Rechter Wirbel um Münsters Gefängnis
Laken mit brauner Botschaft hing aus Zellenfenster

Münster -

Ein bereits vor drei Wochen gemachtes Foto von der Justizvollzugsanstalt Münster kursiert im Vorfeld des NSU-Prozesses bundesweit in einschlägigen Kreisen und Internetforen. Es zeigt ein mit blauer Schrift bemaltes Bettlaken, das zwei unkenntlich gemachte Häftlinge aus dem Fenster einer Zelle halten. Darauf fordern sie die „Freiheit für alle politischen nationalen Gefangenen.“ Zuletzt hatte es Schlagzeilen wegen eines rechtsextremen Netzwerks hinter Gittern gegeben.

Mittwoch, 17.04.2013, 06:04 Uhr

Über Münsters Justizvollzugsanstalt wird in rechten Kreisen gesprochen. Ein mit einer Parole beschmiertes Laken hing aus einem der Fenster.
Über Münsters Justizvollzugsanstalt wird in rechten Kreisen gesprochen. Ein mit einer Parole beschmiertes Laken hing aus einem der Fenster. Foto: Matthias Ahlke

Für Münsters Polizei ist das Foto mit einem offensichtlich rechtsextremen Hintergrund strafrechtlich nicht relevant. „Uns interessiert allerdings schon, wer und welche Gesinnung dahinter steht“, sagt Polizeisprecher Jan Schabacker . Der Staatsschutz ist auch über die Gefängnisleitung informiert worden, sieht allerdings bislang keinen Ansatz für Ermittlungen.

Beide wissen inzwischen, wer Anstifter und einer der beiden Beteiligten war. Ein Häftling, Anfang 30, dem Gewaltdelikte und Kontakte zur rechten Szene nachzuweisen sind. Er hatte den sogenannten „Aufschluss“ – zweimal in der Woche können Häftlinge ihre Zellen verlassen und sich in ihrem Trakt frei bewegen – dazu genutzt, mit einem Kumpanen, das Bettlaken mit der braunen Botschaft aus dem Fenster zu hängen. Wer dieser zweite Häftling war, ist der Anstaltsleitung bislang nicht bekannt. Das Foto ist dann von außen gemacht worden – vermutlich von einem früheren Insassen, der erst vor Kurzem entlassen worden sei. „So etwas wird gerne vorher abgesprochen“, heißt es aus der JVA.

Gefängnisleiterin Maria Look relativiert den Vorfall. „Mit der NSU oder einem rechten Netzwerk in bundesdeutschen Gefängnissen hat das Foto nichts zu tun.“ Zwei namentlich bekannte Häftlinge von 528 Insassen gelten in der JVA als rechtsextrem. Ebenso gebe es „Linksextreme und Islamisten“. Der Anstifter hat die Quittung bekommen. Den Job in der Schlosserei ist er quitt; seine Zelle bleibt verschlossen, wenn die anderen Häftlinge auf dem Flur sind.

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