Verbannung aus dem Dom
Für Bettler ist kein Platz im Paradies

Münster -

Trotz zahlreicher Proteste in den vergangenen Tagen hält das Domkapitel an seiner neuen Linie fest: Die Bettler kehren nicht in das Paradies zurück. Das machte Dompropst Josef Alfers unmissverständlich deutlich, nachdem auch Bischof Genn die Entscheidung verteidigt hatte.

Donnerstag, 11.04.2013, 08:04 Uhr

Im Paradies wird es keine Rückkehr der Bettler geben. Das Domkapitel steht zu seiner Entscheidung – trotz der zahlreichen Proteste, die beim Bistum eingegangen sind.
Im Paradies wird es keine Rückkehr der Bettler geben. Das Domkapitel steht zu seiner Entscheidung – trotz der zahlreichen Proteste, die beim Bistum eingegangen sind. Foto: Oliver Werner

Es bleibt dabei. Für die aus dem Dom verbannten Bettler wird es trotz zahlreicher Proteste keine Rückkehr ins Paradies geben. Das machte Dompropst Josef Alfers im WN-Gespräch unmissverständlich deutlich, nachdem Bischof Felix Genn die neue Regelung des münsterischen Domkapitels am Dienstag öffentlich verteidigt hatte. „Wir bleiben ganz klar bei unserer neuen Linie“, verdeutlichte der Dompropst.

Anonyme Drohungen per Telefon

Zahlreiche Reaktionen auf die Bettler-Verbannung aus dem Paradies haben den Bischof und das Bistum erreicht. „Die Brief- und Mailschreiber bekommen von uns alle eine Antwort, in der wir die Entscheidung des Domkapitels erklären“, sagte Bistumssprecher Dr. Stephan Kronenburg . Selbst die CDU hatte öffentlichkeitswirksam angekündigt, sich einmischen zu wollen. Und: Unter den erbosten Anrufen im Domkapitel waren sogar anonyme Drohungen.

Es war sicher keine Entscheidung aus Mangel an Barmherzigkeit.

Josef Alfers, Dompropst

Gleichwohl sei es kein beliebiger Beschluss gewesen, die Bettler nach der monatelangen Dom-Renovierung nicht wieder ins Paradies zu lassen, verdeutlichte Alfers. „Es war sicher keine Entscheidung aus Mangel an Barmherzigkeit.“ Für Arme, Benachteiligte, Wohnungslose oder Flüchtlinge gebe es in Münster zahlreiche Anlaufpunkte in katholischer Trägerschaft – vom Haus der Wohnungslosenhilfe über das Christopherusheim und das Gertrudenhaus bis hin zur Bahnhofsmission. „Wir müssen die Ärmsten der Armen an diese Stellen verweisen, wo ihnen sofort und sicherlich besser als im Paradies des Doms geholfen wird“, betonte Alfers.

Einträgliches Geschäft

Zumal sich das Domkapitel sehr sicher sei, dass in der Vergangenheit im Paradies eben „nicht die Ärmsten der Armen saßen“. Jahrelang hatte dort Richard, ein Pole, seinen Platz, der nun vor der Domtür Passanten um eine Spende bittet. „Richard kommt aus geordneten Verhältnissen und betreibt am Dom ein einträgliches Geschäft mit festen Zeiten“, sagte Alfers. Dazu kämen wechselnde bettelnde Frauen, die offensichtlich „in mafiöse Strukturen verwickelt sind“. Mit einer Öffnung des Paradieses würde das Domkapiteln dem organisierten Betteln auch noch Vorschub leisten. „Natürlich zählen diese Frauen, die abends ihr gesammeltes Geld abgeben müssen, zu den Ärmsten der Armen. Um sie müssen wir uns mit allen sozialen Angeboten, die die Kirche unterhält, kümmern“, betonte der Dompropst.

Dass das Betteln in den Kirchen untersagt wird, sei kein Einzelfall. Eine solche Regelung gelte in vielen Kathedralen von Köln bis Rom. Die Kustonen achten nun darauf, dass im St. Paulus-Dom nicht mehr gebettelt wird. Richard hat sich über den Beschluss des Domkapitels nicht beschwert.

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