Bettler werden im Dom nicht mehr geduldet
Keine Rückkehr ins Paradies

Münster -

Jahrelang bettelten zwei Männer in der Haupteingangshalle, dem Paradies, vom Dom. Mit Beginn der Sanierung mussten die Männer verschwinden. Einer ist jetzt zurückgekehrt, darf aber seinen Stammplatz im Paradies nicht mehr einnehmen. Zwischenzeitlich einigte sich das Domkapitel darauf, dass Bettler im Dom nicht mehr willkommen sind.

Freitag, 29.03.2013, 11:03 Uhr

Bettler vor dem Eingang zum Dom
Nicht mehr im Paradies, dafür aber vor dem Dom-Eingang haben sich inzwischen schon zwei Bettler wieder auf den Stufen einquartiert. Foto: Matthias Ahlke

Die beiden Männer behaupteten ihre Plätze im Paradies . Beide saßen vor den dicken Säulen im Eingang des Domes – und bettelten. Vor ihnen stand jeweils ein Schälchen und ein Becher. Von der Domverwaltung wurde das Betteln geduldet. Jahrelang. Jetzt gibt es jedoch einen neuen Beschluss des Domkapitels , dass Bettler im Dom und damit im Paradies nicht mehr betteln sollen, bestätigt der Sprecher des Bistums Münster , Dr. Stephan Kronenburg .

Bettler mussten für Sanierung weichen

Im November 2011 war Schluss für die Bettler im Dom. Mit Beginn der Sanierung mussten die Stammgäste ihre Sitzplätze im Paradies räumen. 985 Tage war der Dom in Handwerkerhand, im Februar dann wurde die Bistumskathedrale wieder eröffnet.

Gegen das Betteln unmittelbar vor dem Dom gibt es keine Einwände.

Dr. Stephan Kronenburg, Bistumssprecher

Jetzt ist einer der beiden Stammgäste, ein Pole, tatsächlich zurückgekehrt. Doch die Domverwaltung lässt ihn nicht ins Paradies, dafür hat er seinen Platz vor der Tür eingenommen – trotz der Kälte. Doch er sitzt dort nicht alleine, eine Frau aus Rumänien hat sich ebenfalls eine Treppenstufe erobert. Gegen das Betteln unmittelbar vor dem Dom gibt es keine Einwände, betont Bistumssprecher Kronenburg.

Dom-Paradies

Als Paradies bezeichnet man die Vorhalle am Haupteingang des Doms. Der Name deutet auf den paradiesischen Urzustand hin und den Sündenfall der Menschen. Im Mittelalter urteilten hier die Sendrichter über die geistlichen Verfehlungen im Bistum. Der St. Paulus-Dom bietet auf seiner Website einen Panoramarundgang .

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Doch so ganz war der Pole ohnehin nicht aus dem Dunstkreis des Domes verschwunden. Mit dem vorrübergehenden Umzug nach Überwasser suchte sich der Mann auch in der benachbarten Kirche ein Plätzchen. Aber dort sei er im Kirchenraum nicht geduldet worden, sagt er. Jetzt sitzt er mit Sack und Pack vor dem Eingang des Domes.

Leben von den Einnahmen im Paradies

Er ist still, will plötzlich nichts mehr sagen, obwohl er Deutsch versteht und auch spricht. Zwischendurch sei er in seine Heimat gefahren, zur Familie, die sich freue, so sagt er dann doch, dass er wieder seinen Platz am Dom in Münster habe. Mit dem Fahrrad kam er vor 15 Jahren in Münster an. Es heißt, er sei gelernter Metzger, fand aber in Münster keine Anstellung und lebte seitdem von den Einnahmen im Paradies.

Der Pole, der inzwischen die 54 überschritten haben muss, bringt sich sein Essen und seine Getränke mit. Ob er immer noch im Auto schlafe? Er nickt, will aber nichts mehr sagen und scheut die Öffentlichkeit. Viele Dom-Besucher scheinen den Mann zu kennen, der jetzt in der Kälte sitzt und manchen Cent und Euro erhält.

Die neue Regelung entspreche einer Regelung, wie sie auch in den übrigen Kirchen im Stadtgebiet gilt, betont der Bistumssprecher.

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