uni Münster, und Bernadette Spinnen, Leiterin von Münster-Marketing. Foto: Oliver Werner

Münster darf sich 2013 „Stadt der Wissenschaft“ nennen. Aber formuliert dieser Titel nicht eine Selbstverständlichkeit?

Spinnen : Münster hat acht Hochschulen und 50 000 Studenten. Da liegt es auf der Hand, von einer Wissenschaftsstadt zu sprechen. Aber das Bewusstsein, eine Wissenschaftsstadt zu sein, macht sich erst seit einigen Jahren bemerkbar. Die Stadtbevölkerung und die Hochschulkreise vermischen sich. Das war früher keine Selbstverständlichkeit.

Ravenstein : Münster als Stadt der Wissenschaft ist einerseits eine Tatsache, andererseits ein Anspruch und eine Herausforderung. Denn allein die Präsenz von vielen Studierenden macht noch keine attraktive Hochschulstadt aus. Vielmehr muss ein Klima vorherrschen, in dem Forschung und Lehre an der Universität eine wichtige Rolle spielen. Und das ist in Münster der Fall: Die Stadtgesellschaft weiß, wie lebendig die Stadt als Hochschulstandort ist, die Hochschulen wiederum profitieren von dieser hohen Akzeptanz und der Attraktivität der Stadt. Die Auszeichnung „Stadt der Wissenschaft“ macht diese gute Zusammenarbeit aller Akteure sichtbar.

Wie ist die Aktion „Stadt der Wissenschaft“ im kommenden Jahr in Münster sichtbar?

Spinnen: Der Veranstaltungszeitraum startet im April und endet im Dezember mit dem Kulturfestival „Neue Wände“. Wir haben uns erfolgreich beworben mit den münsterischen Originalen. Das sind hier in der Stadt entwickelte Konzepte, etwa der Hochschultag oder die Veranstaltung „Alternativ“ zum Studium im Alter.

Was ist das Highlight?

Spinnen: Im Juni richten wir für rund 14 Tage etwas komplett Neues ein, den „Schlauraum“. Wir organisieren Wissenschaft im öffentlichen Raum. Mehr will ich dazu nicht verraten.

Frau Ravenstein, für Studienbewerber ist die Attraktivität Münsters inzwischen genauso wichtig wie die Reputation des Studienganges, den sie anstreben. Ärgert Sie das?

Ravenstein: Nein, diese Einschätzung der Studienbewerber ist für mich nachvollziehbar. Natürlich achten wir als Universität auf eine hohe Reputation und eine fachlich überzeugende Ausbildung der Fachbereiche –  die WWU ist nicht nur eine traditionsreiche, sondern auch eine hoch anerkannte Universität. Aber wir wissen, dass viele Studieninteressierte auch die Lebensqualität der jeweiligen Stadt in ihre Entscheidung einbeziehen. Das haben auch unsere eigenen Befragungen bei den Studierenden ergeben. Nicht nur die Universität, auch die Stadt muss den jungen Menschen etwas bieten. Kultur, Sport und vieles mehr: All das gehört dazu.

Spinnen: Die hohe Attraktivität Münsters für Studierende ist kein Naturereignis. Wir müssen dafür etwas leisten. Wohnungen, Kita-Plätze, Erreichbarkeit –  auch auf diesen Feldern entscheidet sich, ob wir uns als Wissenschaftsstadt profilieren können. Die Aktionen im kommenden Jahr sind nur ein kleiner Beitrag, aber natürlich ein sehr schöner.

Die Studiengänge werden immer stärker verschult. Müssen Sie befürchten, Frau Spinnen, dass Studierende gar nicht mehr dazu kommen, ihre Freizeit in  Münster zu genießen?

Spinnen: Nein, das glaube ich nicht. Die Wege in Münster sind sehr kurz, das macht sich positiv bemerkbar. Es ist richtig, dass Studierende sehr viel lernen müssen und entsprechend eingespannt sind. Aber nach den Rückmeldungen, die mir vorliegen, haben Bachelor und Master bislang noch keinen negativen Einfluss auf das Nachtleben in der Stadt.

Ravenstein: Ich muss dem generellen Eindruck widersprechen, das Studium von heute sei verschult. Natürlich stellen die zahlreichen Prüfungen eine Belastung dar. Ich nehme aber trotzdem sehr positiv zur Kenntnis, dass es viele studentische Initiativen mit einem ehrenamtlichen Engagement gibt, sei es im kulturellen oder sozialen Bereich. Auch die Freizeit kommt nicht zu kurz. Und das ist auch gut so. Für die Mehrheit der Studierenden ist das Studium nach wie vor in der Wissenschaftsstadt Münster ein ganz wichtiger Lebensabschnitt.

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