Schöner Fluchen auf Plattdeutsch
Professor belebt die Mundart und baut ein neues Zentrum auf

Münster -

Münster - Platt gilt nicht eben als Umgangssprache an der Universität, zumal unter Professoren. Helmut Spiekermann will das ändern. Der Professor beherrscht nicht nur fließend das Plattdeutsche, er hat es sogar ins Zentrum seiner Forschung gerückt.

Montag, 28.01.2013, 12:01 Uhr

Schöner Fluchen auf Plattdeutsch : Professor belebt die Mundart und baut ein neues Zentrum auf
Sprachwissenschaftler Hlmut Spiekermann gründet an der Universität Münster ein Zentrum für niederdeutsche Sprache. Foto: Matthias Ahlke

Mit ausdrücklicher Unterstützung der Universitätsleitung. Der Sprachwissenschaftler Spiekermann gründet an der Universität Münster ein Centrum für niederdeutsche Sprache.

Das Ziel ist eindeutig: Plattdütsk und alles was damit zusammenhängt soll im Alltag wieder an Bedeutung gewinnen. Kinder sollen in der Schule wieder per Sprache ein Heimatgefühl erleben. „Es wäre schön, wenn in den Schulen Plattdeutsch wieder auf den Lehrplan käme“, wünscht sich Helmut Spiekermann.

Niederdeutsch und Hochdeutsch

Niederdeutsch oder „Plattdütsk“ ist nördlich einer west-ostwärts verlaufenden Linie in der Höhe von Düsseldorf zu Hause. Niederdeutsch ist die Sprache der Hanse, des früher so mächtigen Bündnisses, und hat in dieser Zeit als Schriftsprache bis nach Skandinavien zentrale Bedeutung. Dass das Niederdeutsche sehr viel weniger im Alltag gesprochen wird als Dialekte im Süden Deutschlands liegt nach Einschätzung von Prof. Spiekermann auch daran, dass das Hochdeutsche vom Niederdeutschen in Grammatik und Lautbildung weiter entfernt ist als die Mundarten in Bayern oder in Baden-Württemberg. Einer Renaissance der von vielen als wohlklingend empfundenen Mundart stehe das aber nicht entgegen, sagt der Professor.

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Er stammt aus dem Emsland und dort „kueren“ die Leute nicht wie in Westfalen und „schnacken“ auch nicht wie an der Küste. Helmut Spiekermann und seine Landsleute „proaten“. Auch wenn innerhalb des Niederdeutschen verschiedene Ausdrücke verwandt werden: Alle, die die Mundart beherrschen, verstehen sich, versichert Spiekermann. Dazu gehören im Übrigen auch die Menschen im östlichen Teil der Niederlande.

Jahrelang war der norddeutsche Professor in Freiburg und Würzburg tätig – und damit in Landstrichen, wo Mundart im Alltag viel selbstverständlicher gesprochen wird als beispielsweise Platt im Münsterland.

Je ländlicher die Gegend, desto eher ist Plattdeutsch auch in der Jugend noch lebendig, so die Mundart-Forschung. In Münster hört Spiekermann höchst selten Platt und findet das sehr schade. Einige Jahrzehnte lang galt Platt als Zeugnis von mangelnder Bildung, Eltern sprachen mit ihren Kindern nur noch Hochdeutsch“ sagt Spiekermann. Dieses Imageproblem habe das Plattdeutsche fast zum Aussterben gebracht.

„Wenn jetzt wieder plattdeutsche Worte häufiger auch von jungen Leuten benutzt werden, dann seien es in der Regel die Großeltern, die diesen Schatz an die Enkel weitergeben, sagt Spiekermann. Auf Platt, schwärmt er, lassen sich gerade emotionale Dinge schöner ausdrücken als im Hochdeutschen. Beispiel: Schimpfen und Fluchgen. Das plattdeutsche „Schiet“ klingt weit weniger ordinär und hart als die hochdeutsche Übersetzung.

Spiekermann will die Forschungen im Centrum für Niederdeutsch nicht nur auf die Sprache konzentrieren, sondern auch Geschichte und Geografie mit einbeziehen. In Ortsnamen und Landschaftsbezeichnungen sind plattdeutsche Worte auch heute noch vielfach üblich. Auch mitten in Münster, wo es die „Lütke Gasse“ gibt, den Drubbel, der seinen Namen vom schon früher dort herrschenden Gedränge hat, oder den Spiekerhof.

Der Spieker, der Speicher, kommt auch im Namen des Professors vor. „Meine Vorfahren waren Zimmerleute“, erzählt Spiekermann. Gut möglich, dass sie Speicher gebaut haben und dabei auch Spieker, also lange Nägel verwendet haben. Der Spieker im Namen hat also in jedem Fall seine Bewandtnis. Auch bei Helmut Spiekermann ganz persönlich: Der Professor spießt alles Plattdeutsche auf und speichert es ab.

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Prof. Helmut Spiekermann freut sich über plattdeutsche Straßennamen in Münster - zum Beispiel den Spiekerhof.

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