Spektakuläres Buch
Skandal im Kloster

Münster -

Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf hat ein spektakuläres Buch über „Die Nonnen von Sant` Ambrogio“ geschrieben. Vierzehn Jahre hat Wolf dafür recherchiert. Am heutigen Montag erscheint das Buch, für das es bereits erste Filmangebote gibt.

Freitag, 01.03.2013, 17:03 Uhr

Der vielfach ausgezeichnete münsterische Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf hat ein Buch über „Die Nonnen von Sant‘ Ambrogio“ geschrieben.
Der vielfach ausgezeichnete münsterische Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf hat ein Buch über „Die Nonnen von Sant‘ Ambrogio“ geschrieben. Foto: kal

Ein Jahrhundert lang schlummerte in den Archiven des Vatikan eine Akte, deren Inhalt so ungeheuerlich ist, dass man ihn kaum glauben mag. Die Mitarbeiter der Inquisitionsbehörde hatten sie besonders gut versteckt – damit sie ja niemand findet. Vergebens: 1999 fiel sie dem renommierten münsterischen Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf in die Hände. Als er begann, sich durch das 2,50 Meter dicke Schriftstück durchzuarbeiten, traute er seinen Augen nicht. „Schnell war für mich klar: Du musst unbedingt ein Buch darüber schreiben“, sagt Wolf.

15 Jahre später, am heutigen Montag, kommt es auf den Markt. „Die Nonnen von Sant‘Ambrogio“ steht auf dem Cover – und darunter „Eine wahre Geschichte“. Ein wichtiger Zusatz, denn was die Inquisition ans Tageslicht brachte und Wolf nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht, ist schlicht unglaublich.

Fast ein halbes Jahrhundert glich das Leben hinter den hohen Klostermauern von Sant‘Ambrogio im Zentrum der Ewigen Stadt Sodom und Gomorrha. Nonnen ließen sich als Heilige verehren, frönten lesbischen Initiationsriten, erteilten Segnungen per Zungenkuss. Männer – auch Geistliche – gingen ein und aus, zeugten Kinder mit der Novizenmeisterin und den Novizinnen. Nonnen wurden ermordet, eine deutsche Adelige, die den Geheimnissen auf die Schliche kam, fast vergiftet. Mehr noch: Eine der Schlüsselfiguren des wüsten Treibens war ein vatikanischer Spitzentheologe und enger Vertrauter des Papstes, war jener Mann, der – ausgerechnet! – das Unfehlbarkeitsdogma mitformulierte.

All dies geschah in einem Kloster , das 1816 nach falschen Heiligenverehrungen von der Inquisition geschlossen worden war – aber danach trotzdem weiter existierte. Mehr noch: 1829 hob Papst Leo XII. das Urteil der Inquisition einfach wieder auf. „Dass ein Urteil der Inquisition aufgehoben wird, ist einmalig“, sagt Wolf, der an der WWU lehrt.

Bis 1859 war das Kloster ein einziger Sündenpfuhl. Bis die deutsche Adelige Katharina von Hohenzollern einzog – und von den obszönen Ausschweifungen Wind bekam. Das wiederum bekamen die Nonnen mit. Eines Tages lag ein Brief auf ihrem Tisch. Absender: die Gottesmutter. Auftrag: Bringt die Adelige um!

Die Nonnen gehorchten. Tollkirsche, Opium, Lacke, Terpentin – kaum ein Gift, das der Adeligen nicht unters Essen gemischt wurde. Doch sie überlebte, floh und zeigte die Umtriebe bei der päpstlichen Inquisitionsbehörde an. Sex und Crime in einem Kloster – das ist nicht nur ein Stoff, aus dem Bestseller sind (Wolf hat die Rechte an dem Buch schon an etliche ausländische Verlage verkauft). Das ist auch der Stoff, aus dem Hollywood-Filme sind. „Es laufen Verhandlungen mit einem großen Studio“, verrät Wolf, der nach wie vor über das staunt, was er in den Vatikan-Archiven entdeckt hat. „Seit 30 Jahren forsche ich dort, so ein Fall ist einmalig.“

14 Jahre hat er für sein Buch recherchiert, internationale Experten getroffen, unzählige Bücher gelesen – „und dabei vieles gelernt, was ich nicht wusste“. Nun ist es fertig – jenes Buch, von dem der Bestseller-Autor und aus einer ZDF-Reihe bekannte Historiker sagt: „Es ist das aufregendste, das ich jemals geschrieben habe.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1540184?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F1753750%2F1753755%2F1540183%2F
Gestank im Hamburger Tunnel: Sollten die Fahrradständer entfernt werden?
Pro & Contra: Gestank im Hamburger Tunnel: Sollten die Fahrradständer entfernt werden?
Nachrichten-Ticker