Ex-Stadtdirektor Horst Freye erinnert an die Anfänge des Kreativkais
„Damals hat sich keiner aufgeregt“

Münster -

Im Hafenquartier herrscht Stillstand. Das Osmo-Gelände liegt brach, Bürgerinitiativen und Grüne kritisieren geplante Bauvorhaben. Doch es gab auch eine Zeit, als Aufbruchstimmung herrschte am Hafenbecken. Daran erinnert der frühere Stadtdirektor Horst Frye (SPD), der als Vater des Kreativkais gilt.

Samstag, 27.04.2013, 08:04 Uhr

Damals herrschte noch Euphorie am Kreativkai (v.l.): Klemens Nottenkemper von der Wohn- und Stadtbau, der damalige Stadtdirektor Horst Freye und der Unternehmer Wolfgang Hölker freuten sich 2002 über die Bauarbeiten am Atelierspeicher.
Damals herrschte noch Euphorie am Kreativkai (v.l.): Klemens Nottenkemper von der Wohn- und Stadtbau, der damalige Stadtdirektor Horst Freye und der Unternehmer Wolfgang Hölker freuten sich 2002 über die Bauarbeiten am Atelierspeicher. Foto: ohw

Horst Freye kann sich gut an den Tag erinnern, als er das Wort Kreativkai zum ersten Mal in der Zeitung gelegen hat. „Büroräume am Kreativkai“ war eine Immobilienanzeige für den Kuhrschen Speicher betitelt. „Da habe ich bei Kuhr sofort angerufen“, so der frühere Stadtdirektor (67) mit SPD-Parteibuch, der von 1995 bis 2003 unter anderem für die Stadterneuerung in Münster zuständig war.

Kurze Zeit vor Erscheinen der Annonce hatte Freye zusammen mit dem Wirtschaftsförderer Dr. Thomas Robbers das damals noch im wahrsten Sinne des Wortes verstaubte Hafenquartier erkundet. Einer ihrer Gesprächspartner war der Architekt Hanno Höyng, der an den Hafenweg gezogen war – als einer der ersten Kreativen am Hafenbecken. Freye: „Uns war klar: Wenn hier ein neues Quartier entstehen soll, dann braucht es einen Namen, also kam zu den (K)reativen noch der (K) ai “. Das Wortschöpfung machte schnell die Runde.

Längst gilt der heutige Pensionär Freye als einer der Väter der neuen Büro-, Kultur- und Flaniermeile am Wasser. Das Projekt ist ins Stocken geraten. Er jüngst schickten die Grünen einen Fragenkatalog an die Stadtverwaltung mit dem Ziel, den geplanten Bau eines E-Centers zu stoppen.

Ein Selbstläufer war das Projekt auch früher nicht. Seinerzeit musste Freye bei den Stadtwerken dicke Bretter bohren. „Die damalige Geschäftsführung konnte sich nur schwer von ihren Grundstücken trennen.“ Aus diesem Grund sollten die Grundstücke auch nur auf Erbpachtbasis vergeben werden, wie sich der SPD-Mann erinnert. Doch die Vergabe floppte: „Keiner biss an!“ In einer zweiten Runde wurden die Parzellen dann regulär verkauft.

Ironie der Geschichte: Heute denken die Parteien bei den verbliebenen Stadtwerke-Grundstücke auf der Nordseite des Hafenbeckens wieder über Erbpacht nach. Ein Vorgang, den Freye nicht kommentieren möchte . . .

Ein Motor und wichtiger Partner bei der Hafenentwicklung war der Verleger Wolfgang Hölker. „Das ist ein im positiven Mann Verrückter“, beschreibt der Ex-Stadtdirektor jenen Geschäftsmann, der in einem alten Hafenspeicher seinen Verlag untergebracht hat und überdies dafür sorgte, dass direkt nebenan an der Hafenkante ein neues Ateliergebäude entstand – Kreativkai pur.

„Wichtige Teile des Hafengeländes bleiben in der Hand von Münsteranern“, so bewertet Freye aus heutiger Sicht auch den Umstand, dass die Firma Stroetmann das benachbarte alte Postgelände erwarb, um hier besagtes E-Center zu errichten.

Auf die Kritik der Grünen an dem bis heute nicht realisierten Bauvorhaben will Freye nicht eingehen. Aber der Vater des Kreativkais hält fest: „Damals hat sich keiner darüber aufgeregt.“

Horst Freye ist kein zur Nostalgie neigender Mensch. Deshalb nimmt er es gelassen, dass der Wandel des alten Industriehafens nicht mehr jene Euphorie auslöst wie vor zehn bis 15 Jahren.

Trotzdem hält er stolz fest: „Die Arbeit hat sich gelohnt.“

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