Klettern am Strommast
Ausbildung in luftiger Höhe

Münster -

Für angehende Netzmonteure geht es in der Ausbildung hoch hinaus. In Münster-Amelsbüren lernen sie zurzeit, wie man auf Strommasten klettert und in zehn Metern Höhe an den Leitungen arbeitet. Eine Mutprobe, bei der Sicherheit groß geschrieben wird.

Freitag, 22.03.2013, 07:03 Uhr

In zehn Metern Höhe überprüft Jan-Hendrik Brumund, ob sich an der Leitung gefahrlos arbeiten lässt.
In zehn Metern Höhe überprüft Jan-Hendrik Brumund, ob sich an der Leitung gefahrlos arbeiten lässt. Foto: Oliver Werner

Langsam, ganz langsam setzt Jan-Hendrik Brumund einen Fuß über den anderen und steigt Meter um Meter senkrecht in die Höhe. An seinen Schuhen trägt er Steigeisen. Deren lange, gebogene Zacken schmiegen sich um den glatten Holzpfahl und geben Halt – Schritt für Schritt. Der 19-Jährige schaut nach oben. Höhenangst, die darf er in seinem späteren Beruf nicht haben.

Ausbildung auf Strommasten

Denn was Jan-Hendrik Brumund hier tut, ist keine Mutprobe im eigentlichen Sinn, sondern Teil seiner Ausbildung. Der junge Mann, der gebürtig aus Varel bei Wilhelmshaven kommt, macht eine Ausbildung zum Netzmonteur und lernt erstmals, wie man einen Strommast erklimmt und an den Freileitungsnetzen arbeitet. Im RWE-Tochterunternehmen Westnetz schult Ausbilder Heinrich Schlüter derzeit angehende Netzmonteure für Arbeiten an Niederspannungs-Freileitungen. Möglich ist das in einer speziellen Schulungsanlage bei Amelsbüren . „Die jungen Leute sind hochmotiviert“, sagt Schlüter. „Aber bei einem zehn Meter hohen Mast kommt der eine oder andere an seine Grenzen.“

Nicht so Jan-Hendrik Brumund: „Beim ersten Mal war es zwar noch etwas unbeholfen“, beschreibt der 19-Jährige seine ersten Kletterversuche. Ähnlich ging es auch den anderen Auszubildenden. Aber schon nach den ersten drei Tagen des Lehrgangs habe sich eine gewisse Sicherheit und Routine eingestellt. In ein paar Monaten oder Jahren wird es wie ein Spaziergang aussehen, wenn Jan-Hendrik Brumund als erfahrener Monteur den Mast erklimmt.

„Aber zu Beginn kostet das schon Überwindung“, sagt Michael Mühlenkamp , Leiter des Netzbetriebes Münsterland. Es erfordere einiges an Training, mit den Eisen an den Füßen umzugehen. Nicht zu vergessen die Ausrüstung, die komplett gut und gerne 30 Kilo wiegt, und die kalten Finger bei null Grad Außentemperatur. „Aber die winterlichen Bedingungen erschweren die Übung nicht so sehr wie Sturm oder Gewitter“, sagt Westnetz-Sprecherin Ingrid Meering. Und vom Wetter dürfen sich die angehenden Netzmonteure ohnehin nicht beeindrucken lassen, müssen sie doch später auch bei jeder Wetterlage „raus“.

Für die Auszubildenden hatte Heinrich Schlüter ein Übungsszenario vorbereitet: Ein Kunde meldet, dass zu Hause der Strom ausgefallen ist – und die angehenden Netzmonteure müssen auf Ursachensuche gehen. Die Störung ist schnell gefunden: Eine Leitung ist zerrissen und baumelt am Mast. Die Azubis wissen was zu tun ist: zunächst natürlich dafür sorgen, dass die Leitung nicht mehr unter Spannung steht. In zehn Metern Höhe wird das dann noch einmal kontrolliert: „Eine Gefährdung muss auch später immer ausgeschlossen sein“, sagt Mühlenkamp.

Hoch hinaus könnte es für die Berufsanfänger später nicht nur im wortwörtlichen Sinne gehen: „Das Stichwort lautet Fachkräftemangel“, so Mühlenkamp. „Die jungen Leute haben gute Berufsaussichten.“

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