Zehntausende warten in Deutschland auf ein Organ
WN-Spendenaktion: „No panic for organic“ wirbt für Organspende

Münster -

Zehntausende Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Die Initiative „No panic for organic“ versucht, die Spendenbereitschaft der Menschen zu erhöhen. Dafür benötigt sie dringend Geld, das im Rahmen der WN-Spendenaktion zusammenkommen soll.

Sonntag, 02.12.2012, 11:12 Uhr

Zehntausende warten in Deutschland auf ein Organ : WN-Spendenaktion: „No panic for organic“ wirbt für Organspende
Prof. Hartmut Schmidt leitet die Klinik für Transplantationsmedizin an der Uniklinik. Von ihm stammt die Idee für die Initiative „No panic for organic“. Foto: kal

Rund 200 Organe werden jedes Jahr in der münsterischen Uniklinik transplantiert – das ist eine Menge und doch viel zu wenig. „Wir könnten locker mehr Operationen durchführen – wenn denn genügend Spenderorgane zur Verfügung stehen würden“, betont Prof. Dr. Hartmut Schmidt , Leiter der Klinik für Transplantationsmedizin am UKM.

2005 kam Schmidt von der Berliner Charité nach Münster. Noch im gleichen Jahr hatte er die Idee, eine Organspenderinitiative zu gründen. Nach Schätzungen ist nur jeder siebte Deutsche im Besitz eines Organspenderausweises – zu wenig, um all jene zu versorgen, die schwer krank sind und sich zum Teil schon seit Jahren auf Wartelisten für eine Transplantation befinden. Deren Zahl, betont Schmidt, gehe in die Zehntausende.

WN-Spendenaktion: vier Projekte, ein Konto

 Krisenhilfe (Beratung von Menschen in existenziellen Lebenskrisen), Organspende (Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit, um Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen), Uganda (Bau eines Kindergartens), Sri Lanka (Hilfe für Kinder und Minen-Opfer).

► Auswahl: Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Sonst wird die Spende aufgeteilt.

► Konto: 8888 bei der Sparkasse Münsterland-Ost (BLZ 400 501 50).

► Rückfragen: Telefon 0251 / 690 716

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Mit Dieter Kemmerling , einem Münsteraner, der eine neue Leber erhielt, gründete Schmidt „No panic for organic“. Seit 2005 hat diese Initiative unzählige Unterstützer gewonnen, viele Info-Veranstaltungen durchgeführt und 400 000 Or-ganspendeausweise unters Volk gebracht.

Die finanzielle Decke von „No panic“ ist jedoch dünn: Die Initiative benötigt Spenden, um ihre Arbeit weiter fortsetzen zu können. Eine Arbeit, die dazu beiträgt, dass schwer kranke Menschen wieder gesund werden – anstatt, im schlimmsten Fall, noch auf der Warteliste zu versterben.

Und dabei ist „No panic“ wichtiger denn je. Der Skandal um Organvermittlungen im Sommer hat der Initiative arg zugesetzt, berichtet Dieter Kemmerling: Einige wenige schwarze Schafe haben nach seiner Einschätzung schweren Schaden angerichtet. Auch ohne den Skandal sind die Organspenden seit Jahren rückläufig. Von 2010 bis 2012 ist die Zahl der Transplantationen um rund 20 Prozent zurückgegangen, betont Schmidt.

Zwar besitzt jeder siebte Deutsche einen Spenderausweis. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass die Organe jedes Verstorbenen transplantiert werden können. In der Regel kommen Hirntote nur als Spender in Frage, deren Organe in sehr gutem Zustand sind – doch dabei handelt es sich gerade mal um ein Prozent der Menschen, die jedes Jahr versterben. Am UKM gab es in diesem Jahr bislang 20 Hirntote, die Klinik sprach mit allen Hinterbliebenen, schließlich wurden zwölf Verstorbenen rund 45 Organe entnommen. Die Bereitschaft der Angehörigen, einer Spende zuzustimmen, sei früher nicht so hoch gewesen. Die Arbeit von „No panic“ zeige ihre Wirkung, glaubt Schmidt – „sie ist extrem wichtig, zumal sie das Thema Organspende nicht trocken, sondern mit Auftritten der Band Dandys auch unterhaltsam transportiert“. Ohne Spenden, die neue Ausweise, Info-Material, Veranstaltungen finanzieren, könnte sie kaum weiter arbeiten wie bisher.

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