Überraschung bei Schillers „Räubern“
Occupy-Aktivisten kapern Theater-Bühne

Münster -

Aktivisten der Occupy-Bewegung haben eine Aufführung von Schillers „Räubern“ im Stadttheater gestürmt. Ein Sprechchor skandierte Parolen im Zuschauerraum, auf der Bühne mischten sich Aktivisten unter die Schauspieler.

Freitag, 24.05.2013, 20:05 Uhr

Dies ist eine Szene aus der Inszenierung der „Räuber“. Am Donnerstag stürmten echte Occupy-Aktivisten die Aufführung im Großen Haus.
Dies ist eine Szene aus der Inszenierung der „Räuber“. Am Donnerstag stürmten echte Occupy-Aktivisten die Aufführung im Großen Haus. Foto: Marion Buehrle

Frank Behnke , Regisseur am Theater Münster , saß am Donnerstagabend noch an seinem Schreibtisch. Per Lautsprecher konnte er die Aufführung seiner Inszenierung „Die Räuber“ im Großen Haus live verfolgen. Plötzlich tönten unbekannte Textpassagen, ein fremder Sprechchor , Kritik an Banken und Finanzmärkten von der Bühne.

Behnke stürmte an den Ort des Geschehens und staunte nicht schlecht: Aktivisten der Bewegung „Occupy“ hatten seine Inszenierung gekapert, zwei als Bankenlobbyisten verkleidete Occupy-Leute redeten auf der Bühne, aus dem Zuschauerraum skandierte ein 20- bis 30-köpfiger Sprechchor antikapitalistische Parolen und rief dazu auf, die nächsten Protestveranstaltungen zu unterstützen.

„Eine überraschende Intervention“, zieht Behnke am nächsten Tag nüchtern Bilanz. Auch wenn sich ein Regisseur nicht wünschen darf, dass seine Bühne zweckentfremdet wird – so ganz schlecht fand er die Aktion nicht, von der viele Zuschauer glaubten, sie gehöre offiziell zum Stück. Denn am Anfang von Behnkes Inszenierung tritt die Räuber-Bande mit Occupy-Transparenten auf die Bühne – wodurch sich einige Aktivisten der Bewegung im echten Leben veralbert fühlten, wie Behnke erzählt.

Beim gut besuchten Publikums-Gespräch nach der Aufführung gab es jedenfalls reichlich Stoff. Etliche Lehrer, die mit ihren Schulklassen das Theater besucht hatten, waren schier begeistert. Die Aktion habe den Schülern sehr eindruckvoll vermittelt, dass ein Schiller-Stück keineswegs eine verstaubte Angelegenheit, sondern immer noch topaktuell sei, fanden die Pädagogen.

Auch der Regisseur sagt: „Wenn wir meinen, dass Theater politisch sein soll, dann geht das als einmalige Aktion in Ordnung.“ Und die Störer der Aufführung haben aus Sicht des Profis ihre Sache nicht schlecht gemacht. „Die hatten geprobt“, sagt Behnke, „das war ein ganz anständiger Laienchor“.

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