Münsterische Forscher züchten Krankheit in der Kulturschale
Forscher entschlüsseln Parkinson

Münster -

Die Forschung über die Entstehung und mögliche Behandlung von Parkinson ist ein großes Stück weitergekommen. Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Molekulare Biomedizin unter Leitung von Prof. Hans Schöler ist es gelungen, im Labor menschliche, an Parkinson erkrankte Nervenzellen nachzuzüchten.

Freitag, 08.03.2013, 14:03 Uhr

Eine menschliche Nervenzelle, die an Parkinson erkrankt ist. In der Kulturschale konnten die Wissenschaftler beobachten, warum die erkrankten Nervenzellen absterben.
Eine menschliche Nervenzelle, die an Parkinson erkrankt ist. In der Kulturschale konnten die Wissenschaftler beobachten, warum die erkrankten Nervenzellen absterben. Foto: Max-Planck-Institut

Euphorie ist ein Gefühl, das nüchterne Wissenschaftler nicht gern zulassen. Und auch Dr. Peter Reinhardt vom Max-Planck-Institut warnt vor überzogenen Hoffnungen. „Ob Menschen, die heute unter Parkinson leiden, von unserer Entdeckung profitieren, ist sehr ungewiss“, warnt der Biloge vor allzu großem Optimismus. Den Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster ist gleichwohl bei der Parkinson-Forschung ein Schritt gelungen, der eine Therapie der bisher unheilbaren Erkrankung der Nervenzellen zumindest in Sichtweite rückt.

Den Forschern um den Leiter des Instituts, Prof. Hans Schöler , ist es gelungen, an Parkinson erkrankte Nervenzellen im Labor zu züchten. Patienten, die unter Parkinson leiden, spendeten einige Hautpartikel, die die Wissenschaftler im Labor zu Nervenzellen umprogrammiert haben. Beteiligt an der Arbeit sind auch Forscher des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung in Tübingen. Das Team hat die Ergebnisse seiner Studien gestern in der Fachzeitschrift „Cell Stem Cell“ publiziert.

Parkinson

Dr Peter Reinhardt und Dr. Jared Sterneckert (v.l.) haben Parkinson im Labor gezüchtet.

Bei der Arbeit an diesem Verfahren entdeckten die Biologen Ursachen für das bei Parkinson typische Absterben der Nervenzellen. Dr. Peter Reinhardt und Dr. Jared Sterneckert konzentrierten sich im Labor an der Röntgenstraße auf Nervenzellen, die durch eine Mutation, also eine Veränderung der Gene absterben. Diese Mutation gilt als häufigster Auslöser der vererbbaren Form von Parkinson.

Care-Institut

Die Erforschung von Wirkstoffen gegen bisher unheilbare Krankheiten wird am neuen Care-Institut in Münster weiterverfolgt. Die von Land und Bund geförderte Einrichtung soll im Sommer die Arbeit aufnehmen. Sie basiert auf der Möglichkeit, Zellen mit bestimmten Krankheiten im Labor herzustellen.

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Die münsterischen Forscher beobachteten dabei, dass ein bestimmtes Protein eine Rolle spielt, das auch beim Wachstum von Krebstumoren beteiligt ist. In der Krebsmedizin werden bereits Medikamente angewandt, die in diesen Mechanismus eingreifen.

„Dieses Medikament kann aber nicht ohne Weiteres Parkinson-Patienten verabreicht werden“, stellt Reinhardt klar. Dafür seien langwierige Studien notwendig. Den immensen Fortschritt sieht er in der gelungenen Herstellung der menschlichen, an Parkinson erkrankten Nervenzellen. Mit der in Münster entwickelten Methode können nun an den isolierten Zellen Tausende verschiedener Wirkstoffe getestet werden. „Das ist der große Sprung“, sagt Reinhardt. Denn nicht nur Parkinson, sondern auch andere unheilbare Krankheiten können mit der Methode im Labor „nachgebaut“ werden.

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