Aufnahmestopp auf Kinderintensivstation
Gefährliche Darmkeime haben zehn Säuglinge am Uni-Klinikum befallen

Münster -

Ein für abwehrschwache Patienten gefährlicher Darmkeim hat sich auf der Kinderintensivstation der Kinderklinik des Universitätsklinikums Münster (UKM) eingenistet. Neun Neugeborene und ein Kleinkind sind mit dem Bakterium „Serratia marcescens“ besiedelt. Die Mediziner suchen mit Hochdruck nach der Quelle, die bislang nicht gefunden worden ist.

Samstag, 15.06.2013, 01:06 Uhr

Aufnahmestopp auf Kinderintensivstation : Gefährliche Darmkeime haben zehn Säuglinge am Uni-Klinikum befallen
Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor am UKM. Foto: Matthias Ahlke

Die verunsicherten Eltern der über 30 Säuglinge und Kinder, die aktuell in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Münster (UKM) medizinisch besonders betreut werden müssen, haben große Angst um ihre Kleinen. Ein für immungeschwächte Patienten gefährlicher Darmkeim hat sich auf der Kinderintensivstation und der Nachbarstation eingenistet. Neun Babys und ein Kleinkind sind davon besiedelt. „Die Kinder werden genau beobachtet. Auch die Eltern werden von uns das ganze Wochenende über betreut“, sagt Dr. Esther Rieger-Fackeldey , Leiterin der Neonatologie des UKM.

Große Sorgen machen sich auch die behandelnden Ärzte um das frühgeborene Baby, das durch die Infektion mit dem Keim „Serratia marcescens“ an einer Blutvergiftung erkrankt ist. „Es ist kritisch erkrankt und wird mit allen notwendigen Maßnahmen behandelt“, sagt Rieger-Fackeldey. Nähere Angaben zu dem Säugling und der Familie machte das UKM nicht. Der Säugling wird mit Antibiotika behandelt, die in der Regel nach zwölf bis 48 Stunden wirksam werden, so Rieger-Fackeldey.

Die Häufung des „Serratia“-Keimes ist bei den kontinuierlich mikrobiologischen Untersuchungen im Rahmen des Hygienemanagements bereits am Mittwoch festgestellt worden. Seitdem ist die Kinderintensivstation so gut wie geschlossen. „Wir nehmen derzeit keine zusätzlichen Patienten auf, planbare Operationen sind abgesagt worden“, sagt der Ärztliche Direktor des UKM, Prof. Dr. Norbert Roeder .

Die Kinder sind isoliert worden und werden von Pflegepersonal betreut, das keinen anderen Kontakt zu weiteren Patienten hat. Die Hygienemaßnahmen sind verschärft worden. Eine zusätzliche Sonderreinigung der Station wird derzeitig durchgeführt, wofür jeweils ein Raum vollständig leergeräumt werden muss. Die Kinder werden dafür in andere Zimmer verlegt. „Das ist natürlich ein hoher Aufwand“, sagt Roeder.

Fieberhaft forschen die Mediziner nach der Quelle für die Keime. „Wir können nicht sagen, woher sie kommen. Bislang sind wir bei der Ursache nicht fündig geworden“, sagt der Leitende Krankenhaus-Hygieniker des UKM, Dr. Frank Kipp.

Die Übertragungswege seien vielfältig. Schmierinfektion, kontaminierte Gegenstände oder Angehörige haben das Bakterium eingeschleppt – vieles ist denkbar. Roedder sagt offen: „Auch wir können Fehler nicht ausschließen.“

Serratia marcescens

„Serratia marcescens“ ist ein Bakterium, das zur Familie der Enterobakterien und zur Gattung Serratia gehört. Serratien sind Umweltbakterien, die vorübergehend im Darm vorkommen und für kranke Menschen eine Gefahr darstellen können. Daher werden im UKM alle Patienten kontinuierlich untersucht, um festzustellen, mit welchen Keimen sie befallen sind. Bei den standardisierten Untersuchungen ist nun die Häufung festgestellt worden

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