Blumen droht der Kompost
Kreisgärtnermeister über fehlende Frühlings-Wärme und volle Gewächshäuser

Münster -

Nachtfröste und tagsüber nicht mehr als sechs Grad bei eisigem Ostwind: Eine inzwischen schon wochenlange Durststrecke macht Blumenhändlern und Gartencenter-Betreibern das Leben schwer. Die Lager mit Frühlingsblumen, die noch nicht gepflanzt werden konnten, sind voll, und die Sommerblumen sind schon in der Warteschleife. Über wirtschaftliche Probleme und Tipps für Balkon und Garten sprach Redakteurin Karin Höller mit Kreisgärtnermeister Martin Dahlmann.

Samstag, 30.03.2013, 17:03 Uhr

Frühlingsblumen 
Kreisgärtnermeister Martin Dahlmann Foto: hö

Sinken die Preise angesichts des Frühlingsblumen-Staus in vielen Gartencentern?

Dahlmann : Die Preise sind stabil mit minimalen Schwankungen nach unten. Sobald das Wetter besser wird, wird die Nachfrage steigen. Sollte sich die Kälte aber noch zwei Wochen hinziehen, könnte es durchaus passieren, dass es einen Engpass bei bestimmten Pflanzen und Farben gibt.

Wie passt das zusammen?

Dahlmann: Es gibt einen festen Zeitplan, nach dem die Pflanzen auf den Markt kommen – danach werden die Kulturen gesteuert. Verschiebt sich dieser Zeitplan um Wochen, können bestimmte Qualitäten nicht garantiert und die Pflanzen nicht verkauft werden.

Was passiert mit diesen nicht mehr präsentablen Frühlingsblühern?

Dahlmann: Schlimmstenfalls landen sie auf dem Kompost . Das geschieht bei den großen Produzenten im Rheinland bereits.

Auch im Münsterland?

Dahlmann: Noch nicht, da die Produktionseinheiten nicht so riesig sind, statt 50 000 Quadratmeter beispielsweise nur 5000. Die Gärtnereien versuchen mit Improvisationsgeschick die Lage zu retten, lagern beispielsweise Pflanzpaletten unter Flies nach draußen aus, zumal der Platz eng wird. Denn die Sommerblumen drängen bereits nach. So wird beispielsweise schon Platz für Geranien gebraucht.

Welche Kosten kommen auf die Betriebe zu?

Dahlmann: Vor allem die Energiekosten für Heizung und Beleuchtung steigen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres hatte ich Steigerungen von 20 Prozent. Hinzu kommt ein größerer Pflegeaufwand, da die in den Töpfen weiterwachsenden Pflanzen auseinandergerückt und gesäubert werden müssen, um eine gute Qualität zu halten.

2008 hatten wir ähnlich niedrige Temperaturen zu Ostern . Verschiebt sich die Blütezeit einfach oder werden die Blüten in diesem Jahr spärlich kommen?

Dahlmann: Die Natur schafft das schon. Wenn sich der Frühlingsbeginn verschiebt, verschiebt sich auch die Blütezeit. Schlimmer war es allerdings im vergangenen Jahr. Nach einem milden Januar und warmen Februartagen mit 10 bis 15 Grad kamen plötzlich noch zwei Wochen mit tiefen Minusgraden. Da gab es erhebliche Schäden in der Natur. Hochstammrosen und Buchsbäume gingen ein, die Magnolienblüte fiel spärlicher aus. Die Narzissen blühten Anfang Februar und gingen danach ein.

Überstehen Narzissen, deren Blätter in den warmen Tagen vor zwei Wochen ausgetrieben sind, die derzeitigen Nachtfröste ?

Dahlmann: Mit Frösten um die fünf Grad kommen auch ausgetriebene Frühlingsblüher zurecht. Probleme haben aber im Gewächshaus angetriebene Pflanzen, die plötzlich in große Kälte kommen.

Welche Frühlingspflanzen halten die derzeitige Kälte noch am besten aus?

Dahlmann: Stiefmütterchen und Hornveilchen und Zwiebelpflanzen wie Narzissen und Tulpen. Die kann man in geschützten Lagen schon nach draußen stellen.

Einige Sorten halten sich doch auch in der Wohnung.

Dahlmann: Narzissen, duftende Hyazinthen und angetriebene Tulpen sehen in Pflanzschalen auch bis zu 14 Tage lang im Haus gut aus.

Haben Sie weitere Tipps für frühlingshungrige Pflanzenfreunde?

Dahlmann: Wer dem tristen Wetter entfliehen möchte, sollte jetzt in Gärtnereien und Pflanzencenter gehen. Dort gibt es den Frühling pur. Und wenn die Temperaturen dann endlich steigen, hoffen wir Gärtner, dass die Frühlingsblüher palettenweise verkauft werden können. Schließlich sind die Blumen nicht nur gut für die Optik, sondern auch Balsam für die Seele.

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