Männer-Traumberuf Baggerfahrer
Brachial, aber mit Gefühl

Münster -

Walter Sezlak hat bei der Arbeit viele – vorwiegend männliche – Bewunderer. Der Baggerfahrer macht zurzeit die ehemalige Expressgutabfertigung am Hauptbahnhof dem Erdboden gleich. Das ist weniger eine brachiale als eine echte Feinarbeit, wie Sezlak im WN-Interview verrät.

Mittwoch, 22.05.2013, 10:05 Uhr

Ein mächtiger Mann: Walter Sezlak (kleines Bild) macht mit seinem Bagger die alte Expressgutabfertigung am Bahnhof dem Erdboden gleich.
Ein mächtiger Mann: Walter Sezlak (kleines Bild) macht mit seinem Bagger die alte Expressgutabfertigung am Bahnhof dem Erdboden gleich. Foto: Matthias Ahlke

Walter Sezlak ist es gewohnt auf großer Bühne zu arbeiten. Seit gut einer Woche sehen ihm reihenweise Zuschauer, fast alle männlich, an der Ostseite des Bahnhofs zu. Der 57 Jahre alte Baggerfahrer der BLR-Bauunternehmung reißt zurzeit die alte Expressgutabfertigung ab und produziert jede Stunde Tausende Tonnen von Schutt. Ein Job, der viel Fingerspitzengefühl erfordert, wie er im Gespräch mit WN-Redakteurin Karin Völker verriet.

Die meisten Leute, die Ihnen zusehen, glauben, Sie sind mit brachialer Gewalt am Werk.

Sezlak: Das sieht nur so aus. Meistens muss ich vorsichtig zu Werke gehen. Gucken Sie mal die Balken vom Dachstuhl an: Wenn ich zu fest zudrücke, dann bricht das Holz gleich kaputt. Der Greifer ist mein verlängerter Arm, wenn ich den bediene, fühlt sich das an wie meine eigenen Finger.

Kann man das lernen – oder anders gefragt: Macht man in Ihrem Beruf eine Ausbildung?

Sezlak: Mittlerweile gibt es schon spezielle Ausbildungen. Ich bin gelernter Kfz-Mechaniker und habe vor 20 Jahren umgesattelt. Gerade anfangs habe ich bei jedem Abriss dazugelernt. Ein bisschen Talent schadet sicher nicht.

Wie viele Gebäude haben Sie schon abgebrochen?

Sezlak: So genau weiß ich es nicht. Ich schätze ungefähr 150. Hier am Bahnhof habe ich in letzter Zeit viel gemacht. Ich habe auch den alten Tunnel abgerissen. Das war anspruchsvoll, die Wände waren 80 Zentimeter dick, der Bagger hatte daran ordentlich zu knabbern.

Was war denn bisher Ihr größtes Gebäude, das Sie dem Erdboden gleichgemacht haben?

Sezlak: Mehr als fünf Stockwerke hatte noch kein Haus. Da würde der Bagger auch nicht rankommen. Unser Komatsu PC 290 hat ein Bolzenmaß von 18,30 Meter. Das reicht so gerade für dieses Gebäude hier.

Hand aufs Herz, kann man in Ihrem Job nicht richtig gut Aggression abbauen?

Sezlak: Ich hab‘ keine Aggressionen – und die wären auch fehl am Platz. Man muss meistens sehr vorsichtig zu Werke gehen, denn manchmal ist es auch ein bisschen gefährlich. Das finde ich aber nicht schlimm, es gibt mir eher einen Kick.

Ist bei Ihnen schon mal was schiefgegangen?

Sezlak: Zum Glück nicht. Das Schlimmste ist, wenn mal mehr runterkommt, als man eigentlich wegreißen wollte. Man muss aber auch immer sehr aufpassen, dass der Bagger beim Rangieren auf dem Schutt nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Aber auch das hat man mit der Zeit genau im Gefühl.

Wie lange haben Sie noch mit der Expressgutabfertigung zu tun?

Sezlak: Am Mittwoch, spätestens Donnerstag ist die weg. Danach kommt nur noch das kleine Nebengebäude, das liegt direkt unter Oberleitungen am Gleis. Da laufen 15 000 Volt durch, die Bahn muss erst den Strom abstellen. Das wird richtige Feinarbeit.

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