Interview
Prinz Thorsten ist nicht scharf auf Lewes Job - Tollität stürmt trotzdem das Rathaus

Als gebürtiger Bocholter hat Prinz Thorsten I. (Geuting) den Narrenbazillus von klein auf im Blut. Jetzt rockt Seine Tollität mit ihrem Lied „An Tagen wie diesen“ die münsterischen Säle. An der Seite des 41-jährigen Unternehmers strahlt seine Frau Christiane (40). Mit dem Ehepaar Geuting hat sich Redakteur Ralf Repöhler über die Session, aber nicht nur über Karneval unterhalten.

Mittwoch, 06.02.2013, 14:02 Uhr

Interview : Prinz Thorsten ist nicht scharf auf Lewes Job  - Tollität stürmt trotzdem das Rathaus
In seiner Wellness-Oase stärkt sich Prinz Thorsten I. (Geuting) bei einer Auszeit. Foto: Oliver Werner

Liebe Frau Geuting . Wie gefällt Ihnen denn Ihr Gatte als fescher Prinz?

Christiane Geuting: Einfach hervorragend.

Bekommen Sie eigentlich Ihren prinzlichen Gemahl noch zu Gesicht?

Christiane Geuting: Sogar relativ häufig.  Es hieß zwar immer, du wirst deinen Mann nicht mehr sehen. Das kann ich aber nicht bestätigen. Er hat zwar sehr viele Auftritte, aber es gibt auch sehr viele gemeinsame Veranstaltungen.

Tollität, jetzt beginnt der  kräfteraubende Schlussspurt. Habt Ihr dafür neue Kraft in Eurer „Auszeit“ schöpfen können?

Prinz Thorsten : Natürlich nutze ich die „Auszeit“, um mich zu entspannen. Wir lieben die klare Luft dort, die fast wie an der Nordsee und damit gut zum Entspannen und für die Atemwege ist. Insofern wird Tollität bei der Schlüsselüber-gabe und Rosenmontag gut bei Stimme sein.

Ihr seid auch außerhalb des karnevalistischen Treibens ein  Tausendsassa. Was treibt Münsters Prinz in seinem beruflichen Leben?

Prinz Thorsten: Ich bin Unternehmer, und Unternehmer kommt von Unternehmen. Gemeinsam mit meiner Frau Christiane betreibe ich eine Unternehmensberatung und Weiterbildungsakademie, die HRC. Zusätzlich haben wir als Wellnessangebot die „Salzoase Auszeit“ und neuerdings das Lokal „Auszeit Suppen, Café und Mehr“

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Christiane Geuting lauscht an der Seite ihres Prinzen Schlagersänger Jürgen Drews. (Foto: Matthias Ahlke)

Kümmert sich Euer Sicherheitsdienst, den Ihr ebenfalls betreibt, jetzt ausschließlich um Seine Tollität?

Prinz Thorsten: Er wird zumindest bei der Schlüsselübergabe als Gag auftauchen. Sonst konzentriert er sich auf unsere Kunden wie die Halle Münsterland oder Bertelsmann .

Wie kam die prinzliche Berufung eigentlich über Euch?

Prinz Thorsten: Das passiert nicht auf Knopfdruck. Ich bin ein leidenschaftlicher Karnevalist und seit 2009 Senator bei Freudenthal. Da habe ich natürlich karnevalistisch Fahrt aufgenommen – bis hin zu dem Wunsch, irgendwann Prinz zu sein. So entstand fast zwangsläufig der Kontakt zu Andreas Wissing, der mich schließlich gefragt hat.

Ich habe mich für ihn gefreut, weil ich wusste, dass Thorsten an diesem Amt Spaß haben wird.

Christiane Geuting

Die WN hatten bereits Mitte März 2012 herausbekommen, wer Prinz werden soll.  Wann war denn für Euch klar, dass Ihr Prinz Karneval werden sollt?

Prinz Thorsten: Erste Gespräche gab es im Spätsommer 2011. Heikel wurde es erst, als die Absicht bekannt wurde, bevor die Prinzengarde gewählt hatte. Aber wie jeder sehen kann, bin ich ja jetzt im Amt.

Was sagte denn Eure Frau zu der bevorstehenden Berufung?

Christiane Geuting: Ich habe mich für ihn gefreut, weil ich wusste, dass Thorsten an diesem Amt Spaß haben wird. Überrascht war ich nicht, weil wir ja immer über alles sprechen.

Tollität, hattet Ihr eigentlich mal einen Gedanken daran verschwendet, Prinz von Münster zu werden, als Ihr als Student vor Jahren in unsere schöne Stadt gekommen seid?

Prinz Thorsten: Nicht einen einzigen. Es gab einen kleinen Moment, Rosenmontag 1996...

Christiane Geuting: Unser erster gemeinsamer Rosenmontagszug...

Prinz Thorsten: Prinz war damals mein Bundesbruder Bernd Thiekötter. Da hab‘ ich mir gesagt, das wäre ein tolles Amt und würde mir auch Spaß machen. Und zu diesem Zeitpunkt war ich nüchtern!

