Happy End für berühmte Schwänin
Petra lebt: Tier in Osnabrücker Vogel-Pflegestation aufgetaucht

Münster -

Die Geschichte von Petra und dem weißen Tretboot ging um die Welt. 2006 tauchte die schwarze Schwänin auf dem Aasee auf und sorgte für Furore: Weil sie einem der Tretboote folgte, die Peter Overschmidt jeden Sommer an Touristen verleiht. Kurzerhand tauften die Münsteraner den stolzen Vogel frei nach dem Bootseigner: erst Peter, später Petra.

Samstag, 06.04.2013, 10:04 Uhr

Alles deutet auf ein Happy-End hin: Die Trauerschwänin (links auf diesem Foto) könnte die zum Jahreswechsel 2009 spurlos verschwundene Petra aus Münster sein. Wolfgang Herkt (Foto) pflegte die Schwänin gesund.
Alles deutet auf ein Happy-End hin: Die Trauerschwänin (links auf diesem Foto) könnte die zum Jahreswechsel 2009 spurlos verschwundene Petra aus Münster sein. Wolfgang Herkt (Foto) pflegte die Schwänin gesund. Foto: Jürgen Peperhowe

Die vermeintliche Liebesgeschichte rührte Millionen Herzen. Allein, in der Silvesternacht 2009 war Münsters Wahrzeichen der Herzen urplötzlich verschwunden. Seitdem rätseln Experten, wo Petra sein könnte. Viele vermeintlich heiße Spuren verliefen im Sande.

„Das ist die verrückteste Geschichte, die ich je erlebt habe.

Jürg Adler, Direktor Allwetterzoo Münster

Nun gibt es fast Gewissheit: Gestern stattete Münsters Zoo-Direktor Jörg Adler in Osnabrück einer schwarzen Schwänin seinen Besuch ab – und ist sich sicher: Hier lebt Petra. „Ich hätte nie gedacht, dass ich die Schwänin wiedersehe.“ Dem Tipp einer Mitarbeiterin unserer Zeitung folgend, die einen Artikel über die dortige Storchenpflege-Station schrieb, verglich er zunächst Fotos von Schnabel und Füßen und setzte sich schließlich ins Auto, um sicherzugehen. Am Abend das erste Wiedersehen. Und die Schwänin erkannte den Zoochef, näherte sich ihm an. „Das ist die verrückteste Geschichte, die ich je erlebt habe“, sagt ein sichtlich gerührter Adler.

Schwanendame Petra offenbar wieder aufgetaucht

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  • Ist diese Schwänin die berühmte Petra aus Münster?

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Vogel-Experte Wolfgang Herkt ist davon überzeugt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zur Erinnerung: 2006 sorgte die ungewöhnliche „Liebesgeschichte“...

    Foto: Matthias Ahlke, Archiv
  • ...zwischen Petra und einem Schwanen-Tretboot weltweit für Aufsehen.

    Foto: Matthias Ahlke, Archiv
  • Doch in der Silvesternacht 2009 verschwand das Tier plötzlich.

    Foto: Matthias Ahlke, Archiv
  • Einen Tag später bekam Wolfgang Herkt einen Hinweis auf eine schwarze Schwänin.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das Tier (hier links) tauchte auf einem Feldweg in Glandorf auf.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Vogel war entkräftet und hatte hohes Fieber.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Wolfgang Herkt nahm das Tier in seiner Vogel-Pflegestation bei Osnabrück auf.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Auf die Idee, dass es sich bei dem Schwan um das berühmte Wahrzeichen Münsters handeln könnte,...

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ...kam er erst durch einen Hinweis einer Mitarbeiterin unserer Zeitung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Münsters Zoodirektor Jörg Adler kam, um die Vermutung zu überprüfen.

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  • Adler kennt Petra bestens: Begleitet von großem Medieninteresse...

    Foto: Matthias Ahlke, Archiv
  • ...bezog die Schwanendame ihr Winterquartier im Allwetterzoo Münster.

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  • Immer mit im Schlepptau: Das Tretboot vom Aasee.

    Foto: Matthias Ahlke, Archiv
  • Bei dem Vergleich mit alten Röntgenbildern von Petra...

