230 Jahre alte Blutbuche im Schlossgarten
Jähes Ende mit der Kettensäge

Münster -

Die Blutbuche im Schlossgarten ist etwa 230 Jahre alt – und sie sollte an ihrem Platz natürlich sterben. Das ist jetzt nicht mehr möglich, denn sämtliche Äste wurden dem alten, kränkelnden Baum abgesägt. Damit ist die lange Geschichte des Baumes nach Ansicht von Botanikern jäh zu Ende.

Mittwoch, 19.06.2013, 10:06 Uhr

Die alte Blutbuche sollte langsam sterben – jetzt hat man ihr kurzerhand sämtliche Äste abgesägt.
Die alte Blutbuche sollte langsam sterben – jetzt hat man ihr kurzerhand sämtliche Äste abgesägt. Foto: Matthias Ahlke

Das Schloss und die dicke alte Blutbuche waren zeitlebens Nachbarn. Um die 230 Jahre steht der Baum an der Westseite des Barockbaus, spendete vielen Generationen von Münsteranern Schatten. Nicht mehr im kommenden Sommer: In der vergangenen Woche legten Arbeiter die Säge an – übrig ist jetzt nicht viel mehr als der Stamm. Der technische Leiter des Botanischen Gartens, Herbert Voigt , ist sicher: „So wird der Baum nicht mehr austreiben.“

Die Blutbuche war schon lange nicht mehr gesund – im Gegenteil. Schon vor einigen Jahren wurden Äste morsch, Pilze und Käfer besiedelten die Rinde, Spechte begannen, ihre Höhlen in den Stamm zu picken. Der Förderkreis des Botanischen Gartens, das Gebäudemanagement der Universität, das für die Pflege zuständig ist, und das Gartenunternehmen „Grüner Zweig“ stellten die sterbende Blutbuche unter „besonderen Schutz“, wie auf einem Schild zu lesen ist. „Im Schlossgarten sollte sichtbar werden, dass zur Natur auch das Vergehen gehört“, sagt Herbert Voigt. Zum Schutz der Besucher wurde ein Zaun aufgestellt, morsche Teile wurden behutsam gekappt, das Schild erinnert an die lange Geschichte des Baumes und an den natürlichen Lauf vom Wachsen, Altern und Sterben. Im vergangenen Sommer hatte der Baum noch Blätter. Das, so sagen Botaniker, wäre auch noch etliche weitere Jahre der Fall gewesen. Die radikale Operation mit der Kettensäge hat jetzt Schluss mit dem natürlichen Verfall gemacht. Warum kurzerhand sämtliche Äste abgesägt wurden, dazu war bei der Universität gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

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