Rücktritt stößt auf großen Respekt
"Der Papst ist kein Überwesen, sondern ein Mensch"

Münster -

Die Nachricht vom Rücktritt Papst Benedikts hat den münsterischen Stadtdechanten Dr. Ferdinand Schumacher wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Er kennt den den Papst seit seiner Studienzeit. Als Joseph Ratzinger an der Katholischen Fakultät der Universität Münster lehrte, hörte Schumacher dessen Vorlesungen – und belegte ein Hauptseminar bei ihm.

Dienstag, 12.02.2013, 09:02 Uhr

Der Entscheidung des Papstes zollt der Stadtdechant übrigens Respekt. „Er ist kein Überwesen , sondern ein Mensch. Wenn jemand das Gefühl hat, dass er nicht mehr kann, dann muss man das respektieren.“

Auch Prof. Dr. Klaus Müller vom Seminar für Philosophische Grundfragen der Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität kennt den Papst seit seiner Studienzeit. Er hörte Ratzingers Vorlesungen, als dieser in Regensburg Dozent war. „Später trafen wir uns in Rom wieder. Als er München verließ, war ich dort gerade Doktorand. Wir wohnten im Vatikan im selben Haus, trafen uns täglich“, erinnert sich Müller. „Er hat sich jedes Mal gefreut, einen Bayern zu treffen.“ Auch Müller stammt aus Regensburg.

Für einen Karnevalsscherz gehalten

Klinikpfarrer Egbert Reers hielt die Nachricht vom Papst-Rücktritt im ersten Augenblick für einen Karnevalsscherz. „Ich bin total platt“, sagt der frühere Geistliche von St. Josef Kinderhaus am Telefon. „Das hätte ich ihm nicht zugetraut.“ Für ihn sei Ratzinger ein großer Theologe, ein kluger Mann und ein glänzender Schriftsteller – „manchmal zu glänzend und schön“. Reers erinnert sich: „Schon als Studenten sind wir voller Begeisterung, Zustimmung und auch Verwunderung in die Vorlesungen des damaligen jungen Professors gegangen und strömten in den Dom, um seine Predigten ,Vom Sinn des Christseins‘ zu hören.“ Ratzingers Buch „Einführung in das Christentum“ sei für ihn bis heute wegweisend, betont Reers.

Das nun zu Ende gehende Pontifikat Ratzingers sieht der Geistliche am Uniklinikum gleichwohl auch kritisch: „Als Kardinal und Papst fehlte ihm meiner Einschätzung nach häufig der realistische Blick für die Wirklichkeit des Glaubens in der heutigen Welt.“ Die notwendige Öffnung, das „Aggior­namento“, für das Leben und Denken und Fühlen der Menschen im 21. Jahrhundert, fiel dem Papst nach Reers‘ Auffassung sehr schwer.

Großer Respekt für Entscheidung

„Großen Respekt“ für die Entscheidung zum Rücktritt erweist Sharon Fehr, Vorsteher der Jüdischen Gemeinde, dem Papst. „Ich persönlich verstehe sie auch als Anstoß zur Reflexion über das Altern, wenn die Kräfte für ein öffentliches Amt nicht mehr reichen. Eine konsequente menschliche Haltung, die ihresgleichen suchen dürfte“, so Fehr.

Und wie geht es nun weiter? „Die katholische Kirche wird problemlos weiter funktionieren“, ist Stadtdechant Schumacher überzeugt. Prof. Müller betont, dass er sich als Nachfolger Papst Benedikts jemanden wünscht, „der sich auf die Fragen der Moderne einlässt“. Denn dieser Herausforderung sei der scheidende Papst nach Müllers Einschätzung „im Verlauf des Pontifikats immer weniger gerecht geworden“.

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