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ...stellt der Zoodirektor sehr große Übereinstimmungen bei der Anatomie fest.

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  • Er ist sich sicher, dieser Fuß gehört Petra.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Und es gibt noch eine gute Botschaft:

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  • Die Schwanendame, deren „Tretboot-Liebe“ unerwidert bleiben musste,...

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  • ...hat einen Partner aus Fleisch und Blut gefunden.

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  • Die beiden lernten sich auf der Vogel-Pflegestation kennen.

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  • Rückkehr nach Münster? Zoodirektor Adler unterbreitete vor Ort direkt ein Kaufangebot für das Paar.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Wolfgang Herkt , der sich seit 1963 in der Peripherie Osnabrücks um Vögel in Not kümmert, war selbst gar nicht auf die Idee gekommen, es könne sich um die berühmte Schwänin aus Münster handeln. Er habe die Petra-Geschichte damals gar nicht verfolgt, so der Vogel-Experte. Nur so viel: Am 2. Januar 2009 – einen Tag, nachdem Petra verschwand – klingelte gegen 22.30 Uhr ein junges Paar an seiner Tür. Sie erzählten: Auf einem Feldweg in Glandorf habe die schwarze Schwänin plötzlich neben dem Auto gestanden. Wie Herkt später feststellte: Die Vogel-Dame war entkräftet, hatte diverse Abschürfungen erlitten und hohes Fieber. „Sie wog nur noch 3180 Gramm, eigentlich müssten Schwäne dieser Größe ein Gewicht von 5,2 Kilogramm haben“, erläuterte der Vogel-Experte.

Partner auf Pflegestation gefunden

Tierärztin Dr. Birge Herkt – Herkts Tochter – verabreichte der Schwänin ein Antibiotikum und hängte sie an einen stärkenden Tropf. Eine Rotlicht-Lampe tat ihr Übriges. Wenige Wochen zuvor war ein schwarzes Schwanen-Männchen auf der Pflegestation eingeliefert worden. Die beiden Tiere standen sich gegenseitig bei der Genesung bei: Heute sind sie ein Paar. „Man sieht sie nur noch zusammen“, sagt Wolfgang Herkt, der der Schwänin irgendwann zwei Schwaneneier zum Bebrüten gab. „Jeder braucht ein Erfolgserlebnis“, ist der Osnabrücker überzeugt.

Und tatsächlich: Die Schwänin brütete zwei Küken aus – von denen eines vom Marder geholt wurde. Der andere Jungschwan stolziert heute neben seiner Zieh-Mutter und ihrem Partner über die Wiese. Wenn die drei Wolfgang Herkt begegnen, begrüßt die Schwänin ihn mit einem spitzen Schrei. „Die kennen mich“, ist der Vogel-Fachmann überzeugt – der an den Geräuschen auch zu unterscheiden weiß: Ist es ein Gruß? Oder stehen die Schwäne unter Stress?

In Silvesternacht plötzlich verschwunden

Sich fotografieren zu lassen, das bedeutet für die Schwänin allemal Stress. Sie weiß ja nicht, was ihr Konterfei möglicherweise für die Münsteraner bedeutet. Warum sie zum bitterkalten Jahreswechsel 2008/2009 nicht wie die Vorjahre ins Zoo-Winterquartier kam? Jörg Adler schüttelt den Kopf: „Wir waren auf der Suche nach einer richtigen Lösung“, erzählt er. So habe man in der Nähe des Sees eine Hütte für die Schwänin gebaut.

Doch dann war sie plötzlich verschwunden. Adler war davon ausgegangen, dass jemand den Vogel im Getümmel der Silvester-Nacht ins Auto gepackt und weggebracht hat. „Da kann man nur spekulieren.“

Rückkehr nach Münster?

Der Zoo-Direktor verglich gestern alte Röntgen-Aufnahmen von Petra mit Fotos von der Osnabrücker Schwänin. Die Anatomie der Füße weise sehr große Übereinstimmungen auf, sagte er. Adler machte vor Ort gleich ein Kaufangebot. „Ich würde die Schwänin gern mit ihrem Partner nach Münster holen und beide zum Botschafter für Vogelschutz machen. Das wäre doch ein Happy-End.“

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