Ungewöhnliche Aktion mehrerer Fachschaften
Studentenblut fließt für Bücher

Münster -

Die Fachschaften mehrerer kleiner Fächer haben ihre Kommilitonen zu einer ungewöhnlichen Aktion aufgefordert: Unter dem Motto „Blut für Bücher“ rufen sie dazu auf, am Freitag (7. Juni) am Uniklinikum Blut zu spenden. Die Aufwandsentschädigung wollen sie für den Kauf von Büchern spenden.

Donnerstag, 06.06.2013, 11:06 Uhr

Weil sie sehen, dass ihre Fächer an der Universität ausbluten, wollen die Studenten nun selbst Blut lassen. Die Fachschaften Ur- und Frühgeschichte, Religionswissenschaft, Klassische und Frühchristliche Archäologie, Nordische Philologie und Orientalistische Fächer haben ihre Kommilitonen zu einer ungewöhnlichen Aktion aufgefordert: Unter dem Motto „Blut für Bücher“ rufen sie auf, am Freitag (7. Juni) am Uniklinikum Blut zu spenden. Zum einen, damit die Studierenden die Aufwandsentschädigung tatsächlich für den Kauf von Büchern spenden können, zum anderen aber auch, „um die Öffentlichkeit auf den Notstand der Lehre in den so genannten kleinen Fächern aufmerksam zu machen“, erklärt Johannes Wagner aus der Fachschaft Ur- und Frühgeschichte.

Schon jetzt, klagen die Studenten, werden Neuerscheinungen für die Bibliotheken nicht immer angeschafft, die kleinen Institute sollen aber noch mehr sparen. Derzeit, so die Studierendenvertreter, würden rund 15 Prozent im ohnehin knapp bemessenen Budget gespart. „Wir müssen perspektivisch auf die Einladung von Gastdozenten verzichten, studentische Hilfskraftstellen werden gestrichen, und es fehlen Mittel, um unverzichtbare Fachliteratur zu erwerben“, sagt Wagner,

Die Studenten werden von Professoren ihrer Fächer unterstützt. „Gerade die kleinen Fächer vertreten zwar große Forschungsfelder, sind in der Regel aber nur schwach ausgestattet“, sagt die Ägyptologin Prof, Angelika Lohwasser . Und Prof, Ralf Gleser vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte warnt davor, „dass die Kürzungen die Minimalfinanzierung unterschreiten“.

Die Fachschaftsvertreter sind sich darüber im Klaren, dass mit dem Erlös der Blutspendeaktion keine großen Bücherkäufe möglich sein werden können. Sie hoffen aber auf weitere Geldspenden – und sie wollen auf die kleinen Fächer aufmerksam machen. Mit denen wirbt die Universität, die gern beteuert, auf keinen dieser Mosaiksteine in der geisteswissenschaftlichen Forschung verzichten zu wollen. Johannes Wagner: „Wenn die Uni die Fächer erhalten möchte, muss sie sie so ausstatten, dass Nachwuchs ausgebildet werden kann.“

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