Heute ist es so weit, und Ihr rockt mit Eurem Hit „An Tagen wie diesen“ die Säle. Wünscht Ihr Euch wirklich eine Unendlichkeit, wie besungen, dieser Session?

Prinz Thorsten: Wenn ich auf der Bühne stehe und vor den Menschen singe, wünsche ich mir, dass diese Session nie aufhört. Das Gefühl ist  zu schön! Ich bin mir aber bewusst, dass am  Aschermittwoch alles vorbei ist.

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Der kleine Prinz als Indianer damals in Bocholt. (Foto: privat)

Was waren denn bislang die Höhepunkte der Session?

Prinz Thorsten: Selbstverständlich der Besuch bei Oberbürgermeister Markus Lewe am 11.11. im Rathaus und dann abends bei meiner Muttergesellschaft KG Freudenthal auf der Bühne zu stehen, die Proklamation am 17.11., der Prinzenball und vieles mehr. Besonders berührt hat mich allerdings der erste Seniorenkarneval und die Freude und der Glanz in den Augen der älteren Münsteraner.

Als gebürtiger Bocholter habt Ihr sicherlich dort auch schon Karneval gefeiert...

Prinz Thorsten: Ich habe in meiner Heimatstadt keinen organisierten Karneval gefeiert, sondern den klassischen, schönen Straßenkarneval – und das nicht als Mitglied.

Eure Eltern leben in Bocholt. Was sagen sie zu Eurer prinzlichen Berufung?

Prinz Thorsten: Meine Eltern sind stolz wie Oskar und freuen sich riesig. Sie bekommen die gesammelten Zeitungsberichte eingescannt und zugeschickt und werden bei der Schlüsselübergabe am Sonntag auch wieder in der ersten Reihe stehen

Liebe Christiane, wie ist der Prinz denn privat?

Christiane Geuting: Er ist ein unheimlich tiefgründiger Mensch, sehr charmant und spontan. Alles, was er macht, macht er mit größtem Engagement.

Wo haben sich Prinz und Tollitute kennengelernt?

Prinz Thorsten: Wir haben uns im Oktober 1995 bei einem Essen meiner Verbindung im Kreuzviertel kennengelernt . . .

Christiane Geuting: ...ja, als ich mit einer Pizza in der Hand zu diesem Grünkohlessen kam.

Ich hoffe, ...dass  der OB noch ein bisschen Reserve in der Haushaltskasse gelassen hat.

Prinz Thorsten I.

Mögen Sie etwa keinen Grünkohl?

Christiane Geuting: Damals noch nicht. Und heute liebe ich ihn wirklich. Den besten Grünkohl, den ich je gegessen habe, servierte Tommy Straßburg an seinem Geburtstag im vergangenen Jahr. Seine Mutter hatte ihn gekocht.

Prinz Thorsten, auf die schönsten Stunden dürft Ihr Euch noch freuen. Verratet Ihr das Geheimnis, wie Ihr am Sonntag das Rathaus stürmt?

Prinz Thorsten: Mit einem Hubschrauber auf dem Prinzipalmarkt zu landen, ist nicht genehmigungsfähig. Wenn wir mit einem Kleinflugzeug kommen, verliert mein Adjutant Rolf Büschenfeld seine Fluglizenz. Und über ein Drahtseil von der Praxis von Michael Nölle herüber zum Rathaus zu balancieren, klappt wegen des Gefälles nicht. Sie sehen, noch laufen die Planungen. Es wird aber mit Sicherheit ein imposantes Ereignis werden.

Wenn Sie denn heil auf dem Sentenzbogen ankommen, was werden Eure Tollität dort verfügen?

Prinz Thorsten: Vielleicht etwas zum Schneeräumen, nachdem die Seitenstraßen in den vergangenen Wochen kaum zu passieren waren. Eine Straßenbahn für Münster, das wäre doch auch etwas. Der Rest ist noch ein großes Geheimnis.

Die Haushaltskassen sind leer. Habt Ihr überhaupt ein Interesse daran, die Macht im Rathaus zu übernehmen?

Prinz Thorsten: Ich hoffe, dass sich der Aufwand, das Rathaus zu stürmen, überhaupt lohnt und der OB noch ein bisschen Reserve in der Haushaltskasse gelassen hat.

Für Markus Lewe soll der Machtverlust ja nur kurz sein. Ihr hattet zumindest verkündet, dass Ihr bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr kein Konkurrent für den Oberbürgermeister sein wollt...

Prinz Thorsten: Der Posten eignet sich für mich langfristig nicht. Ich bleibe lieber Unternehmer. Ich muss frei denken können, ohne auf Mehrheiten angewiesen zu sein...

Was wird aus Lewe, wenn Ihr am Sonntag die Macht im Rathaus übernehmt?

Prinz Thorsten: Ich hatte ihm bereits am 11.11. Wellnessangebote offeriert. Da war er ja noch kämpferisch und nahm sie nicht an. Sich über Karneval mal drei Tage in der Salzoase eine Auszeit zu nehmen, würde ihm sicherlich für den Rest des Jahres helfen.

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