Ein Jahr nach der Neonazi-Demo in Rumphorst
Die Angst vor den Rechten bleibt

Münster -

Die Neonazi-Demo vom 3. März 2012 ist ein Jahr danach noch lange nicht vergessen: Manche Anwohner haben Sorge, dass sich das Ereignis wiederholen könnte. Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus unterdessen beobachten genau, wie sich die rechte Szene in Münster entwickelt.

Freitag, 08.03.2013, 19:03 Uhr

Kreativer Protest: Mehr als 5000 Menschen gingen am 3. März 2012 auf die Straße – allen voran die Anwohner im Rumphorst-Viertel, durch das der Neonazi-Aufmarsch führte.
Kreativer Protest: Mehr als 5000 Menschen gingen am 3. März 2012 auf die Straße – allen voran die Anwohner im Rumphorst-Viertel, durch das der Neonazi-Aufmarsch führte. Foto: Jürgen Peperhowe

Gut ein Jahr ist es her, dass die Neonazi-Demonstration nicht nur Rumphorst, sondern die ganze Stadt in Alarmbereitschaft versetzt hat. Im Viertel erinnern heute auf den ersten Blick nur die „Keinen Meter den Nazis“-Aufkleber an den Protest. Doch das Ereignis hat unsichtbare Spuren hinterlassen. „Ich kenne heute Leute, die ich vorher nicht kannte“, berichtet Renate Firgau , die den nachbarschaftlichen Protest mitorganisiert hatte. Die Demo hat das Viertel, zumindest für einen gewissen Zeitraum, zusammenrücken lassen. Auch wenn nicht alle mitgemacht hatten: „Einige fanden, man sollte die Rechten nicht beachten, andere hatten Angst.“ Und heute? „Manche befürchten, dass der Spuk wieder passieren könnte“, sagt Firgau. Das glaubt sie zwar nicht, aber: „Wer so etwas vor der eigenen Haustür erlebt hat, der wird natürlich wachsamer.“

Lange geblieben ist bei vielen Anwohnern das Unverständnis über den Einsatz der Polizei, erzählt Pastoralreferent Andreas Rehm, der vor einem Jahr die Thomas-Morus-Kirche als Rückzugsort für Anwohner und Gegendemonstranten geöffnet hatte. „Viele waren entsetzt, wie sie von der Polizei kriminalisiert worden sind“, hat er aus Gesprächen mit Anwohnern erfahren. Auf den Protest blickt er positiv zurück: „Es war nötig, ein Zeichen zu setzen.“

Die treibende Kraft hinter der Neonazi-Demo waren die „Nationalen Sozialisten Münster“. „In der Szene hat man es häufig mit kleinen Gruppierungen zu tun, die jedoch gut vernetzt sind“, erklärt Heiko Klare von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus. Nachdem das Innenministerium im Herbst unter anderem die rechtsradikale „Kameradschaft Hamm“ verboten hatte, seien die „Nationalen Sozialisten“ aus der Öffentlichkeit praktisch verschwunden. „Ein Versuch, der Repression zu entgehen“, so Klare. Die Vermutung liegt jedoch nah, dass die gleichen Personen sich neu organisieren: als Bezirksverband Münsterland der neuen Partei „Die Rechte“. Unter diesem Etikett sind sie im Netz unterwegs, hetzen gegen Migranten und versuchen, lokalpolitische Themen zu besetzen. „Es ist schwer zu sagen, welche Reichweite sie damit erzielen“, so Klare.

Dass eine große Demonstration bald wieder drohen könnte, sei eher unwahrscheinlich. „Das ist nach den Verboten derzeit wohl nicht möglich und für die Rechten auch nicht strategisch sinnvoll.“ Wahrscheinlicher sei, dass vor der Kommunalwahl 2014 mit Aktionen aus der Szene zu rechnen sei – wenn „Die Rechte“ auf den Stimmzetteln erscheinen will.

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