Jazz mit Jacko und Shakira
Musiker scheuen nicht die Berührung mit Pop-Klassikern

Münster -

Ausgerechnet der King of Pop fesselt die Jazz-Fans. Bis Sonntagfrüh um kurz nach halb zwei Uhr hat er Hunderte Gäste auf ihren Sitzen in Münsters Großem Haus gehalten. Das heißt: Eigentlich ist es der 73-jährige italienische Trompeter Enrico Rava. Mit seiner Hommage an Michael Jackson „Rava on the Dance Floor“ beendet er den zweiten Tag des 24. Internationalen Jazzfestivals in einem Big-Band-Feuerwerk aus Hits wie „Thriller“, „Billy Jean“ oder „Blood on the Dance Floor“.

Sonntag, 06.01.2013, 17:01 Uhr

Hommage an Michael Jackson: Enrico Rava mit „Rava on the Dance Floor“ am Samstag im Theater Münster.
Hommage an Michael Jackson: Enrico Rava mit „Rava on the Dance Floor“ am Samstag im Theater Münster. Foto: Henryk Walkowski

Ravas Annäherung übersteht Jacksons Werk aus Pop-Sicht nicht unbeschadet, aus Jazz-Perspektive hat es gewonnen. Die zwölf Musiker verarbeiten das Material so respektvoll wie unerschrocken. Heraus kommen großartige Bläser-Arrangements und kraftvolle Soli über treibenden Funk-Rhythmen.

Ein krasser Kontrast zum israelischen Pianisten Yaron Herman , dessen Solo-Konzert davor einen der künstlerischen Höhepunkte des Festivals markiert. Der 31-jährige Jazz-Star fasziniert sein Publikum über 60 Minuten mit vielseitigen und witzreichen Improvisationen. Sein Rezept: Er behält die Struktur seiner Stücke im Blick und verzichtet auf allzu ausschweifende Passagen.

Neben solchen Sternstunden öffnet das Jazzfestival den Blick für unbekannte Künstler. Er sei froh, dass er in Münster das „Who Is Who des unbekannten Jazz“ präsentieren dürfe, meint der künstlerische Leiter Fritz Schmücker. Für das eindrücklichste Aha-Erlebnis sorgt am Freitag der kolumbianische Harfenist Edmar Castañeda mit seinem Trio. In atemberaubendem Tempo traktiert der 34-Jährige sein Instrument, dem er zu Samba- und Flamenco-Rhythmen überraschende Klangfarben entlockt. Befreit aus allen Klischees rockt er mit seiner Harfe das Haus.

Ein ähnlich entzaubertes Klangbild schafft die ungarische Cellistin Asja Valcic im Duo mit dem Österreicher Klaus Paier am Akkordeon. Sie spielen ihre feinsinnigen Kompositionen in so kompakten Arrangements, als sei die Kombination ihrer Ins­trumente die naheliegendste Idee.

Als buchstäblicher Augenöffner wirkt der diesjährige Preis Westfalen-Jazz für den Trompeter Frederik Köster. Mit seinem Quartett (Klavier, Bass, Drums) spielt der Osnabrücker Musik-Professor und gebürtige Sauerländer einen inspirierten und energiegeladenen Jazz. Modern, offen und virtuos begeistern die vier Musiker das Festival-Publikum. Anders als noch am Freitag in gleicher Instrumentierung das Julia Hülsmann Trio mit dem britischen Trompeter Tom Arthurs: Im viel zu engen Gatter ihrer starren Kompositionen verfangen sie sich, bieten nach wenigen Stücken keine neuen Impulse. Enttäuschend.

Neues fürs Ohr bietet Mattia Cigalini. Der 23-jährige Saxofonist aus Italien vereinnahmt Lady Gaga, Rihanna oder Shakira für freche Interpretationen. Einen forschen und pulsierenden Jazz mit Anleihen beim Progressive Rock spielt die Formation der israelischen Posaunistin Reut Regev, die mit ihrem eindringlichen Stil gegen sägende Gitarren-Riffs anbläst. Direkt ins Bein geht Billy Martin’s Wicked Knee: Ein Drummer und drei Bläser verarbeiten den Jazz aus New Orleans mit stetig treibendem Groove – famos und handgemacht.

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