Minderjährige studiert Medizin in Münster
Nur mit Unterschrift von Mama

Münster -

Sophie darf noch nicht alleine Auto fahren, keine Verträge unterschreiben und auch nicht ihre Stimme bei der Bundestagswahl abgeben – aber sie studiert schon: Medizin im ersten Semester an der Universität Münster. Als einzige Unter-18-Jährige.

Dienstag, 15.01.2013, 20:01 Uhr

Erstsemester Sophie im Hörsaal des Fachbereichs Physik.
Erstsemester Sophie im Hörsaal des Fachbereichs Physik. Foto: F.J.M.

In den kommenden Jahren dürfte sich dies durch das achtjährige Gymnasium allerdings ändern, schreibt die Medizinische Fakultät. Wie kommen Fakultät und Studierende mit dem Umstand zurecht, dass Studierende wie Sophie zwar noch nicht jeden Film im Kino sehen, aber trotzdem Anatomie-Kurse besuchen dürfen?

Zumindest juristische Schwierigkeiten gibt es nach der Einschreibung an der Universität nicht mehr, wie der Studiendekan der Medizinischen Fakultät, Dr. Bernhard Marschall , berichtet: „Die Studierenden dürfen, auch, wenn sie noch nicht 18 sind, an allen Veranstaltungen teilnehmen“, so Marschall. „Ein Einverständnis der Eltern für bestimmte Veranstaltungen wie beispielsweise die Präparationskurse ist nicht erforderlich; das Studium wird als ‚Gesamtpaket’ eingegangen.“

Marschall sieht allerdings keinen großen Unterschied zwischen 17-jährigen Studierenden und solchen, die schon volljährig sind: „Sensible Themen wie Tod und Sterben oder Sexualität sind für alle Studierenden herausfordernd, egal wie alt diese sind, und werden deshalb besonders ohnehin vorsichtig in den Lehrplan eingebettet“, erzählt Bernhard Marschall.

Vielmehr seien soziale Belange manchmal schwierig für die jungen Studierenden: „Der Unterschied zur Schule ist sehr groß: dort waren sie oft ‚Überflieger’, hier sind herausragende Leistungen ganz normal.“ Die meisten Medizin-Erstsemester seien außerdem um die 20 Jahre alt. „Da ist der Unterschied dann gar nicht so groß“, so Marschall.

Auch Sophie sieht die Probleme für junge Leute eher im außeruniversitären Bereich. Zwar waren für Auswahltest und die spätere Einschreibung die Unterschriften beider Eltern nötig, größere Probleme bereiteten allerdings Wohnungssuche und die Orientierungswoche. „Viele Wohngemeinschaften haben bei 17-Jährigen anscheinend ein Bild von feierwütigen, pubertierenden Teenies im Kopf.“ Und auch in der Orientierungswoche war ihr junges Alter ein Nachteil: „Bei der ‚Kneipen-Rallye’ musste ich um 24 Uhr zu Hause sein.“ Der Kneipenbesuch ist für sie kein Problem mehr: Kürzlich hat Sophie ihren 18. Geburtstag gefeiert.

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