1000 Drahtesel werden jedes Jahre verschrottet
60 000 „Fahrradleichen“

Münster -

Nach Schätzungen der Stadt gibt es rund 600 000 Fahrräder in Münster – darunter 60 000 „Fahrradleichen“, die niemand vermisst und die vor sich hinrosten. Stehen diese auf dem Bürgersteig, kann das Ordnungsamt nicht viel machen. Es sei denn, sie behindern Passanten. Rund 1000 solcher Räder werden jedes Jahr von der Stadt verschrottet.

Mittwoch, 31.07.2013, 14:07 Uhr

Dutzende Fahrräder vor Häusern,  die deutlich weniger Klingeln haben – in zahlreichen Vierteln in Münster ein gewohntes Bild. Umgestellt oder entfernt werden dürfen sie aber nur, wenn sie Passanten behindern – oder schrottreif sind.
Dutzende Fahrräder vor Häusern,  die deutlich weniger Klingeln haben – in zahlreichen Vierteln in Münster ein gewohntes Bild. Umgestellt oder entfernt werden dürfen sie aber nur, wenn sie Passanten behindern – oder schrottreif sind. Foto: Oliver Werner

Mit den münsterischen Fahrrädern verhält es sich wie mit den Sternen am Himmel: Niemand kennt ihre genaue Zahl. Doch es gibt Schätzungen. 600 000 Zweiräder, so Horst Werner Koch vom Ordnungsamt , fahren, stehen oder liegen in der Stadt.

Nicht alle sind verkehrstüchtig, es gibt Viertel, da sind manche Bürgersteige unpassierbar, weil die Berge an rostigen und platten Rädern vor den Häusern immer mehr anwachsen. Koch schätzt, dass es sich bei jedem zehnten Fahrrad in der Stadt um eine „ Fahrradleiche “ handelt. Immerhin satte 60 000 Stück.

Und die sind an vielen Stellen im Stadtgebiet nicht zu übersehen. Am Bahnhof sowieso nicht, aber auch nicht in vielen Wohngebieten. „Acht Klingeln, auf dem Bürgersteig 30 Räder, jedes dritte verrostet, platt oder kaputt“, fasst Horst Werner Koch das bekannte Bild zusammen. Nicht wenige dieser Drahtesel sind seit etlichen Jahren nicht mehr bewegt worden.

Alleine ein unschöner Anblick reiche allerdings nicht aus, um die Mitarbeiter seiner Behörde in Bewegung zu setzen. „Grundsätzlich dürfen die Fahrräder nämlich durchaus auf dem Bürgersteig abgestellt werden“, sagt Koch. Problematisch werde es erst dann, wenn der Platz, der für Fußgänger, Rollator- und Rollstuhlfahrer und andere Passanten übrig bleibt, unter einem Meter Breite liege. „Niemand darf durch Fahrräder behindert werden“, stellt er klar.

Routinekontrollen des Ordnungsamtes gebe es nicht. „Wenn uns die Bürger anrufen, dann kommen wir allerdings raus“, versichert Koch. Seine Mitarbeiter stellen die Räder dann entweder um – oder nehmen sie womöglich direkt mit. Doch das gehe nur, wenn sie tatsächlich schrottreif sind.

„Ein platter Reifen reicht nicht aus, sie müssen schon eine Acht haben, kaputte Speichen – oder der Sattel muss fehlen“, berichtet der stellvertretende Behördenleiter. Das Schicksal, in der Schrottpresse zu landen, ereilt laut Koch jedes Jahr rund 1000 Zweiräder.

1000 von 60 000, von denen ein Großteil bei Umzügen „vergessen“ wurde – und das womöglich nicht unbeabsichtigt. Um sie zu sortieren, geht es durchaus auch ohne Ordnungsamt, sagt Koch – und nennt das Stichwort „Sozialkontrolle“: Bewohner oder Vermieter dürften auch sehr gerne selbst dafür sorgen, dass der Bürgersteig vor ihrem Haus passierbar bleibt. Aber nur in Grenzen: „Ein Vermieter darf verrostete Räder nicht einfach entsorgen. Schließlich gehören sie ihm nicht. Wenn er sie ohne Erlaubnis abräumt, wäre das, genau genommen, Diebstahl.“

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