Landfahrer oder nicht?
Roma ziehen auf gesperrten Platz

Münster-Nienberge -

Ein gutes Dutzend Menschen aus Rumänien, darunter einige Kinder, sind mit Hilfe von Unterstützern auf den ehemaligen Landfahrerplatz an der Steinfurter Straße / Ecke Vorbergweg gezogen. Die Stadtverwaltung will den Platz, dessen Boden belastet ist, nicht als kostenlosen Campingplatz nutzen lassen.

Dienstag, 30.04.2013, 16:04 Uhr

Roma-Familien hatten sich auf einer Wiese neben dem Landfahrerplatz angesiedelt, die sie auf Drängen der Stadt räumen mussten. Eine Unterstützer-Gruppe half ihnen beim Umzug.
Roma-Familien hatten sich auf einer Wiese neben dem Landfahrerplatz angesiedelt, die sie auf Drängen der Stadt räumen mussten. Eine Unterstützer-Gruppe half ihnen beim Umzug. Foto: eb

Wer ist ein Landfahrer, und wann liegt ein Bedarf für einen Platz vor, auf dem sich über Land ziehende Menschen niederlassen können? Diese Fragen stellen sich angesichts eines kurios anmutenden Umsiedlungsgeschehens mit ernstem Hintergrund, das sich am Dienstag an der Steinfurter Straße / Ecke Vorbergweg abspielte.

Ein gutes Dutzend Menschen aus Rumänien , darunter einige Kinder, standen vor ein paar Wochen vor dem verschlossenen Tor des dortigen Landfahrerplatzes . Als Ausweichquartier wählten sie eine Wiese hinter dem Nachbarhaus. Das Grundstück gehört der Stadt Münster und wurde nach Auskunft des städtischen Presseamtes früher gewerblich genutzt. „Es ist im Altlastenkataster verzeichnet, das heißt, der Boden ist belastet – das ist keine Fläche, auf der sich Kinder tummeln und vielleicht gar noch im Erdreich graben sollten“, informierte Pressesprecher Joachim Schiek.

Daher wurden die Roma vom Liegenschaftsamt und dem Ordnungsamt aufgefordert, die Fläche zu räumen. Zunächst sollte das binnen zwei Stunden geschehen. Mitglieder der antirassistischen Initiative sowie Bewohner des benachbarten Gebäudes erreichten einen Aufschub. Schließlich öffneten Menschen, die sich als „Unterstützer“ der Roma-Familien bezeichnen, die Absperrgitter des Landfahrerplatzes und halfen den Menschen, auf die geschotterte Fläche umzuziehen. Die im vorigen Herbst dort aufgestellten Toiletten sind jedoch nicht mehr vorhanden, denn der Platz soll laut einem Beschluss des Vorstands der Stadtverwaltung geschlossen gehalten werden, erfuhren die WN vom Ordnungsamt. Nur „falls ein Bedarf entsteht“, solle der Platz wieder geöffnet werden.

Die CDU-Sozialpolitiker Richard Halberstadt und Peter Wolfgarten äußerten sich vor Ort verärgert über diesen Verwaltungsbeschluss, bei dem die Politiker nicht einbezogen worden seien. „Menschen kann man nicht hin und her schieben“, betonte Wolfgarten. „Wir müssen eine sozialverträgliche Lösung herbeiführen.“

„Der Landfahrerplatz kann nicht als kostenfreier Campingplatz genutzt werden“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt. Falls es notwendig sein sollte, den Platz abgesehen von Landfahrern, die jeweils nach einigen Tagen weiterziehen, auch anderen Personen zur Verfügung zu stellen, werde dies „in Abstimmung zwischen Ordnungs- und Sozialamt entschieden“. Die Stadt werde jedoch nicht zulassen, dass Familien mit Kindern auf dem Platz leben.

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