Wirbel um Versicherungsgsellschaft
Provinzial-Verkauf auf Eis gelegt

Münster - Der Verkauf der Provinzial Nord-West an die Allianz-Versicherung ist vorerst vom Tisch. Stattdessen sollen die Sparkassenverbände Westfalen-Lippe und Rheinland eine Fusion der Provinzial Nord-West mit der Provinzial Rheinland vorantreiben. Bis zum 31. März 2013 sollen die Chancen für die Zusammenlegung der beiden Provinzial-Schwestern ausgelotet werden. Bis dahin sollen alle Gespräche mit Dritten - also auch mit der Allianz - ruhen. In Düsseldorfer Regierungskreisen wurde diese Einigung am Montag bestätigt. Sowohl der Chef des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Wolfgang Kirsch, als auch CDU und SPD in der Landschaftsversammlung begrüßten diesen Schritt. Der LWL hält an der westfälischen Provinzial einen 40-prozentigen Anteil.

Montag, 10.12.2012, 13:12 Uhr

Wirbel um Versicherungsgsellschaft : Provinzial-Verkauf auf Eis gelegt
Foto: Jürgen Peperhowe

Am Montagmorgen um acht Uhr empfing Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Vertreter der Sparkassenverbände und der beiden Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland. Alarmiert durch die Verkaufsgespräche hatte sie die Spitzen bereits am Freitag zu der frühmorgendlichen Runde am Wochenanfang in die Staatskanzlei eingeladen. Nachdem die Einigung erreicht war, flog Kraft nach Berlin. Am Freitag (15. Dezember) will Kirsch den Vorschlag aus Düsseldorf im Landschaftsausschuss zur Abstimmung vorlegen. "Ich bin der Ministerpräsidentin dankbar, dass sie zu dem Gespräch eingeladen hat", sagte er und betonte, es sehr zu begrüßen, wenn daraus eine gute Lösung für Westfalen und ganz NRW gemeinsam mit der rheinischen Provinzial herauskäme. "Diese Chance wollen wir nutzen."

Eine endgültige Absage an eine mögliche Übernahme der westfälischen Provinzial durch die Allianz ist das Votum aus Düsseldorf noch nicht, aber Fachleute gehen davon aus, dass durch eine Fusion der beiden öffentlich-rechtlichen Versicherungen das Interesse der Allianz erlischt. Vor allem sollen damit die beiden öffentlich-rechtlichen Versicherer zukunftsfest gemacht werden. Ein Insider wertete diese Wende als deutliches Indiz, dass der Chef des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe Rolf Gerlach "deutlich zurück gepfiffen worden ist".

"Der Verkauf der Provinzial muss abgesagt werden", forderte CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann eine grundsätzliche Entscheidung der Anteilseigner. Gleichwohl begrüßte er die Wende: "Die Prüfung einer Fusion ist der richtige Weg." Zuvor hatte sich die Münsterland-CDU klar gegen die Verkaufsabsichten ausgesprochen. "Die Provinzial ist ein bedeutsamer Arbeitgeber für Münster, das Münsterland und ganz Westfalen", betonte Laumann, der auch CDU-Bezirksvorsitzender ist. Die Versicherung sei "wirtschaftlich sehr erfolgreich und mit der Region traditionell eng verbunden".

Ähnlich äußerten sich auch SPD und CDU im Parlament des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. "Unser Ziel ist klar, wir wollen, die Provinzial erhalten", erklärte SPD-Fraktionschef Holm Sternbacher. "Das ist unsere Verantwortung als Politiker". Es sei aber wichtig, die Versicherung langfristig zu sichern. Darum sei der Weg richtig, Gespräche mit der Provinzial Rheinland über eine etwaige Fusion zu führen. Sternbacher wie der Fraktionsgeschäftsführer der CDU, Friedrich Klanke, sprachen sich dafür aus, dass im Fall einer Einigung der Hauptsitz der neuen Provinzial-Versicherung Münster sein müsse. "Die Standortfrage darf bei den anstehenden Gesprächen aber nicht oben auf der Tagesordnung stehen", sagte Klanke.

LWL-Sprecher Frank Tafertshofer erklärte, Landesdirektor Kirsch werde sich am Freitag in der Sitzung des Landschaftsausschusses für die Fusion der beiden Schwestern-Versicherungen einsetzen.

Am Montagabend um 18 Uhr ist eine Demonstration von rund 1000 Provinzial-Mitarbeitern geplant. Laut Polizeiangaben soll diese vor dem Stadttheater stattfinden.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1339261?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597155%2F1753892%2F
1100 vertrauliche Mails mitgelesen
Das Auslesen des Passwortes machte es möglich, sich Zugriff auf das Mailkonto des Greveners zu verschaffen. Der Täter soll pikanterweise ein Familienmitglied sein.
Nachrichten-Ticker