Kindervorlesung über die Bücherverbrennung in Münster
Junge Studenten auf Zeitreise

Münster -

Blick zurück zum 10. Mai 1933. Wenige Meter vom großen Hörsaal am Schlossplatz, wo am Freitagnachmittag rund dreihundert Kinder saßen, wurden auf den Tag genau 80 Jahre zuvor auf Betreiben der Nazis die Bücher unerwünschter Autoren verbrannt. Die Geschichtswissenschaftler Prof. Thomas Großbölting und Christoph Lorke erklärten bei der Kinderuni die Hintergründe.

Sonntag, 12.05.2013, 13:05 Uhr

Die jungen Studentinnen schreiben bei der Kinderuni eifrig mit. Henrike (M.) und ihre Freundinnen spitzten bei der Vorlesung im großen Hörsaal konzentriert die Ohren.
Die jungen Studentinnen schreiben bei der Kinderuni eifrig mit. Henrike (M.) und ihre Freundinnen spitzten bei der Vorlesung im großen Hörsaal konzentriert die Ohren. Foto: Matthias Ahlke

Henrike und ihre beiden Freundinnen haben sich am Freitagnachmittag extra in die erste Reihe gesetzt und ihre Schreibblöcke mitgebracht. Eine knappe Stunde später ist seitenweise Papier voll mit Notizen. „Das war spannend“, sagt Henrike nach der Kindervorlesung von Christoph Lorke und Prof. Thomas Großbölting über die Bücherverbrennung in Münster : „Davon habe ich vorher noch gar nichts gewusst.“

Genau auf Tag vor 80 Jahren, am 10. Mai 1933, brannten wenige Meter von der Stelle entfernt, wo die Kinder im großen Hörsaal der Universität sitzen, ein riesiger Scheiterhaufen mit den Büchern von Schriftstellern, deren Gedanken und Meinungen die Nazis auslöschen wollten.

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Tausende Münsteraner sahen sich freiwillig und viele auch begeistert zu, berichtete Christoph Lorke. Zuvor waren sie in einem langen Zug hinter einem Karren mit den eingesammelten Büchern über den Prinzipalmarkt, den Spiekerhof und die Frauenstraße gelaufen. „Die wollten bei Hitler mitmachen“, mutmaßte ein junger Student.

Und die Kinder lernten, dass auch heute noch Bücher verbrannt werden. In den USA etwa warf vor wenigen Jahren eine christliche Sekte Harry-Potter-Bücher ins Feuer, weil es, wie ein Junge im großen Hörsaal richtig vermutete, darin „viel um Zauberei geht“. Neonazis bei Magdeburg verbrannten 2006 Exemplare des „Tagebuchs der Anne Frank“ – des jüdischen Mädchens, das später von den Nazis ermordet wurde. Das fand Jan (11) „richtig krass: Jeder muss seine Meinung sagen dürfen“, fand der Elfjährige.

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