Holocaust-Überlebende Gertrude Schneider verschenkt ihre Bibliothek
Ihre Bücher sprechen

Münster -

Münster. Gertrude Schneider überlebte als Mädchen im Rigaer Ghetto den Holocaust. Erst im Alter bekam die in New York lebende Geschichtsprofessorin Kontakt ins Münsterland. Sie schenkte der Wolfgang-Suwelack-Stiftung in Billerbeck ihre Bibliothek, die in der Villa ten Hompel untergebracht ist. Nun ist daraus eine Ausstellung entstanden, die Gertrude Schneider in der Universitätsbibliothek Münster am Krummen Timpen am Mittwoch selbst eröffnet.

Mittwoch, 27.02.2013, 15:02 Uhr

Gertrude Schneider, pensionierte Geschichtsprofessorin aus New York, hat den Holocaust überlebt. Die Unibibliothek zeigt nun eine Ausstellung mit ihren Büchern.
Gertrude Schneider, pensionierte Geschichtsprofessorin aus New York, hat den Holocaust überlebt. Die Unibibliothek zeigt nun eine Ausstellung mit ihren Büchern. Foto: Oliver Werner

Gertrude Schneider , die pensionierte Geschichtsprofessorin aus New York, hatte 2005 im Ruhestand nicht mehr viel zu tun. Da kam der Brief aus Billerbeck . Der Lehrer Guido Linden und seine Realschulklasse hatten nachgeforscht, wo die jüdischen Geschwister Eichenwald aus Billerbeck geblieben waren, die 1942 von den Nazis ins Rigaer Ghetto deportiert worden waren. Dabei waren sie auf Gertrude Schneider gestoßen, selbst ein aus Wien stammendes ehemaliges Kind aus diesem Ghetto.

Die annähernd 85 Jahre alte, zierliche, elegante Frau, sieht sehr ergriffen aus, als sie sich am Dienstagnachmittag in der Galerie der Unibibliothek in Münster erinnert: „Das ist mir richtig ins Herz gegangen.“ Gertrude Schneider antwortete der Klasse und fing damals sofort an, die Geschichte des Rigaer Ghettos zu schreiben – das heute als Standardwerk für dieses Thema gilt.

So kamen Gertrude Schneider und das Münsterland in eine Beziehung, die der Holocaust-Überlebenden eine Herzensangelegenheit ist. Zum sechsten Mal ist sie jetzt zu Besuch, wenn sie heute Abend die Ausstellung mit ihren eigenen Büchern in der Universitätsbibliothek am Krummen Timpen eröffnet. Sie hat ihre Bibliothek der Wolfgang-Suwelack-Stiftung in Billerbeck übertragen.

Die 848 Bücher stehen in der Villa ten Hompel , und der Historiker Daniel Gollmann hat daraus die Ausstellung „Exlibris – Spuren des Wissens und der Erinnerung“ kuratiert. Es sind längst nicht alle Bücher zu sehen – dafür die Wichtigsten: Tagebücher etwa, die man nicht lesen muss, sondern deren Text auf einem Bildschirm erscheint, sobald man das Buch herauszieht.

Gertrude Schneider wird die Ausstellung heute um 19 Uhr selbst eröffnen. Die Einführung findet im Hörsaal JUR 1 im Juridicum statt.

„Meine Bücher sollen weiter sprechen, wenn die letzten Zeugen schweigen“ – so lautet ein Motto der Professorin, das über der Ausstellung steht. Als Teenager überlebte sie zusammen mit Mutter und Schwester die Shoah und wanderte 1947 in die USA aus. Die Ausstellung findet sie „überwältigend“. Sie weiß: Ihr von den Nazis ermordeter Vater würde sich darüber freuen.

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