Erhaltung der plattdeutschen Sprache
Einfach mal „platt küren“

Münster -

Ein Arbeitskreis der evangelischen Gemeinde Münster setzt sich für die Erhaltung der plattdeutschen Sprache ein. Geplant sind unter anderem Gottesdienste auf platt, der Austausch mit Altenheimen, Krankenhäusern und Hospizen.

Dienstag, 12.03.2013, 17:03 Uhr

Kennen Platt noch aus Kindertagen (v.l.): Trude Recker (Plattdütsker Krink Mönster), Erika
Kennen Platt noch aus Kindertagen (v.l.): Trude Recker (Plattdütsker Krink Mönster), Erika Foto: usch

„Wo geit dat no de Aasee ?“ fragt Erika Decker einen Passanten im Geistviertel. „Da gahn se mal liekut,“ antwortet der ihr, ohne zu zögern – geradeaus also. Decker freut sich, wie selbstverständlich Plattdeutsch in Alltagssituationen benutzt wird. Auch Einkäufe in münsterischen Modegeschäften hat sie schon vollständig auf Platt getätigt, ohne dass es Verständigungsschwierigkeiten gab. Nun hat die ehemalige Krankenschwester den Arbeitskreis „Plattdüütsch in de Kark“ der evangelischen Gemeinde Münster mitbegründet.

Vergangenes Jahr haben in Münster schon ein evangelischer und ein katholischer Gottesdienst sowie eine ökumenische Andacht auf Plattdeutsch stattgefunden. Dies soll weitergeführt werden, der nächste evangelische Gottesdienst auf Platt ist für den 16. Juni geplant. Mit viel Engagement setzt sich die Bremerin für das Plattdeutsche ein. In ihrem Elternhaus wurde Platt gesprochen, aus eigener Erfahrung weiß sie, dass Platt eine Brücke bauen und verschlossene Gefühle öffnen kann. Ein Ziel des Arbeitskreises ist daher der Austausch mit Altenheimen, Krankenhäusern und Hospizen. Vor allem an Demenz erkrankte Menschen reagierten sehr gut darauf, wenn sie in der vertrauten Sprache angesprochen würden, betont Margret Wilmer von den „Grünen Damen“. In Hamburg gibt es für Pflegepersonal bereits entsprechende Sprachkurse.

Platt könne „sozial fördernd“ im Alltag wirken und Menschen zusammenbringen. Decker will nichts künstlich am Leben erhalten, sondern an vorhandene Sprachkenntnisse anknüpfen und diese fördern. Heinz Heidbrink vom Stadtheimatbund fügt hinzu: „In Münster müssen wir das Platt eigentlich nur in die Stadt reinholen. Im Umland wird ja noch viel gesprochen.“ Plattdeutsch ist also keineswegs eine tote Sprache. Viele verstehen es gut, nur mit dem selbst sprechen hapert es manchmal. „Se mutt schnacken“, man müsse sich einfach trauen und losschnacken, ermuntert Decker.

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