Sechs Strafanzeigen und zwei Festnahmen
Abtreibungsgegner treffen auf fünfmal so viele Gegendemonstranten

Münster -

 Am Samstag brachten gleich zwei Demonstrationen die übliche entspannte und ruhige Markt-und-Shopping-Stimmung in der Innenstadt gewaltig durcheinander. Es gab sechs Strafanzeigen und zwei Festnahmen. 400 Feminismus-Aktivisten und 80 Abtreibungsgegner zogen unter starkem Polizeischutz (inklusive Hundertschaft aus Osnabrück) zunächst zeitlich und räumlich getrennt voneinander durch die Straßen.

Sonntag, 10.03.2013, 12:00 Uhr aktualisiert: 10.03.2013, 16:18 Uhr
"Your body, your choice" war das Motto der rund 400 Gegendemonstranten.
"Your body, your choice" war das Motto der rund 400 Gegendemonstranten. Foto: Matthias Ahlke

Autofahrer und Busgäste mussten sich in Geduld üben. Selbst für freie Fahrt gewohnte Radfahrer gab es ungewohnte Stopps. Um 11 Uhr startete die Feminismus-Demo mit harter Rapmusik, lila Regenschirmen, Spruchbändern, Schildern und Megaphonsprüchen wie „Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland – Abtreibung in Frauenhand!“ auf dem Bremer-Platz. „Als Frau habe ich das Recht über meinen Körper selbst zu bestimmen“, erklärte Designerin Sophie Müller ihre Teilnahme und Physikstudent Fred Birkner ergänzte: „Als Männer müssen wir uns solidarisch zeigen.“

Gegendemonstranten in Münster

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Vor der Raphaelsklinik (Kritik über die Schließung der gynäkologischen Abteilung) und vor dem Schloss (Forderung: freier Zugang für Pille danach) gab es Kundgebungen.

Auf beiden Seiten des Weges umsäumt von schützenden Polizisten startete um 14.30 Uhr der 1000-Kreuze-Marsch des Vereins „Euro Pro Life“ am Aegidiikirchplatz. Damit wollen die bekennenden Abtreibungsgegner „an die täglich 1000 ungeborenen Kinder in Deutschland “ erinnern. Doris de Boer ist extra aus Kevelaer mit ihren beiden Kleinkindern angereist: „Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben.“

Mit Glaubensliedern und Rosenkranz-Gebeten, weißen Kreuzen und einem schweren Madonnenbild liefen die Abtreibungsgegner mit andächtiger Miene völlig in sich ruhend an ungläubig den Kopf schüttelnden beim gemütlichen Einkaufen ausgebremsten Passanten vorbei, die mit „Zickenterror“- und „Völlig Überzogen“-Rufen reagierten. „Ich kann mein Recht schon selber durchsetzen“, machte sich Passantin Carola Luft.

Die beiden jungen Mütter Andrea und Nicola zollten dem Gebetszug hingegen Anerkennung: „Nur bei Vergewaltigung kann man über Abtreibung sprechen.“ Beim Gebetszug sind neben Teilnehmern aus Belgien auch die junge Anna aus Gelsenkirchen dabei. Diese wurde mit ihrem Bruder von einem Gegendemonstranten am Bahnhof persönlich bedroht. Mit Trommeln, Trillerpfeifen, aufgeblasenen Kondomen, Seifenblasen, Konfetti-Würfen und weißen Fangnetzen versuchten bis zu 120 feministische Gegendemonstranten in der Fußgängerzone mehrfach, den Aufzug der Abtreibungsgegner zu stören.

Gegen sechs Personen fertigten die  Polizisten Strafanzeigen wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot. Eine 30-jährige und eine 34-jährige Münsteranerin nahmen die Beamten fest, weil sie bei der Personalienfeststellung Widerstand leisteten. Ein Unbekannter zündete Pyrotechnik. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts einer Straftat nach dem Sprengstoffgesetz. Gegen 16 Uhr endete die Versammlung der Abtreibungsgegner an der Überwasserkirche. Nun gehörte die Stadt wieder den samstäglichen Einkaufsfans.

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