Neues Buch über „Münster im Dritten Reich“
Rundgänge in die NS-Zeit

Münster -

„Münster im Dritten Reich“ heißt ein neu erschienener Stadtführer. Der Historiker Christian Steinhagen schildert darin, wo einst NS-Größen lebten, NS-Organisationen saßen oder sich Ereignisse abspielten. Das Buch steuert mit seinen sechs Rundgängen 100 verschiedene Schauplätze im gesamten Stadtgebiet an.

Sonntag, 28.04.2013, 13:04 Uhr

Heinrich Austermann war ein angesehener Bürger dieser Stadt. Als Stadtrat war er ab 1948 für die wirtschaftliche Entwicklung Münsters zuständig, 1951 ordnete er als Kämmerer die Finanzen, von 1952 bis 1973 war er Stadtdirektor. Austermann wurde nicht nur zum Ehrenbürger ernannt – 1989 benannte man eine Straße nach ihm.

Dass es in seiner Biografie auch dunkle Seiten gab, beschreibt der münsterische Historiker Christian Steinhagen in seinem Buch „ Münster im Dritten Reich“, das ab sofort im Handel erhältlich ist. Als junger Jurist im Rechtsamt der Stadt sei Austermann 1938 für die „Arisierung“ jüdischen Grundbesitzes mitverantwortlich gewesen – also für Grundstücksbeschlagnahmungen und Betriebsabwicklungen. Dabei habe er sich als „effizienter“ Mitarbeiter erwiesen, urteilt Steinhagen über den 1984 verstorbenen Kommunalbeamten.

Neben dem „Fall Austermann“ hat Christian Steinhagen bei seinen intensiven Nachforschungen zahlreiche weitere Personen, Orte und Ereignisse der Jahre 1933 bis 1945 recherchiert – und lokalisiert. Sein jetzt im Aschendorff Verlag erschienener Stadtführer bietet in sechs Rundgängen mit 100 Stationen teils unbekannte, nicht selten auch schockierende Einblicke in die Zeit des Nationalsozialismus.

So liefert Steinhagen Antworten auf die Fragen, welcher Münsteraner bei Kriegsausbruch 1939 an der Moskauer Botschaft tätig war, welcher Münsteraner vor dem Volksgerichtshof stand und welcher Münsteraner als letzter Wehrmachtssoldat im September 1945 kapitulierte. Der Historiker verrät, welcher spätere Staatspräsident in einem Kriegsgefangenenlager am Hohen Heckweg inhaftiert war – und welche Majore 1940 den Kriegsverlauf bei „Pinkus Müller“ beeinflussten.

Die sechs reich bebilderten Rundgänge führen durch die Altstadt, durchs Kreuzviertel, von Mauritz nach Handorf, vom Preußenstadion zur Loddenheide, links am Aasee und rechts am Aasee vorbei. Das Buch beginnt am Zwinger, in dem 1944 sowjetische Zwangsarbeiter erschossen wurden, und endet mit einem tödlichen Zwischenfall bei Haus Rüschhaus. Dazwischen stellt Steinhagen Orte vor, die mit den Namen von NS-Größen verbunden sind, an denen Funktionäre wohnten oder NS-Organisationen saßen. Steinhagen betont, dass einige bekannte Namen fehlen. Dafür wartet sein lesenswertes Buch mit zahllosen Neuigkeiten auf – und macht es so zu einem aufregenden Leseerlebnis.

Zum Thema

Christian Steinhagen: Münster im Dritten Reich, 232 Seiten, 200 Abbildungen, Aschendorff Verlag, 19,80 Euro.

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