Der doppelte Abitur-Jahrgang
Zweifach-Abi bei Wünnemanns

Münster -

Bei Familie Wünnemann machen beide Söhne, Altersabstand 20 Monate, im Frühsommer gleichzeitig Abitur. Dass Julian und Lukas zweieinhalb Jahre in manchen Fächern denselben Stoff pauken und dieselben Schulfreunde haben, stört sie inzwischen nicht mehr.

Sonntag, 24.02.2013, 14:02 Uhr

Die Brüder Julian (l.) und Lukas Wünnemann gehören zum doppelten Abiturjahrgang: Das Lernen in der zusammengelegten Jahrgangsstufe war nicht so schlimm wie befürchtet sagen beide. Die Schulbücher konnten sie gemeinsam benutzen.
Die Brüder Julian (l.) und Lukas Wünnemann gehören zum doppelten Abiturjahrgang: Das Lernen in der zusammengelegten Jahrgangsstufe war nicht so schlimm wie befürchtet sagen beide. Die Schulbücher konnten sie gemeinsam benutzen. Foto: kv

Die Eltern von Julian und Lukas Wünnemann können voraussichtlich im Frühsommer beim Abiball des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums doppelt feiern. Ihre beiden Söhne machen zusammen Abitur. Julian und Lukas sind keine Zwillinge. Und Julian, 20 Monate älter als Lukas, hat auch keine Ehrenrunde gedreht. Die Wünnemann-Brüder, gehören zum doppelten Abiturjahrgang.

Dass sie seit zweieineinhalb Jahren in etlichen Fächern denselben Stoff pauken, gleichzeitig Klausuren schreiben und dieselben Schulfreunde haben, stört weder Julian noch Lukas. „Inzwischen nicht mehr“, betonen beide übereinstimmend. Denn als nach den Sommerferien 2010 aus Julians und Lukas‘ Jahrgangsstufen der doppelte Abiturjahrgang wurde, da konnten sich beide schwer mit diesem Gedanken anfreunden.

Als die WN im Herbst 2010 schon einmal über Julian und Lukas berichteten, erzählten die Jungs von ihrem Unwohlsein. Lukas von der Angst, den älteren Schülern leistungsmäßig unterlegen zu sein; Julian von seiner Sorge, dass das Gemeinschaftsgefühl seiner Klassenstufe ausgehöhlt werde.

Heute lässt sich sagen: Keine dieser Befürchtungen ist wirklich eingetroffen. Julian ist immer noch eng mit den Freunden seiner ursprünglichen Stufe verbandelt, und Lukas sagt: „Es gibt in jedem Jahrgang gute und schwächere Schüler.“ Im Nachteil hat er sich jedenfalls nicht gefühlt. „Der Stress, den wir G8-Schüler in der Mittelstufe verspürten, hat etwas nachgelassen“, findet Lukas.

Anfangs setzten manche Lehrer im KvG jeweils einen G8- und einen G9-Schüler nebeneinander, damit die Älteren den Jüngeren helfen könnten – eine Praxis, von der sie bald abrückten. „Es war nicht nötig, und die Lehrer haben schnell nicht mehr darauf geachtet, wer zu welchem Jahrgang gehört“, sagen die Brüder.

Nach ihrer Erfahrung sind die G8-Schüler in Mathematik sogar im Durchschnitt besser als ihre älteren Klassenkameraden. Lukas hat sich im Deutsch-Leistungskursus mit den früheren Klassenkameraden seines älteren Bruders angefreundet. „Die Stufen haben sich gemischt“, sagt er.

Mancher Unterschied bleibt dennoch groß: „Wir haben 16-Jährige in der Stufe, die ein bis zwei Klassen übersprungen haben, und Schüler, die schon 21 Jahre alt sind“, erzählt Lukas, der im März 18 Jahre alt wird.

Dass nun doppelt so viele Absolventen um Studien- und Ausbildungsplätze konkurrieren, hat die Brüder sehr beschäftigt – und bei Julian zu einer frühen Entscheidung geführt. Er bewarb sich zeitig um eine Ausbildungsstelle als Groß- und Einzelhandelskaufmann. Erfolgreich: Im September tritt er die Stelle an. Lukas will erst einmal ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren, um mehr Klarheit über die Berufswahl zu gewinnen. Er hat auch das Gefühl, sich nach dem Galopp durch das Gymnasium etwas Zeit lassen zu können.

Der Endspurt steht noch bevor: Jetzt die Vorklausuren, dann die Prüfungen, wo über 100 Abiturienten gleichzeitig in der Aula über ihren Aufgaben grübeln werden. Über 200 KvG-Schüler werden am Ende ihr Zeugnis in Empfang nehmen. Ein Zeremoniell, das frühere Individualität nicht mehr ermöglicht. „Bisher wurde für jeden, der sein Zeugnis überreicht bekam, kurz sein Lieblingslied eingespielt“, erzählt Lukas etwas wehmütig. Diesmal werden bei einer Feierstunde im Stadttheater die Abiturienten wohl in Gruppen aufgerufen. Anders geht es nicht.

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